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Erfolgreiche Krisen-Bücher : Wenn der Crash kommt

Krisenautoren mit ein wenig Größenwahn

So stellen sich Weik und Friedrich vor, die Zentralbanken in „Geldregierungen“ zu verwandeln, die direkt vom Volk gewählt werden. Der Gedanke ist originell. Wie das Ganze konkret funktionieren soll, sagen die beiden Autoren aber nicht. Ähnlich vage bleiben sie bei der Frage, welches Finanzsystem denn das jetzige ihrer Meinung nach ersetzen sollte. „Wir plädieren für eine plurale Ökonomie“, sagt Marc Friedrich. „Es gibt gute Ansätze bei Keynes, bei Karl Marx, in der österreichischen Schule der Nationalökonomie. Aus allen diesen unterschiedlichen Denkrichtungen sollte man die besten Ideen herausnehmen und so ein nachhaltiges Finanzsystem schaffen.“ Es sei nötig, jetzt daran zu arbeiten, um vorbereitet zu sein, wenn der Crash tatsächlich komme. Wie die Vereinigung solch unterschiedlicher Denkschulen in der Praxis gelingen soll, erfährt man nicht.

Wäre es nicht ohnehin das Ende ihrer erstaunlichen Autorenkarriere, wenn sich die Dinge zum Guten wendeten und keiner mehr Angst vor dem Crash haben müsste? Weik und Friedrich wiegeln ab. Nichts sei ihnen lieber, als wenn die Katastrophe ausbliebe. Wie alle guten Crash-Propheten haben sie aber wohlweislich darauf verzichtet, einen genauen Termin für den Zusammenbruch des Finanzsystems zu nennen. „Das wäre unseriös.“ So bleibt Zeit, von dem guten Ruf zu profitieren, den die beiden bei ihren Anhängern genießen. Gemeinsam mit zwei Vermögensverwaltern haben sie zu Beginn dieses Jahres den „Friedrich & Weik Wertefonds“ aufgelegt. „Unser Baby“ nennen ihn die beiden mit einer gewissen Ironie. Mehr als zehn Millionen Euro haben Anleger dort bereits investiert, ein beachtlicher Erfolg. Friedrich und Weik sind nicht die Fondsmanager, haben aber als Namensgeber bei allen Entscheidungen ein Vetorecht.

Als „innovativen Trendsetter“ preist Marc Friedrich den Fonds. Tatsächlich hat die Zusammenstellung wenig mit einem klassischen Fonds gemein: Gold, Silber, Wald und Ackerland sollen ins Portfolio. Sachwerte, die – man ahnt es schon – auch nach einem Crash der Weltwirtschaft ihren Wert nicht verlieren, so die Hoffnung. Dass der Fonds aktuell sehr auf Minenaktien setzt und leicht im Minus notiert, ficht die Initiatoren nicht an: „Sachwerte sind die Zukunft. Die Kunden müssen aber auch wissen: Wir laufen Marathon, keine Kurzstrecke.“

Es ist die vielleicht riskanteste Wette, die die Finanzbuchautoren bislang eingegangen sind. Sollte der Fonds die Anleger enttäuschen, wird dies auf die Namensgeber zurückfallen. Die Sorge, dass dies passieren könnte, haben sie nach eigener Auskunft nicht. Eher beunruhigt sie, dass ihre Ideen noch immer keinen ausreichenden Widerhall in der Politik fänden. „Wenn jemand unsere Bücher zur Grundlage eines politischen Programms machen würde, wären wir voll damit einverstanden.“

Man kennt das von erfolgreichen Schriftstellern: Ein bisschen Größenwahn schadet nie.

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