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Morningstar-Herabstufung : Flossbach schwächelt

Ist ein Verkauf nun ratsam?

Heute erklärt Flossbachs Stratege Vorndran dazu: „Unsere Analyse hat gepasst. Was dagegen nicht ausreichend gepasst hat, ist unsere Ableitung der Analyse.“ In der Tat: Denn Flossbach und seine Leute verzichteten darauf, ihr Depot gegen eine Abwertung des Dollar abzusichern. Dies ist für Profianleger gegen Gebühr möglich, an der Börse ist dann von „Währungs-Hedge“ die Rede. „Leider waren wir dabei zu zaghaft“, räumt Flossbachs Stratege ein. Man habe über eine umfänglichere Absicherung nachgedacht, sie aber als zu teuer angesehen.

Sollten Anleger nun daraus den Schluss ziehen, dass es womöglich besser ist, den Multiple-Opportunities-Fonds zu verkaufen? Trotz der Herabstufung rät Morningstar-Analystin Barbara Claus nicht dazu. „Bert Flossbach ist ein erfahrener Fondsmanager, der seiner Anlagestrategie treu bleibt und der damit über die Jahre eine gute Wertentwicklung erzielen konnte.“ Nimmt man längere Zeiträume in den Blick, sticht Flossbachs Fonds in der Tat heraus: In den vergangenen fünf Jahren erzielte er ein Plus von rund 7,5 Prozent im Jahr, seit der Auflage im Oktober 2007 waren es sogar durchschnittlich neun Prozent pro Jahr. Es gibt wenige Fonds, die da mithalten können.

Trotzdem sollte Anlegern zu denken geben: Flossbachs Ansatz, vor allem in die Aktien solider Firmen wie Nestlé zu investieren, hat all die Jahre zwar gut funktioniert. Doch die hohen Renditen der Anfangsjahre wird der Vermögensverwalter womöglich nicht mehr erzielen können. Damals hatten viel weniger Kunden ihr Geld in Flossbachs Fonds angelegt, so dass er auch ohne Schwierigkeiten in die Aktien kleinerer Unternehmen investieren konnte – meist mit Erfolg.

Bestnote zum Jubiläum?

„Diese Ertragsquelle fehlt heute“, sagt Morningstar-Analystin Barbara Claus. Die schiere Größe des Fonds macht es heute nur noch schwer möglich, solche sogenannten Nebenwerte zu kaufen. Denn um einen ausreichenden Anteil der Anlagegelder dort zu investieren, müsste Flossbach häufig alle ausstehenden Aktien einer Gesellschaft aufkaufen. Das ist in der Praxis kaum möglich.

Dies ließe sich ja noch verschmerzen. Aber Flossbachs Fonds bringt noch eine zweite Unannehmlichkeit mit sich: Die Gebühren sind vergleichsweise hoch. Die jährliche Verwaltungsgebühr, die Anleger zahlen müssen, ist mit 1,53 Prozent zwar noch im Rahmen. Allerdings genehmigt sich Flossbach zusätzlich eine hohe Erfolgsgebühr von 10 Prozent, die anfällt, wenn er den Wert des Fonds steigert und nicht nur vorangegangene Schwächephasen wieder ausgleicht. Auch wenn grundsätzlich nichts dagegen spricht, sich gute Arbeit extra bezahlen zu lassen: Die Höhe der Gebühren schmälert die Rendite der Anleger für den Fall, dass sich der Flossbach-Fonds gut entwickelt.

Nach Ansicht des Vermögensverwalters und seiner Leute ist es nur eine Frage der Zeit, bis alles wieder in ihrem Sinne läuft. Schon im kommenden Monat wollen sie die verlorengegangene Bestnote zurückgewinnen, eine etwas bessere Wertentwicklung in den vergangenen Tagen macht ihnen Mut. Es wäre ein passender Anlass: Ende Oktober feiert der Multiple-Opportunities-Fonds sein zehnjähriges Bestehen.

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