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Chancen 2018 : „Was gut für Aktien ist, wird nicht gut für Anleihen sein“

Von der Erholung der Ölpreise in 2018 könnte vor allem Russland profitieren. Bild: dpa

Luca Paolini, der Chefstratege von Pictet Asset Management setzt 2018 vor allem auf zwei Regionen. Eine Assetklasse hat es den Schweizern besonders angetan.

          Für vorsichtige Finanzauguren ist das Jahr 2017 bislang ein unerwartet positives Aktienjahr gewesen. Nicht nur der Dax bleibt auf Rekordjagd und liegt aktuell 14 Prozent höher als noch zu Jahresbeginn. Trotz dieser Kursgewinne scheinen für Aktienanleger auch die weiteren Aussichten nicht schlecht zu sein, glaubt man den zahlreichen Prognosen.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Dank des breiten Wachstums der Weltwirtschaft verspricht das kommende Jahr ein abermals gutes für Aktien zu werden. Dies sagte Luca Paolini, Chefstratege von Pictet Asset Management, am Montag in Frankfurt, erwartet aber nur einstellige Renditen für „globale“ Aktien: Erfreulicherweise sollte das Wachstum 2018 noch umfassender sein können als in den vergangenen Jahren ohnehin schon, sei es doch gekennzeichnet durch solide steigende Investitionen von Staaten und Unternehmen sowie gesunde Konsumausgaben. Besonders gut dürften dabei Schwellenländer abschneiden – auch dank nur geringer Inflation und der Erholung der Rohstoffpreise.

          Höhere Anleiherenditen verheißen Kursverluste

          Doch das Umfeld sei herausfordernd, sagt der Stratege. Zu den Risiken zählt er unter anderem den Konflikt mit Nordkorea, Trumps Protektionismus oder den Chefwechsel der amerikanischen Notenbank Fed. Paolini verweist auch auf eine mögliche „Erdung“ der Investoren. Der Aktienmarkt sei inzwischen so überkauft wie seit 1999 nicht mehr. Zudem sei das Wirtschaftsvertrauen besser als die tatsächlichen Makrodaten. Könnten Zinserhöhungen der Notenbanken den Markt belasten? Die Begeisterung der Schweizer Fondsgesellschaft für Aktien werde nicht von der Aussicht von bis zu drei weiteren Zinsschritten in den Vereinigten Staaten getrübt, sagt Paolini. Denn in Amerika, Europa und Japan würden die Zinsen real noch eine ganze Zeitlang negativ bleiben.

          Doch wo Licht ist, dort ist auch Schatten. Was gut für Aktien sei, werde nicht gut sein für Anleihen aus Industriestaaten, sagt der Anlagestratege. Steigende Zinsen dürften die schon teuren amerikanischen Staatsanleihen und Unternehmenspapiere belasten und ihre Renditen steigen lassen. Höhere Anleiherenditen wiederum verheißen Kursverluste.

          Ganz ungetrübt ist auch seine Zuversicht für Aktien nicht. Laut Paolini sehen einige Aktien wie vor allem amerikanische nach all den Kursgewinnen schon jetzt teuer aus. Doch solange die Gewinne der Unternehmen weiter stiegen, gebe es Raum für Kursgewinne. Dabei werde der amerikanische Aktienmarkt vermutlich von einem schwächeren Dollar und den Steuerplänen Donald Trumps profitieren. Beides sollte die Unternehmensgewinne stützen und helfen können, die geplante Verknappung der Liquidität durch die amerikanische Notenbank Fed abzumildern. Der Dollar dürfte sich aber weniger schnell abschwächen als noch in diesem Jahr.

          Gute Aussichten für den Euroraum

          Besser sähen die Aussichten für europäische und japanische Aktien sowie für Titel aus Schwellenländern aus, wobei die Sonne für den Euroraum besonders hell scheine, sagt Paolini. Billiges Geld der Bank of Japan liefere solide Gründe auch für japanische Aktien. Den Schwellenländern helfe ein schwächerer Dollar. Da die Preisprognosen für Rohstoffe sehr positiv ausfielen, erschienen dort deren Produzenten besonders attraktiv. Von der Erholung der Ölpreise zum Beispiel werde vor allem Russland profitieren. Überhaupt würden die meisten Schwellenländerwährungen unterhalb ihres fairen Werts gehandelt. Die Zeit, in der Anleiheinvestoren einfach und mit wenig Risiko hätten Geld verdienen können, sei vorbei. Unter den Anleihen seien Schwellenländerpapiere in lokaler Währung vielversprechend.

          Und welche Branchen sind attraktiv? Pictet bevorzugt Sektoren, die der positiven Entwicklung bislang hinterhergehinkt seien und vom reifen Stadium des Konjunkturzyklus besonders profitierten wie Finanzwerte sowie Aktien von Energie- und Minenkonzernen. Und gegen Inflationssorgen könne Gold helfen.

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