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Maschinenbauer Singulus : Der ewige Patient

Auch Großaufträge können tödlich sein

Wenn also die Aussichten kurzfristig auch positiv sein mögen, so muss Singulus doch noch die Finanzierung stemmen. Die Verzehrung des Eigenkapitals – das erst mittels Kapitalschnitt und Gläubigerverzicht im Vorjahr von einem Tief von minus 23 Prozent wieder bis auf plus 24 Prozent angehoben worden war – ist umgekehrt ein massiver Verschuldungsanstieg. Zum 30. Juni hatte Singulus noch über Barmittel von 24 Millionen Euro verfügt – aber eben auch über Eigenkapital von noch 13,6 Millionen Euro.

Wie es weitergeht, wird sich zeigen. Auf den Großauftrag – so positiv er sein mag – sollte man nicht blind vertrauen, denn er muss auch finanziert werden. Und es sind schon Unternehmen zugrunde gegangen, weil sie Großaufträge nicht finanzieren konnten.

Die Aktionäre sind Kummer gewohnt, gehört Singulus doch schon seit Jahren mit schöner Regelmäßigkeit zu den größten Kapitalvernichtern auf der Liste der Aktionärsvereinigung DSW. Auf Jahresbasis steht zwar ein Plus von 93 Prozent zu Buche, doch das Minus ist auf Basis von drei Jahren ebenso groß. Zurückgerechnet kostete die Aktie im Februar 2012 noch 293 Euro, ganz zu schweigen von den 7000 Euro im Jahr 2000. Heute sind es 7,77 Euro.

SINGULUS TECHNOL. EO 1

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Singulus hat es über Jahre nicht vermocht, sich vom  schrumpfenden Markt für optische Datenträger zu emanzipieren. 2004 hatte der Unternehmensumsatz mit knapp 440 Millionen Euro seinen Gipfel erreicht, ein Jahr später der deutsche Markt für gebrannte optische Rohlinge mit 882 Millionen Stück. 2016 wurden nur noch 133 Millionen Stück abgesetzt. Selbst der weltweite Blue-Ray-Markt stagniert.

Schon 2005 hatte sich der Umsatz nahezu halbiert. Der Bereich optische Datenträger war damals noch der einzige Geschäftsbereich. 2016 betrug der Umsatz damit gerade noch 24 Millionen Euro, aber immer noch 35 Prozent der Konzernerlöse. Und der Geschäftsbericht machte kaum Hoffnung: „Im Segment Optical Disc gab es im Jahresverlauf keine nennenswerte Nachfrage nach neuen Produktionsmaschinen.“

Die Gespräche über die kommende Disc-Generation Ultra HD Blu-ray Disc machten keine Fortschritte, das Ersatzteil- und Servicegeschäft war leicht rückläufig. Im ersten Halbjahr 2017 betrug der Umsatz noch 8,8 Millionen Euro, das waren nur noch 18 Prozent der Erlöse. Der Markt werde ein Nischenmarkt bleiben.

Immer wieder unerfüllte Hoffnungen

2011 hatte Blu-Ray einen Hoffnungsschimmer gebracht. Der Geschäftsbereich Optical Disc erreichte kurzzeitig dreistellige Millionenumsätze. Doch die Hoffnungen erfüllten sich nicht. Ultra HD Blu-Ray ist derzeit immer noch eher Bremser als Umsatzbringer. Denn die Ankündigung des neuen Formats 2014 lahmte die Bestellungen für Maschinen der älteren Generation. Dann kam die Krise der Solarbranche. Und im Halbleitermarkt setzt Singulus vor allem auf MRAM, also magnetische Speichertechnik. Auf dieser ruhen bisher viele Hoffnungen, doch der Durchbruch steht noch aus. Erst für Anfang 2019 erwartet Singulus eine Kommerzialisierung.

Singulus hat zwischenzeitlich auch noch andere Versuche gestartet, sich weiter zu entwickeln. Doch der Erfolg blieb begrenzt. Das Geschäft mit Maschinen zur Beschichtung von Sonnenbrillen wurde nach nur zwei Jahren wegen Erfolglosigkeit eingestellt.

Maschinenbauer profitieren immer von einer über ihre Produktzyklen stabilen Technik. Müssen sie schneller neue Generationen von Maschinen einführen, als sich alte Maschinengenerationen amortisieren können, so geraten sie in Schwierigkeiten: Investitionen machen sich nicht bezahlt. Ähnliches gilt, wenn einer Zieltechnik nicht der Durchbruch gelingt. Dann drohen hohe Abschreibungen.

Wenngleich Singulus technisch auf dem neuesten Stand sein mag, so ist in der Vergangenheit die Geschwindigkeit des technischen Fortschritt auf diversen Märkten aus unterschiedlichen Gründen gegen das Unternehmen gelaufen. Ob sich das in der Zukunft ändern wird, ist schwer zu prognostizieren, aber Skepsis ist statthaft.

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