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Börsengänge : Markt schrumpft durch Corona deutlich

Europas größter Börsengang 2020: Der Kaffeproduzent JDE Peets Bild: AFP

Besonders in Europa ist die Zahl der Börsengänge während der Corona-Pandemie deutlich zurückgegangen. Jedes zweite Börsendebüt der Welt fand im zweiten Quartal in China statt.

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          Die Corona-Krise hat schon jetzt überall auf der Welt deutliche Spuren hinterlassen. Dies gilt auch für den Markt der Börsengänge. Das Emissionsvolumen der Unternehmen ist im zweiten Quartal fast um ein Drittel gesunken. Die Zahl der Börsendebüts ist noch etwas deutlicher gefallen. In den verschiedenen Regionen der Welt war Europa von dem Rückgang am stärksten betroffen, es gibt jedoch Ausnahmen. Dies sind einige Ergebnisse einer Analyse des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Das Emissionsvolumen der Börsengänge ging demnach im zweiten Quartal um 32 Prozent auf 41,1 Milliarden Dollar (rund 36,7 Milliarden Euro) zurück. Die Zahl der Unternehmen, die den Sprung auf das Börsenparkett gewagt hatten, sank gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 186 - ein Minus von 39 Prozent. Vor allem in Europa und den Vereinigten Staaten waren deutliche Rückgänge zu beobachten. Gemessen am Volumen der Emissionen gab es in Europa ein Minus von 55 Prozent auf 6,6 Milliarden Dollar, während die Zahl der Transaktionen um 60 Prozent auf 22 schrumpfte.

          In Amerika fiel das Emissionsvolumen um 45 Prozent auf 15,1 Milliarden Dollar, die Zahl der Börsengänge sank um 38 Prozent auf 40. Der chinesische Markt stellte sich gegen den allgemeinen Trend und legte – wie schon im ersten Quartal – abermals zu. Das Emissionsvolumen stieg um 54 Prozent auf 17,9 Milliarden Dollar und die Zahl der Börsengänge um 28 Prozent auf 92. Damit fand fast jeder zweite Börsengang auf der Welt im zweiten Quartal in China statt.

          Bedingt durch die Eindämmungsmaßnahmen auf der ganzen Welten seien die Börsengangsaktivitäten im April und Mai wie erwartet zurückgegangen, sagt Martin Steinbach, Partner von EY. Allerdings habe man im Juni deutliche Erholungszeichen gesehen. So habe die Zahl der Börsendebüts auf der Welt im April laut EY 54 und im Mai 43 betragen, im Juni dagegen 89 Unternehmen den Schritt aufs Parkett gewagt. Acht der zehn größten Börsengänge im zweiten Quartal fanden demnach ebenfalls im Juni statt. Die gute Entwicklung der vergangenen Wochen zeige, wie aufnahmefähig der Markt sei, sagt Steinbach. Gut vorbereitete Unternehmen aus den richtigen Branchen und mit den richtigen Geschäftsmodellen träfen auf Interesse von Investoren. Vor allem Technologieunternehmen sowie Pharma- und Biotechwerte stünden bei den Anlegern hoch im Kurs. Die Erholung der Aktienkurse, eine deutlich niedrigere Schwankungsbreite der Kurse (Volatilität) und eine verbesserte Stimmung habe zu einer Verbesserung des Umfelds beigetragen. Börsenkandidaten nutzten nun vor allem die virtuelle Investorenansprache und bereiten sich mit kürzeren Roadshows auf volatile Märkte vor.

          Auch in Deutschland ist im Juni demnach wieder mehr Schwung in den Markt gekommen. Das Pharmaunternehmen Pharma SGP erlöste mit seinem Debüt im Prime Standard der Deutschen Börse rund 127 Millionen Euro. Ende Mai hatte das Datenbank-Management-Unternehmen Exasol Millionen Euro eingenommen.

          Der größte Börsengang in Europa war laut der Analyse von EY die Erstnotiz des niederländischen Kaffeeunternehmens JDE Peet’s mit einem Erlös von 2,9 Milliarden Dollar. Die größten Transaktionen der Welt im zweiten Quartal entfielen auf den chinesischen Online-Händler JD.com, der 3,9 Milliarden Dollar einbrachte, gefolgt vom Debut des chinesischen Internetkonzerns und Onlinespieleanbieters Netease, der 3,1 Milliarden Dollar erlöste.

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