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Bankenlandschaft : „Europa braucht eine eigene Investmentbank“

Blick auf die Bankentürme in Frankfurt. Bild: dpa

Es wäre vorteilhaft, wenn es in Europa eine große wettbewerbsfähige Investmentbank gibt. Ein Grund dafür ist die Rolle Chinas, sagt Martin Reitz, Deutschland-Chef der Investmentbank Rothschild.

          Es wäre vorteilhaft, wenn es in Europa eine große wettbewerbsfähige Investmentbank gibt. Dafür sprach sich Martin Reitz, Deutschland-Chef der Investmentbank Rothschild, am Mittwochabend vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW) aus. Er ist der Ansicht, dass ein solches Institut gut für die europäische Industrie wäre, da diese in der ganzen Welt tätig sei. Mit Blick auf die hohe Dominanz von Wall-Street-Banken wie JP Morgan hält es Reitz für richtig, auf die Schaffung einer europäischen Investmentbank hinzuarbeiten.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch den Blick nur auf Deutschland begrenzt, hält Reitz eine international vertretene Investmentbank für vorteilhaft. Es könne Situationen geben, in denen ein solches Institut strategisch vorteilhaft wäre. Schließlich gehe es hier um Wissen, Zugänge, Fähigkeiten und Informationen. Rothschild hatte in den Fusionsgesprächen mit der Deutschen Bank die Commerzbank beraten. Zu Einzelmandaten nahm Reitz vor den Wirtschaftsjournalisten aber keine Stellung.

          Eine europäische Investmentbank sei auch angesichts der zunehmenden geostrategischen Rivalitäten nötig. Zuvor hatte Reitz auf die unterschiedlichen geopolitischen Zielsetzungen hingewiesen. China habe sich klar positioniert und strebe in allen wichtigen Industrien und Technologien eine Führungsrolle an.

          Auf der anderen Seite betreibe der amerikanische Präsident Donald Trump eine aggressive Handelspolitik, während Europa wenig koordiniert und sehr mit sich selbst beschäftigt sei. Als Beispiele nannte Reitz den Brexit, den politischen Druck auf den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron oder die in Italien regierenden Populisten. Er fragte sich, wie eine europäische Industriestrategie oder Wirtschaftspolitik aussehen könne.

          Auch die Eurozone hält er institutionell noch für unvollständig, mehr fiskalische Integration zum Beispiel über Strukturfonds sei nötig. Die Geldpolitik der Zentralbanken stößt nach Ansicht von Reitz an ihre Grenzen, weshalb er mehr fiskalpolitische Maßnahmen fordert.

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