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Der Mann hinter Terra : Milliarden-Kryptobetrüger am Flughafen gefasst

Do Kwon bei seiner Festnahme Bild: AP

Er war eine der schillerndsten Krypto-Koryphäen und tauchte dann ab. Nun wurde Do Kwon in Montenegro festgenommen.

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          Er war einst eine Koryphäe der Kryptobranche und wurde dann zu einer der meistgesuchten Personen der Welt: Die Rede ist von dem 31 Jahre alten Südkoreaner Do Kwon, der hinter den Stablecoins Terra und Luna stand. Nun wurde er in Podgorica, der Hauptstadt von Montenegro, verhaftet, als er und sein Reisebegleiter versuchten, einen Privatflug nach Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten zu besteigen. Sie wurden festgenommen, nachdem sie nach Angaben der Behörden gefälschte costa-ricanische Pässe benutzt hatten und auch Reisedokumente aus Belgien mit sich führten, die offensichtlich gefälscht waren. Kwon selbst bestreitet über seinen Anwalt, dass er versucht habe, Montenegro mit einem gefälschten Pass zu verlassen. Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen?

          Franz Nestler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Absolvent der amerikanischen Eliteuniversität Stanford gründete Terraform Labs, das zwei eng miteinander verbundene digitale Währungen herausgab: TerraUSD, ein Stablecoin mit einem Preis von einem Dollar, und Luna, eine traditionellere Kryptowährung mit einem schwankenden Wert.

          TerraUSD war so konzipiert, dass der Wert von einem Dollar durch Finanztechniken erhalten blieb, die ihn mit Luna verbanden. Die Münzen erfreuten sich großer Beliebtheit, und der Wert aller im Umlauf befindlichen Luna kletterte auf 40 Milliarden Dollar, als der Kryptomarkt bis Anfang 2022 boomte. Doch im Mai vergangenen Jahres stürzte der Kurs von Luna abrupt ab und riss TerraUSD mit sich. Die Implosion vernichtete Dutzende von Milliarden Dollar an Wert und löste einen Dominoeffekt aus, der zum Zusammenbruch großer Kryptounternehmen führte.

          Dieser Zusammenbruch war der bis dato spektakulärste, den es im Stablecoin-Segment gegeben hatte. Das schickte Schockwellen durch den Kryptomarkt, der damals radikal abstürzte – Milliarden wurden vernichtet.Anleger von Terra oder Luna gingen leer aus, die Insolvenz soll Verluste in Höhe von 40 Milliarden Dollar verursacht haben. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC wirft dem Südkoreaner Betrug in dieser Milliardenhöhe vor. Daraufhin tauchte er unter, bestritt aber, untergetaucht zu sein – er sei immer erreichbar gewesen, schrieb Kwon selbst auf Twitter.

          Die internationale Polizeibehörde Interpol hatte trotzdem im vergangenen Jahr eine sogenannte Rote Notiz ausgestellt, nachdem südkoreanische Ermittler die Behörde darum ersuchten. Das ist weder ein internationaler Haftbefehl noch ein Suchbefehl, aber ein dringliches Ersuchen an alle Polizeibehörden, den Aufenthaltsort einer bestimmten Person zu ermitteln und diese vorläufig festzunehmen – was nun offensichtlich der Fall war.

          Die Bundesstaatsanwaltschaft von New York hat Kwon im Nachgang der Festnahme nun wegen Betrugs in acht Fällen angeklagt, unter anderem auch wegen „Verschwörung zum Betrug und zur Marktmanipulation“, wie die „New York Times“ berichtet. Auch deswegen haben die dortigen Staatsanwälte gegenüber Medien erklärt, dass sie die Auslieferung beantragen werden.

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