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Mittelstandsanleihen : Corona lässt den Markt schrumpfen

In Problemen: Die Joh. Friedrich Behrens AG Bild: Archiv

Im Jahr 2020 mussten viele Anleihemeittenten aus dem Mittelstand kleinere Brötchen backen. Ein Ausfall ließ die Verluste deutlich anschwellen.

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          Die Corona-Krise hat im Jahr 2020 auch den Markt für Anleihen mittelständischer Emittenten nicht unbeeinflusst gelassen. Nach drei Jahren Wachstum zeigte er sich rückläufig, ergab eine Erhebung der Investor-Relations-Beratung IR.on. Während die Zahl der Emissionen von 40 auf 38 eher geringfügig abnahm, betrug das angestrebte Volumen mit 1,3 Milliarden Euro weniger als drei Viertel des Vorjahres. Zudem zeigte sich der Markt weniger aufnahmefähig. Nur vier von zehn Emittenten konnten ihre Anleihen vollständig plazieren; das vom Markt aufgenommene Volumen sank unter eine Milliarde Euro.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dass es auch anders geht, zeigen zwei Emissionen der PCC: 35 Millionen Euro hatte die Chemie-Holding einwerben wollen, am Ende waren es fast fünfzig. Kleinvolumiger seien die Anleihen insgesamt geworden, heißt es von IR.on. Bei fast der Hälfte warben die Emittenten weniger als 10 Millionen Euro ein. Größere Emittenten hätten oft die aufgrund der sich rasch verändernden Pandemielage gestiegenen Transaktionsrisiken gescheut, sagt Berater Frederic Hilke, der auf Aufholeffekte in diesem Jahr hofft.

          An den Start geht nun der Immobilien-Projektentwickler Pandion. Dieser hatte seine Pläne im vergangenen Oktober fallenlassen, nun will man 30 Millionen Euro einwerben – weniger als die anvisierten 50 Millionen. Immobilienunternehmen wie Pandion sind immer mehr das Rückgrat des Marktes. Kam 2019 schon jede vierte Emission aus der Branche, war es 2020 schon fast jede dritte. Zählt man die 150-Millionen-Euroanleihe des Wiener Baukonzerns Porr dazu, kam die Hälfte des Emissionsvolumens aus dem Immobilienbereich.

          Behrens-Insolvenz lässt Ausfälle anschwellen

          Die Ausfälle stiegen von nur 4 Millionen Euro im Vorjahr auf 36 Millionen Euro stark an, die auf zwei Anleihen der Joh. Friedrich Behrens AG entfielen, eines Herstellers von Druckluftnaglern. Allerdings bekämen viele Unternehmen die vollen Auswirkungen der Pandemie erst in den kommenden Jahren zu spüren, heißt es von IR.on. Die Behrens-Anleger könnten glimpflich davonkommen. Nach einer jüngsten Unternehmensmeldung sollen sie Erwerbsrechte auf Aktien sowie auf eine neue Anleihe in Höhe von 50 Prozent des Nennwerts der alten Anleihen erhalten.

          Für das laufende Jahr rechnen neun von IR.on befragte Emissionshäuser durchschnittlich mit 25 Emissionen, was einem weiteren Rückgang entspräche. Die Häuser seien damit aber optimistischer als zu Beginn des vergangenen Jahres, sagt Hilke. Gründe seien ein steigender Finanzierungsbedarf im Mittelstand bei gleichzeitig schwierigerer Bankenfinanzierung und eben mögliche Aufholeffekte. Der durchschnittliche Zinskupon könnte per saldo etwas steigen. 2020 hatte er sich mit 5,57 Prozent nicht verändert. Das Emissionsgeschehen dürfte weiterhin die Immobilienbranche dominieren.

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