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Erfolgreiche Krisen-Bücher : Wenn der Crash kommt

Die Bestsellerautoren Matthias Weik (links) und Marc Friedrich im Garten ihres Stuttgarter Büros. Ihre Finanzbücher haben sich mehrere hunderttausend Mal verkauft. Bild: Verena Müller

Marc Friedrich und Matthias Weik warnen in ihren Büchern vorm Allerschlimmsten. Das verkauft sich gut. Den Erfolg haben sie auch Weiks Mutter zu verdanken.

          Die unglaubliche Geschichte von Marc Friedrich und Matthias Weik beginnt mit vielen Absagen, genauer gesagt: mit 176 Absagen. Im Jahr 2012 war das, inmitten der Euro-Krise, und die beiden Schwaben konnten es nicht fassen. Da hatten sie gerade ein Buch zur Finanzkrise und ihren Folgen verfasst und nun wollte kein Verlag es drucken. Friedrich und Weik, beide eigentlich Vermögensberater, hatten geschrieben wie im Rausch – abends, an den Wochenenden, wann immer sie die Zeit fanden. Auch einen verkaufsfördernden Titel hatten sie sich überlegt: „Der größte Raubzug der Geschichte: Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Allerdings waren die Schwaben die Angelegenheit recht blauäugig angegangen. Sie hatten einfach darauflos geschrieben und das Manuskript nur Weiks Mutter zum Lesen gegeben. „Sie war gewissermaßen unsere Lektorin“, sagt Weik heute lachend. „Sie hat von Wirtschaft kaum Ahnung und musste darauf achten, dass alles verständlich ist.“ Weshalb aber hätten sich Buchverlage für das Erstlingswerk zweier unbekannter Autoren interessieren sollen? Am Ende erklärte sich nur der kleine Wissenschaftsverlag Tectum bereit, 500 Exemplare zu drucken – Weik und Friedrich mussten sogar einen Teil der Kosten übernehmen.

          Was dann passierte, hätten sich die Männer, heute 41 und 42 Jahre alt, damals nicht träumen lassen. Der Kabarettist Frank-Markus Barwasser, bekannt durch seine Sendung „Pelzig hält sich“, bekam das Buch in die Finger und machte dafür nun die beste Reklame, die sich Autoren nur wünschen können. Während seiner Fernsehsendung hielt er das Buch zehn Sekunden lang in die Kamera. Der Tectum Verlag wurde danach förmlich überrannt, die 500 Exemplare waren sofort ausverkauft, wochenlang war das Buch nicht lieferbar. Immer wieder ließ man nun nachdrucken, am Ende wurde „Der größte Raubzug der Geschichte“ mit mehr als 150.000 verkauften Exemplaren eines der erfolgreichsten Wirtschaftsbücher der jüngsten Zeit.

          Friedrich und Weik haben seitdem noch drei weitere Krisen-Bücher veröffentlicht: „Der Crash ist die Lösung“, „Kapitalfehler“ und in diesem Jahr „Sonst knallt’s“, gemeinsam mit Götz Werner, dem Gründer der Drogeriekette dm. Mit ihren Vorträgen, die häufig und praktischerweise die Titel ihrer Bücher tragen (derzeit also: „Sonst knallt’s: Warum wir Wirtschaft und Politik radikal neu denken müssen“) füllen sie überall in der Republik die Säle, mitunter kommen mehr als 1000 Besucher.

          Ein perfektes Duo

          Wie kann das sein? Was finden die Deutschen nur an zwei Vermögensberatern aus Lorch bei Stuttgart, die zwar beide Wirtschaft studiert haben, die aber weder mit brillanten wissenschaftlichen Arbeiten noch mit atemberaubenden Karrieren aufgefallen sind?

          Zum Gespräch haben Weik und Friedrich in ihr Stuttgarter Büro eingeladen. Die beiden Männer wissen, dass der erste Eindruck zählt: Ihr Büro ist klein, die Einrichtung simpel – vier Stühle, ein Tisch, ein paar Schränke. Die gediegenen Möbel, die viele Vermögensverwalter ihren Kunden gern präsentieren, gibt es hier nicht. Alles entspricht ganz dem Klischee von den sparsamen Schwaben. An den Wänden hängen auch keine teuren Ölgemälde, dafür aber die Bestseller-Listen des „Manager Magazins“, in denen die Bücher der beiden immer wieder auf den vordersten Plätzen standen.

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