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Dax-Hauptversammlungen : „Auch Anteilseigner müssen unternehmerisch denken“

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Christian Sewing (l), Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, und Paul Achleitner, Aufsichtsratsvorsitzender der Bank hatten diese Woche eine aufreibende Hauptversammlung. Bild: dpa

Aktionäre haben 2019 oft kaum ein gutes Haar an der Konzern-Führung gelassen. Gegenüber FAZ.NET spricht DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler unter anderem über rote Karten für Vorstände und die speziellen Probleme im Fall Bayer.

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          Die Berichtssaison für das erste Quartal 2019 ist zu Ende und auch die Zahl der Aktionärstreffen in Deutschland nimmt ab. Das Interesse an den Hauptversammlungen den börsennotierten Unternehmen war in diesem Jahr sehr groß, wie eine Studie der Finanzierungsberatung Barkow Consulting aufzeigt: So viele Anteilseigner wie nie zuvor haben sich an den Hauptversammlungen beteiligt. Allein bei den Investorentreffen der 30 Dax-Konzerne ist die Anwesenheitsquote um 1,1 Prozentpunkte auf einen Rekordwert von 67 Prozent gestiegen, so die Studie. Damit waren erstmals mehr als zwei Drittel des Kapitals bei den Hauptversammlungen vertreten.

          Der Grund für die höhere Beteiligung ist zum einen das gesteigerte Interesse institutioneller Investoren, die als Anteilseigner börsennotierter Konzerne im Vergleich zu Kleinanlegern die wichtigere Rolle spielen. Dazu gehören die großen Fondsgesellschaften, die auf den Veranstaltungen ihr Recht wahrnehmen, abzustimmen und sich zu Wort zu melden. Sie haben dieses Jahr diese Jahr ihre Rechte deutlich stärker wahrgenommen als noch vor einigen Jahren. Auf der anderen Seite nehmen immer mehr Kleinaktionäre ihre Rechte war. Zum großen Teil auch durch deren Interessenvertretungen wie die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Die Stimmrechtsvertretung der Kleinanleger kommt jedes Jahr auf rund 700 Hauptversammlungen in Deutschland und meldet sich zu Wort.

          Gerade dieses Jahr zeigt sich, dass die Anleger auf viele Vorstände und Aufsichtsräte sowie deren Arbeit nicht gut zu sprechen sind. Erst am Donnerstag hatten die Aktionäre der Deutschen Bank dem langjährigen Aufsichtsratschef Paul Achleitner einen Denkzettel verpasst. Zur Hauptversammlung votierten die Anteilseigner mit nicht einmal 72 Prozent des vertretenen Grundkapitals für dessen Entlastung für das abgelaufene Geschäftsjahr. Ein Jahr zuvor noch hatte Achleitner 84,40 Prozent Zustimmung erhalten.

          FAZ.NET sprach mit Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer des DSW, über die Situation der deutschen Unternehmen, deren Hauptversammlungen und die andere oder andere rote Karte für einen Dax-Vorstand.

          Herr Tüngler, die Dax-Konzerne schütten dieses Jahr eine Rekordsumme an Dividenden aus. Ist das ein Grund zum Jubeln für die Aktionäre im Land?

          Zunächst ist sehr beeindruckend, dass die Unternehmen hierzulande deutlich über 50 Milliarden Euro an Dividenden ausschütten. Ob dies in den nächsten Jahren aufgrund der sich eintrübenden Stimmung immer noch so sein wird, ist fraglich. Besonders bedenklich ist jedoch, dass dieser warme Dividendenregen an den deutschen Depots und damit an den Anlegern hierzulande nahezu komplett vorbeigeht. So wird der Dax fast zu drei Viertel von ausländischen Investoren gehalten. Es ist doch erstaunlich, dass die Investoren auf der ganzen Welt so klug sind, in unsere Unternehmen zu investieren, wir selbst es aber nicht schaffen, an unser eigenes Wirken zu glauben.

          Verdienen die Dax-Unternehmen wirklich so gut oder haben sie keine Ideen für neue Investitionen?

          Ich denke, in der Mitte liegt die Wahrheit. Die Zukunft bringt für die deutschen Unternehmen enorme Herausforderungen mit sich. Hier muss massiv investiert werden, insbesondere bei der Digitalisierung. Bei so manchem Unternehmen wundert man sich dann schon, dass eine so hohe Dividende ausgeschüttet wird, obwohl das Geld im Unternehmen dringend gebraucht wird. Das ist vielleicht auch ein Effekt der Nullzinspolitik der EZB. Die Unternehmen kommen derzeit an billiges Geld und gleichzeitig erwirtschaften sie noch gute Ergebnisse. Eine Dividende auf Kosten der Zukunft oder gar durch Kredite zu finanzieren, ist aber eine Sackgasse.

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