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Bilanzskandal : Neue Hiobsbotschaften von Steinhoff

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Die österreichische Kette Kika-Leiner haben die Schwierigkeiten von Steinhoff unter Druck gebracht. Bild: Picture-Alliance

Der Möbelhaus-Konzern Steinhoff, der im schwelenden Bilanzskandal wenig zügig für Aufklärung sorgt, gerät weiter unter Druck. Ebenso der Aktienkurs.

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          Es war in jüngster Zeit trügerisch still geworden um den tief in einem Bilanzskandal steckenden Möbelhaus-Konzern Steinhoff. Das lag schlicht daran, dass das Unternehmen entweder nicht willens oder nicht in der Lage war, seine zurückgezogenen falschen Bilanzen durch korrekte Zahlenwerke zu ersetzen.

          Erst am Dienstag gab es dann dazu mal etwas Neues, und zwar nichts Gutes. Der Wert des in der Tochter Hemisphere gebündelten Immobilienportfolios sei einem Gutachter zufolge zu hoch angesetzt, hieß es von der Holding. Das europäische Immobilienportfolio besteht aus 140 Produktionsstätten und Grundstücken in Österreich, den Niederlanden, Großbritannien, Osteuropa und der Schweiz wie etwa Läden und Büros der Möbelkette Kika Leiner.

          Den Gutachtern zufolge hat das Portfolio nur einen Wert von 1,1 Milliarden Euro – in den Büchern stand es bislang mit dem Doppelten. Leerstände seien bisher nicht berücksichtigt worden, was eigentlich zum Einmaleins der Immobilienbewertung gehört. Auch Mieten, die Steinhoff-Gesellschaften untereinander bezahlt hatten, seien behandelt worden wie Mieten von Dritten.

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          Steinhoff droht also eine heftige Abschreibung. Das könnte die Lage des Unternehmens, das in den vergangenen Monaten immer wieder Beteiligungen verkaufte, um sich Liquidität zu verschaffen, verschärfen. Nach Informationen des Magazins „Finance“, das in der Verlagsgruppe der F.A.Z. erscheint, muss Hemisphere im August einen Kredit über 750 Millionen Euro refinanzieren.

          Das könnte sich nun sowohl für Steinhoff, als auch für die Gläubiger, zu denen inzwischen zahlreiche Hedgefonds gehören und kaum mehr die ursprünglichen Banken, schwierig werden. Angeblich könnte Hemisphere netto kaum noch einen Wert besitzen. Steinhoff hingegen verweise darauf, dass ein Großteil der Abwertungen bereits in dem im Dezember 2017 genannten Wertberichtigungsbedarf von 6 Milliarden Euro berücksichtigt sei.

          Was Wunder also, wenn der Steinhoff-Kurs neue Tiefstwerte anläuft und am Dienstag um weitere elf Prozent nachgab. Bei einem Aktienkurs von nur noch 20,67 Cents wird die Holding noch mit 0,87 Milliarden Euro bewertet. Nach den – nicht mehr gültigen – Zahlen für 2016 hat sie damals mehr als 16 Milliarden umgesetzt. Laut ungeprüften Zahlen betrug der Umsatz im letzten Quartal des Vorjahres 4,86 Milliarden Euro.

          Nicht mehr dabei ist die deutsche Kette Poco. Grund ist, dass der mit Steinhoff verbündete Aufsichtsratsvorsitzende und Gründer, Peter Pohlmann, nach zehn Jahren seine Stimmrechte verloren hat. Steinhoff verlor damit die Kontrolle über Poco.

          Die österreichische Kette Kika-Leiner hat im Zuge der Schwierigkeiten von Steinhoff im Januar eine Restrukturierung einleiten müssen. Im Unterschied zu Poco ist Kika-Leiner mit der Steinhoff-Holding finanziell verflochten und musste Maßnahmen ergreifen, um seine Liquidität zu sichern. So wurde das Wiener Stammhaus verkauft, aber so soll auch das Onlinegeschäft ausgebaut und Prozesse verschlankt werden. Vier Standorte in Österreich werden geschlossen. Auch der Gewinnabführungsvertrag mit Steinhoff wurde auf Eis gelegt.

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