https://www.faz.net/-gv6-9na8u

Modekonzern : Hugo Boss muss sich neu ausrichten

  • -Aktualisiert am

Der Online-Handel sorgt für Kopfzerbrechen in der Firmenzentrale von Hugo Boss in Metzingen. Bild: dpa

Der Modekonzern kann nicht vor dem Internet flüchten und muss sich daher neu ausrichten. Doch bisher verlief das Jahr für Hugo Boss noch nicht sonderlich erfolgreich. Die Analysten bleiben aber positiv.

          Die wachsende Bedeutung des Online-Geschäfts und schneller wechselnde Modetrends stellen Modehersteller vor Herausforderungen. Die Neuausrichtung des in Metzingen ansässigen Modekonzerns Hugo Boss ist kapitalintensiv und dauert seine Zeit. Die Anleger durchlebten in der Vergangenheit mit dem im M-Dax notierten Papier bei der Kursentwicklung Höhen und Tiefen. Im Juni 2018 wurde der Anteilschein noch mit über 80 Euro gehandelt. Kurz vor Weihnachten dann der Tiefpunkt mit 52,96 Euro. Und nun steigt der Kurs seit Monaten wieder. Am Donnerstag notierte die Aktie auf rund 54,90 Euro. Von 31 durch die Finanznachrichtenagentur Bloomberg befragten Analysten raten 17 zum Kauf des Papiers und 12 empfahlen, das Papier zu halten. Die Finanzfachleute erwarten auf Sicht der kommenden zwölf Monate einen Kurs zwischen 51,50 Euro und 90 Euro.

          Das erste Quartal verlief für das Unternehmen aber nicht besonders erfreulich, obwohl Vorstandsvorsitzender Mark Langer noch im März verkündete: „2018 war ein gutes Jahr für Hugo Boss, 2019 wird ein noch besseres Jahr für unser Unternehmen.“ So gut lief es dann bisher doch nicht. Denn ein schwächelndes Geschäft in Nordamerika, die Kosten für den Konzernumbau und Währungseffekte sorgten zum Jahresauftakt für einen Gewinneinbruch. Von Januar bis März ging der operative Gewinn (Ebit) um 22 Prozent auf 55 Millionen Euro zurück. Beim Umsatz verbuchte Hugo Boss ein Plus von 2 Prozent auf 664 Millionen Euro.

          Der Vorstandsvorsitzende Langer gab sich dennoch auf der Hauptversammlung zuversichtlich, die Delle im Laufe des Jahres aufholen zu können. „Für den weiteren Jahresverlauf rechnen wir mit einer deutlichen Beschleunigung der Ergebnisentwicklung.“ Er sah keinen Grund, die Prognose zu senken. Bei der Vorstellung der Quartalszahlen sagte er, zwar müsse der Modehersteller das vorsichtigere Kaufverhalten der amerikanischen Kunden verkraften wie auch den starken Dollar. Doch es gebe „deutliche Fortschritte“ in den vier zentralen Bereichen, sagte Langer. Der Online-Handel habe im ersten Quartal um 26 Prozent zugelegt, das Asien-Geschäft und die Marke Hugo jeweils um 4 Prozent. Zudem sei die Flächenproduktivität im eigenen Einzelhandel um 3 Prozent gestiegen.

          HUGO BOSS AG NA O.N.

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Durch Änderungen bei der Rechnungslegung kam es zu einem Anstieg der Nettoverschuldung von 54 Millionen Euro auf 1,1 Milliarden Euro. Hintergrund ist der Umstand, dass durch die Erstanwendung des Rechnungslegungsstandards IFRS 16 nun die Leasingverbindlichkeiten mit einbezogen werden. Ohne Berücksichtigung des IFRS 16 lag die Nettoverschuldung bei 79 Millionen Euro. Die Krise in der Bekleidungsindustrie hatte Boss mit aktuell über 14600 Mitarbeitern im Jahr 2015 erfasst. Vor allem in China und den Vereinigten Staaten büßte der Modekonzern damals Geschäft ein. Langer verabschiedete sich zum großen Teil vom margenschwachen Großhandelsgeschäft in den Vereinigten Staaten und führte ein „konsequentes Kostenmanagement“ ein. Zudem wurde das Online-Geschäft ausgebaut.

          Die schwierigen Zeiten sind vorbei

          Die Aktionäre erhalten für das Jahr 2018 eine leicht höhere Dividende von 2,70 Euro. Im Vorjahr waren es noch 2,65 Euro. Im Jahr 2019 peilt Langer für das Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 4 Milliarden Euro ein Umsatzplus im mittleren einstelligen Prozentbereich an. Das Ebit soll überproportional im hohen einstelligen Prozentbereich steigen. Rund 88 Prozent des schwäbischen Bekleidungsherstellers befinden sich in Streubesitz und werden zum überwiegenden Teil von institutionellen Investoren aus Europa und Amerika gehalten.

          In der Modebranche in Deutschland läuft zurzeit nicht alles rund. So flüchtete sich Tom Tailor in die Arme des chinesischen Investors Fosun, und Gerry Weber meldete unlängst Insolvenz in Eigenverwaltung an. Der insolvente Damenmodehersteller will in Deutschland rund 120 Geschäfte und Verkaufsflächen schließen. Dies bedeutet den Angaben zufolge zugleich hierzulande den Wegfall von rund 450 Arbeitsplätzen. Die Maßnahmen sollten voraussichtlich bis zum geplanten Abschluss der Neupositionierung des Unternehmens Ende 2021 umgesetzt werden. In Europa sollen, wie bereits angekündigt, rund 180 Verkaufsflächen geschlossen werden, der mit einem weiteren Jobabbau verbunden sein wird, hieß es.

          Die schwierigen Zeiten hat Hugo Boss schon längst hinter sich gelassen. Die Analysten setzen vor allem darauf, dass der weitere Jahresverlauf positiver verläuft. Das Analysehaus Warburg Research beließ die Einstufung auf „Kaufen“ mit einem Kursziel von 90 Euro. Die schwache Profitabilität im ersten Quartal biete eine Einstiegschance, schrieb Analyst Jörg Frey. Er rechne mit einer Rückkehr zu Gewinnwachstum und hält die Bewertung der Papiere der Schwaben für attraktiv. Die Commerzbank hingegen senkte das Kursziel nach den Zahlen von 82 auf 75 Euro, die Einstufung wurde aber auf „Kaufen“ belassen. Der Bekleidungshersteller hätte die Erwartungen im ersten Quartal verfehlt. Die Jahresziele hätten aber Bestand. 

          Die Investmentbank Goldman Sachs stufte den Anteilschein von „Verkaufen“ auf „Neutral“ hoch. Das Kursziel wurde zugleich von 63 auf 64 Euro angehoben. Der Analyst blieb zwar vorsichtig, was die Wachstums- und Margenziele für das Gesamtjahr betreffe. Die jüngste Bewertungskorrektur biete aber eine gewisse Absicherung. Zudem dürften kurzfristige Belastungen schwinden und sich die Gewinnentwicklung entsprechend verbessern.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Europäisches Tandem: Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian (links) und sein deutscher Amtskollege Heiko Maas am Mittwoch in Paris

          Plan wider die Lähmung : So wollen Maas und Le Drian Europa stärken

          Das deutsch-französische Tandem stockt. Die Außenministerien in Berlin und Paris haben hinter den Kulissen ein Programm entwickelt, wie es künftig besser laufen kann – und Europa handlungsfähiger werden soll.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.