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Mehr Volatilität : Hektischer Sommer an der Wall Street

Auch Kursstürze können schwindelig machen. Bild: Reuters

Trotz der Kurserholung am Dienstag fürchten Analysten abermalige heftige Rückschläge an der Wall Street.

          Die traditionelle Sommerpause an der Wall Street bis zum Labor-Day-Feiertag Anfang September verspricht in diesem Jahr nicht viel Entspannung. Nach einem sehr schwachen Wochenauftakt an den amerikanischen Aktienbörsen erholten sich die Aktienkurse am Dienstag im Handelsverlauf wieder von den heftigen Verlusten des Vortages, weil sich eine leichte Annäherung im Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China abzeichnete.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Die amerikanische Regierung will nach offiziellen Angaben die Einführung der kürzlich angekündigten Strafzölle auf Importe aus China für einige Produkte von September auf Mitte Dezember verschieben. Der S&P 500 legte daraufhin um 1,5 Prozent auf 2926 Punkten zu.

          Der Handelsstreit ist derzeit das wichtigste Thema an den internationalen Börsen, weil Anleger wegen des Konflikts eine Abkühlung des Weltwirtschaftswachstums und im schlimmsten Fall eine Rezession befürchten. Am Montag hatte der S&P 500 um 1,2 Prozent nachgegeben. Am Montag der Vorwoche waren die Kurse der amerikanischen Aktien wegen des Handelsstreits sogar um 3 Prozent gefallen. Zwar erholte sich der S&P 500 auch da wieder zum Großteil.

          Heftige Rückschläge ballen sich für gewöhnlich

          Fachleute an der Wall Street fürchten jedoch fortgesetzt starke Kursschwankungen. Nach Erkenntnissen des Analysten Frank Cappelleri vom Wertpapierhändler Instinet kommt es nach Kursverlusten von 3 Prozent oder mehr oft zu einer Ballung derartig heftiger Rückschläge.

          Beispiele gibt es zuhauf: Im vergangenen Jahr war der S&P 500 an insgesamt fünf Handelstagen um mindestens 3 Prozent gefallen. Vier dieser Rückschläge fielen in das vierte Quartal, als die Kurse wegen eines befürchteten Anstiegs der Leitzinsen korrigierten. Im Jahr 2015 sank der S&P 500 innerhalb von nur zwei Monaten dreimal um mindestens 3 Prozent. Im Jahr 2011 ermäßigte sich der Index während einer Zeitspanne von kaum länger als drei Monaten sogar sechsmal in diesem Ausmaß. Und im Jahr 2010 fielen vier von insgesamt fünf solch massiver Tagesverluste in einen Zeitraum von nur zwei Monaten.

          Für die Zukunft verheißt das nichts Gutes: Der Rückschlag in der vergangenen Woche war der erste derartige Tagesverlust in diesem Jahr. Sollte sich die Geschichte – wie offenbar nicht unüblich – wiederholen, dürfte es auf Sicht der kommenden Monate nicht der letzte große Kursverlust an der Wall Street gewesen sein.

          „Die Chancen für weitere große Ausschläge sind hoch“, resümierte Cappelleri. Es komme zwar auch immer wieder zu starken Kurserholungen. Das sei aber nicht unbedingt eine Entwarnung. „Wir müssen uns daran erinnern, dass die Tage mit den stärksten Kursanstiegen typischerweise in ein angespanntes Handelsumfeld fallen“, sagt der Analyst.

          Rezessionsfurcht

          Argumente für eine anhaltende, kräftige Kurserholung finden sich kaum, solange der Handelskonflikt anhält. Ökonomen der Investmentbank Goldman Sachs rechnen jedenfalls nicht mehr mit einem Abkommen zwischen Amerika und China vor den amerikanischen Präsidentschaftswahlen im November 2020. Goldman hat die Wachstumsprognose für die amerikanische Volkswirtschaft im vierten Quartal um 0,2 Prozentpunkte zurückgenommen und kalkuliert jetzt nur noch mit einem aufs Jahr hochgerechneten Wachstum von 1,8 Prozent.

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