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Brisante Zinsbewegungen : Mächtiger Vorbote der nächsten Rezession

Auch die Dollar-Währungshüter sind nun pessimistischer. Bild: Reuters

Schlechte Konjunkturdaten aus Deutschland und die amerikanische Notenbank sorgen für alarmierende Kursbewegungen an den Finanzmärkten. Sie verheißen nichts Gutes.

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          Schon einmal, im Sommer und Herbst 2016, hatten zehnjährige deutsche Bundesanleihen eine negative Rendite ausgewiesen. Damals kaufte die Europäische Zentralbank (EZB) für 80 Milliarden Euro Anleihen im Monat. Nach dem Ende der Anleihekäufe würden die Renditen wieder steigen, sagten damals viele Marktteilnehmer voraus. Ende 2018 stellte die EZB ihre Netto-Käufe von Anleihen ein – seitdem baut sie ihre Bestände nicht mehr aus. Sie lässt sie aber auch nicht sinken, indem sie fällig werdende Anleihen durch neue Papiere ersetzt.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

          Doch obwohl die EZB heute in einem sehr viel geringeren Umfang in den Anleihemärkten tätig ist, sank die Rendite zehnjährigen Bundesanleihen an diesem Freitag wieder unter die Null-Linie. Im Nachmittagshandel rentierte die Anleihe mit minus 0,02 Prozent.

          Gleichzeitig wurde in den Vereinigten Staaten ein Phänomen beobachtet, dass als ein klassischer Indikator für eine Rezession gilt, wenn es nicht bald verschwindet: In Amerika drehte sich die Zinskurve um. Normalerweise rentierten langlaufende Festverzinsliche höher als Papiere mit kurzer Laufzeit. Am Freitagnachmittag fiel die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen kräftig auf 2,44 Prozent. Damit lag sie leicht unter der Rendite dreimonatiger Geldmarktpapiere.

          Für die künftige Stimmung am Markt ist wichtig, ob sich dieses Phänomen verstetigt. Denn eine inverse Zinskurve hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in den Vereinigten Staaten als ein recht zuverlässiges Signal für eine Rezession bewährt. Zuletzt wurde es vor dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahre 2007 beobachtet.

          „Der graue Winter setzt sich fort“

          Der Trend sinkender Renditen für Staatsanleihen guter Bonität setzte sich rund um den Globus fort. In der Schweiz fiel die Rendite zehnjähriger Papiere auf minus 0,46 Prozent. Mit minus 0,065 Prozent wurde die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen auf ihrem tiefsten Stand seit dem Jahre 2016 beobachtet. In Australien lag die Rendite mit 1,83 Prozent zwar im positiven Bereich, aber doch auf einem für dieses Land ungewöhnlich niedrigen Niveau.

          Zum einen lastet ein als sehr pessimistisch wahrgenommener Ausblick der amerikanischen Notenbank (Fed) auf dem Markt. Ihr Vorsitzender Jerome Powell hatte zur Wochenmitte angekündigt, dass die Fed auf der Basis der ihr vorliegenden Wirtschaftsdaten für das laufende Jahr keine Leitzinserhöhung mehr erwartet.

          An den Märkten gilt mittlerweile sogar eine Leitzinssenkung bis Ende 2020 als recht wahrscheinlich. Gleichzeitig kündigte Powell an, die Fed werde die Reduzierung ihrer Bilanz durch das Abschmelzen ihrer Anleihebestände im Herbst beenden.

          In diesem Falle würde die Bilanzsumme der Fed bei mehr als 3000 Milliarden Dollar verharren. Vor der Finanzkrise hatte sie knapp unter 1000 Milliarden Dollar betragen. Die Vorstellung einer „Normalisierung“ der Geldpolitik, die zu Zinsniveaus und Bilanzsummen wie vor der Finanzkrise führt, verflüchtigt sich immer mehr.

          Seit den Ankündigungen Powells werden am Markt Vermutungen laut, die EZB könne sich gezwungen sehen, ihr Anleihekaufprogramm im Herbst wieder aufzunehmen. Immer mehr Marktteilnehmer sind der Auffassung, dass es den Zentralbanken immer schwerer fallen wird, ihre um 2 Prozent liegenden Inflationsziele zu erreichen oder dort, wo die Inflationsrate noch nahe 2 Prozent liegt, zu halten.

          Sehr belastend wirkten am Freitag auch Stimmungsindikatoren aus der deutschen Industrie, die vom Analysehaus Oxford Economics als „schockierend schlecht“ bezeichnet wurden. Während in Deutschland die Binnennachfrage noch stand hält, verschlechtern sich die Aussichten im Export von Industriegütern immer mehr. Zwar waren die Daten in anderen Mitgliedsländern der Eurozone nicht so schlecht wie die deutschen Zahlen, doch bleibt der Eindruck einer tiefgreifenden Verunsicherung in der europäischen Industrie.

          „Der graue Winter setzt sich fort“, kommentiert das Bankhaus Berenberg. Dort ist man aber immer noch zuversichtlich, dass die Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte wieder zulegt, sofern die geopolitischen Risiken abnehmen und die chinesische Politik zur Stützung der Konjunktur Wirkung zeigt. Die Eurozone werde den Weg Japans gehen, sagte Daisuke Karakama, der Chefvolkswirt des japanischen Finanzhauses Mizuho Financial Group.

          Als eine Annäherung an Japan sieht Karakama dauerhafte Leistungsbilanzüberschüsse der Eurozone voraus, die zu einer Zunahme des Auslandsvermögens vor allem in Deutschland führten. Dies werde am Devisenmarkt den Wechselkurs des Euros stützen. Die EZB werde künftig, so wie heute die Bank von Japan, stärker auf den Wechselkurs achten, um eine Überbewertung zu vermeiden.

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