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Erfolgreiche Krisen-Bücher : Wenn der Crash kommt

Die Vermögensberater sind als Duo perfekt aufeinander eingespielt, man kennt sich seit dem Kindergarten, die Eltern waren Nachbarn. Weik und Friedrich fallen sich nie ins Wort. Der eine ergänzt die Sätze des anderen – oder spricht sie sogar mit.

Trotz der alarmistischen Titel ihrer Bücher lassen sich Weik und Friedrich ungern eine Möglichkeit zur Pointe entgehen. Sie haben in ihren Vorträgen gelernt: Das Publikum will vor allem unterhalten werden. „Unser Geldsystem steckt in einer epochalen Krise, kein Wunder, dass Marc Friedrich die ersten grauen Haare hat“, sagt Matthias Weik dann. Und Marc Friedrich antwortet wie aus der Pistole geschossen: „Wenigstens habe ich noch Haare – im Gegensatz zu dir.“ Die Vergnügtheit, die die Männer an den Tag legen, erklärt einen Teil ihres Erfolgs. Man hat das Gefühl: Das sind zwei bodenständige und sympathische Typen, denen man in jeder Hinsicht vertrauen kann.

Einfacher Schreibstil ist gewollt

Zumal Friedrich und Weik einen Fehler nicht machen: Anders als Wirtschaftsprofessoren dozieren sie nicht, sie sprechen nie von oben herab. Man kann darüber lächeln, dass Matthias Weik sagt, seine Mutter habe das erste Buch gegengelesen und auf Verständlichkeit geprüft. Aber genau dies ist ein Grund für die Beliebtheit der beiden: Ihre Leser genauso wie die Besucher ihrer Vorträge fühlen sich von ihnen nie überfordert. Das erzeugt in den verwirrenden Zeiten von weltweit vernetzten Kapitalmärkten und schwer verständlicher Notenbank-Politik ein beruhigendes Gefühl. Aber ist es nicht letztlich eine billige Masche, ständig vom nächsten Crash und dem großen Knall zu raunen, der unweigerlich kommen muss?

Hin und wieder erliegen Weik und Friedrich in ihren Büchern dieser Versuchung. Ein paar Mächtige, so geht dann die Geschichte, steuern den Lauf der Welt im Verborgenen zu unser aller Schaden. Das gehört zu jeder guten Verschwörungstheorie. In den Büchern von Weik und Friedrich sind oft die Banker die Bösen: „Die Jungs und Mädels in Banken, Börsen und anderen Bürotürmen halten so viel virtuellen Zaster in der Hand, dass sie damit die arme kleine Realwirtschaft binnen Sekunden in Angst und Schrecken versetzen können.“

Der einfache Schreibstil ist gewollt: Jeder soll mitkommen. Dies führt natürlich zu Auslassungen. An verschiedenen Stellen hat man auch den Eindruck, Weik und Friedrich trügen ein bisschen wahllos Fakten aus Quellen unterschiedlichster Qualität zusammen, um eine bestimmte These zu stützen. Aber ihre grundsätzliche Kritik werden nicht wenige Deutsche teilen: Der Euro sei eine Währung, deren Fortbestand fraglich ist, und die Europäische Zentralbank sorge mit ihrer Politik dafür, dass Sparen keinen Sinn mehr ergebe. Angereichert mit ein wenig grundsätzlichem Pessimismus ist man da ganz schnell beim Crash – eine Angst, die offenbar viele umtreibt, wie der Verkaufserfolg der Bücher zeigt.

Als Crash-Propheten wollen Weik und Friedrich aber nicht gelten, die Bezeichnung widerstrebt ihnen: „Wir sind Realisten und beleuchten die Welt, wie sie ist.“ Tatsächlich wäre es ungerecht, ihnen reine Schwarzmalerei zu unterstellen. Alle ihre Bücher enthalten ein Kapitel, in dem sie Lösungsansätze vorstellen. Darunter sind altbekannte Ideen wie die Wiedereinführung eines Trennbankensystems und die Erhöhung des Eigenkapitals der Banken, aber auch kreative eigene Vorschläge.

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