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Holprige Zinswende : Mit der Rendite der Bundesanleihen fallen die Bauzinsen

Die Bauzinsen sind gestiegen. Bild: Picture Alliance

Das neue Jahr hat mit leicht rückläufigen Kapitalmarktzinsen in Deutschland begonnen. Wie geht es jetzt weiter?

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          Wer geglaubt hatte, mit der Zinswende der Europäischen Zen­tralbank (EZB) würden nun auch die Kapitalmarktzinsen und Bauzinsen in Deutschland im neuen Jahr in einem fort steigen, hat sich getäuscht: Die Rendite der richtungsweisenden Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit ist seit Jahresbeginn gefallen, von gut 2,5 auf nur noch knapp oberhalb von 2 Prozent.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mit ihr haben auch die Bauzinsen, die sich an ihr orientieren, wieder nachgegeben, von zeitweise mehr als 4 Prozent für Baudarlehen mit zehn Jahren Zinsbindung auf zuletzt rund 3,6 Prozent.

          Auf die Rendite der Anleihe wirken zahlreiche unterschiedliche Faktoren ein, sodass auch die Prognosen der Banken, wie das nun weitergeht, recht unterschiedlich ausfallen. In einer Um­frage der F.A.Z. unter rund zwei Dutzend Finanzunternehmen Ende vorigen Jahres hatten die Prognosen für die Rendite der Bundesanleihe zum Jahresende 2023 zwischen 1,5 und 3 Prozent gelegen. Auch jetzt gibt es sehr unterschiedliche Meinungen.

          Commerzbank spricht von einem „Fehlstart“

          „Die von uns für den späteren Jahresverlauf erwartete breite Rallye am Anleihemarkt scheint bereits in vollem Gange“, sagt Rainer Guntermann, Anleihenfachmann der Commerzbank. „Wir würden den Trend der ersten Wochen des Jahres jedoch nicht auf die nächsten Monate extrapolieren.“

          Aus seiner Sicht sehe es eher nach einem „Fehlstart“ aus, wie er im letzten Sommer oder Herbst zu beobachten gewesen sei. „Denn die Inflation geht zwar zurück, allerdings im Einklang mit den Erwartungen, während der unterliegende Preisdruck im Euroraum über die nächsten Monate wohl weiter steigt“, sagte Guntermann.

          Daran dürfte sich so schnell nicht viel ändern, da die Konjunkturprognosen immer weiter angehoben würden. Da die Europäische Zentralbank (EZB) Entschlossenheit zeige, an einer Serie von Zinserhöhungen um 0,5 Prozentpunkte festzuhalten und die Anleihen-Angebotswelle nicht abebbe, gehe die Commerzbank davon aus, dass die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen vorerst nicht nachhaltig unter 2 Prozent fallen sollten.

          „Gegen Ende des ersten Quartals erwarten wir die Rendite bei 2,35 Prozent“, sagte Guntermann. In der zweiten Jahreshälfte dürften die Renditen nach seiner Einschätzung jedoch merklich fallen, wenn auch die Inflation falle und die EZB die Zinsen nicht weiter erhöhe: „Zum Jahreswechsel erwarten wir die zehnjährige Bundrendite bei 1,8 Prozent.“

          Was passiert in der zweiten Jahreshälfte?

          Anders kalkuliert Holger Schmieding, der Chefvolkswirt des Hamburger Bankhauses Berenberg. Er meint, die Finanzmärkte preisten im Augenblick Zinssenkungen der EZB im zweiten Halbjahr ein – und zwar zu Unrecht. „Ich erwarte, dass die Rendite im Jahresverlauf weiter steigt, auf etwa 2,7 Prozent am Jahresende“, sagte Schmieding.

          Die Zinserhöhungen der EZB seien weitgehend eingepreist. Aber der Markt erwarte, dass die Notenbank Ende 2023 und 2024 ihre Leitzinsen wieder erheblich senken werde. „Das halten wir für unwahrscheinlich“, sagte Schmieding. Stattdessen werde die EZB ihre Leitzinsen 2024 höchstens geringfügig zurücknehmen und ihre Geldpolitik so steuern, dass der kurzfristige Geldmarktsatz auch 2024 nahe bei 3 Prozent verbleibe.

          „Da hof­fentlich keine neuen geopolitischen Katastrophen die Anleger in den sicheren Hafen der Bundesanleihen treiben werden, sollte sich die Rendite am langen Ende eher nahe bei 3 denn bei 2 Prozent einpendeln.“

          Da die amerikanische Notenbank ihre Leitzinsen weit stärker senken werde, dürfte nach seiner Einschätzung der Renditeabstand zwischen amerikanischen und deutschen Anleihen abnehmen.

          Weiter Bauzinsen zwischen 3 und 4 Prozent erwartet

          Für die Bauzinsen bedeutet das erst einmal vor allem ein weiteres Auf und Ab, meinen die Baufinanzierungsfachleute vom Kreditvermittler Interhyp. „Wir beobachten momentan wieder stark schwankende Zinsen“, sagte Vorstandsmitglied Mirjam Mohr der F.A.Z.

          Diese Entwicklung hänge vor allem mit der Haltung der EZB zusammen, die Geldpolitik nachhaltig zu straffen, was sie etwa mit dem sukzessiven Rückfahren der Anleihekaufprogramme beweise: „Wir rechnen damit, dass die Bauzinsen sich zwischen 3 bis 4 Prozent bewegen.“

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