https://www.faz.net/-gv6-adwc1

Neuausrichtung : Deutsche Banken sind chancenreicher als gedacht

Sonnenschein über dem Frankfurter Bankenviertel Bild: Marc-Steffen Unger

Die Berater von McKinsey halten dafür aber einen ambitionierten Erneuerungskurs für erforderlich. Digitalisierung und Nachhaltigkeit könnten die entscheidenden Faktoren sein.

          2 Min.

          Angesichts der Größe der deutschen Volkswirtschaft sollten die Banken im internationalen Vergleich eine führende Rolle spielen. Doch davon kann keine Rede sein: Deutschlands größtes Institut, die Deutsche Bank, kommt in Europa mit einer Marktkapitalisierung von knapp 21 Milliarden Euro auf den 19. Rang. Die Commerzbank schafft es mit 6,9 Milliarden Euro nicht unter die ersten 40 Institute.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Gewiss ist der Wettbewerb im inländischen Markt mit den Verbünden der Sparkassen sowie der Volks- und Raiffeisenbanken sehr intensiv, was im Massengeschäft zu weniger Ertragsmöglichkeiten als bei französischen Großbanken führt. Doch die deutschen Banken sind chancenreicher als gedacht. Darauf deutet eine am Montag veröffentlichte Studie der Unternehmensberatung McKinsey mit dem Titel „Deutschlands Banken zurück im Spiel“. Die Berater sind der Ansicht, dass die Institute ihre Profitabilität deutlich steigern könnten. Die Ertragskraft wird an der Eigenkapitalrendite gemessen und die können die Banken nach Ansicht der McKinsey-Berater bis zum Jahr 2030 auf 7 bis 8 Prozent mehr als verdoppeln, wodurch sich das operative Ergebnis um 30 bis 40 Milliarden Euro verbessern würde.

          Das Zauberwort dorthin lautet „ambitionierter Erneuerungskurs“. Die Berater verstehen darunter schnellere strategische Antworten auf sich immer rascher verändernde Wettbewerbsbedingungen, Kundenanforderungen und Technologien. Entscheidend ist für McKinsey die Digitalisierung. Die Banken sollten die Kundenbindung technologiegestützt verfolgen, also die Daten aus ihren vielen Kundenkontakten effizienter nutzen. Darüber hinaus sehen die Berater Chancen in neuen digitalen Geschäftsfeldern oder in digitalen produktiveren Betriebsmodellen. Für die Bundesbank nehmen die Gefahren mit der zunehmenden Digitalisierung von Geldgeschäften zu. Um ihren Kunden weiterhin wichtige Banking-Dienste anbieten zu können und wettbewerbsfähig zu bleiben, müssten die Banken den Wandel selbst mitgestalten. „Kehrseite der Digitalisierung ist jedoch, dass durch die steigende Komplexität und zunehmende Arbeitsteilung des Bankgeschäfts auch das Gefährdungspotenzial wächst“, heißt es im Monatsbericht Juli.

          Schließlich sehen die Berater die Banken in einer zentralen Rolle in der Umstellung auf eine nachhaltige Wirtschaft. Bis zum Jahr 2030 würden ihrer Ansicht 25 bis 40 Prozent der Erträge deutscher Banken einen Bezug zu Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG) haben. „Die deutschen Banken bleiben das Herzstück der deutschen Wirtschaft“, ist sich Max Flötotto, Senior Partner und zuständig für Banken in Deutschland sicher. „Banken können mit Anstrengung und frischen Strategien ein starkes Comeback feiern. Optimistisch stimmt uns, dass viele Branchenführer um den Veränderungsbedarf wissen und den ehrgeizigen Plan haben, ihre Institute auf einen neuen Weg zu führen“, sagt Philipp Koch, Senior Partner und Co-Autor des Reports. McKinsey zufolge halten zwei von drei Entscheidern eine radikale Veränderung in der deutschen Bankenlandschaft für notwendig. Machten die Banken so weiter wie bisher, drohten ihnen Marktanteilsverluste, sinkende Ergebnisse und eine gegen Null tendierende Eigenkapitalrendite.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nicht viel los: Ein mobiles Impfzentrum in Sachsen

          Nachlassendes Impftempo : Mehr Impfdruck, bitte!

          Sobald Politiker festlegen, dass Geimpfte in der vierten Corona-Welle mehr Freiheiten genießen werden, bricht der Shitstorm los. Aber es wird so kommen. Und es ist völlig legitim.

          Quarantäne bei Olympia : Athleten als Handelsreisende

          Der Ärger um die Quarantänebedingungen für infizierte Sportler bei den Olympischen Spielen in Tokio legt kulturelle Unterschiede zwischen West und Ost offen. Radsportler Geschke ist endlich auf dem Heimweg.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.