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Nach Brexit-Verlusten : London macht sich attraktiv für Börsengänge

Fußgänger vor der Londoner Börse (Archivbild) Bild: AFP

Die Londoner Börse hat nach dem Brexit einiges abzufangen. Um Investitionen anzuregen soll manche Regulierung gelockert werden. Ein besonderer Fokus liegt auf Spacs.

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          Mit neuen Regeln will die britische Regierung den Finanzplatz London anziehender machen. In diesem Jahr stehen einige große Börsengänge an, darunter der des Essenslieferdienstes Deliveroo und der Cyber-KI-Spezialisten Darktrace. Finanzminister Rishi Sunak hat nun eine Liste von Empfehlungen des früheren EU-Finanzkommissars Jonathan Hill aufgegriffen, mit denen die London Stock Exchange für Börsengänge attraktiver gemacht werden soll. Zu den Vorschlägen zählt, dass Unternehmen im Premiumsegment der Börse Aktien mit und ohne Stimmrechte (Dual Class Shares) begeben dürfen. Damit können Gründer beim Börsengang leichter die Kontrolle über ihre Firma behalten. Außerdem soll der Mindestwert für den Streubesitz von 25 auf 15 Prozent sinken.

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Ein Fokus liegt auf Börsengängen von Spacs. Dies sind Zweckgesellschaften für Unternehmenskäufe. Bislang dominiert New York diesen stark wachsenden Markt. London will nun mit liberalisierten Regeln mehr Spacs anziehen. Finanzminister Sunak versprach, die Empfehlungen des Berichts schnell zu berücksichtigen. London sei schon jetzt einer der größten und liquidesten Aktienmärkte. Bei Neuemissionen seien im vergangenen Jahr 43 Milliarden Pfund (48 Milliarden Euro) Kapital mobilisiert worden. Allerdings hat London nach dem Brexit seit dem Jahreswechsel den Handel mit Aktien von EU-Unternehmen verloren, dadurch rutschte das Handelsvolumen der Börse London hinter das der Amsterdamer Börse.

          Jonathan Hill sagte, die Reform der Börsengang-Regulierung sollte Investitionen in britische Unternehmen anregen und die Entwicklung innovativer Branchen wie Technologie und Medizin befördern. Prozesse sollten vereinfacht werden. Das könnte die britische Position verbessern. Es gehe nicht darum, durch radikale Abweichung von Regulierungen einen Vorsprung zu gewinnen. Vielmehr müsse London aufholen. „Alle Empfehlungen sind konsistent mit den existierenden Praktiken in anderen gut regulierten Finanzzentren in Amerika, Asien und Europa“, fügte Hill hinzu.

          Der Direktor des Verbands Investment Association, Chris Cummings, der Vermögensverwalter mit mehr als 8,5 Billionen Pfund vertritt, nannte die Vorschläge einen „wichtigen ersten Schritt“. Er mahnte aber einen angemessenen Schutz von Minderheitsaktionären an. Peter Harrison, Chef des großen Fondsmanagers Schroders, stellte sich hinter die Vorschläge: „Schroders unterstützt voll und ganz Lord Hills Bericht. Es ist entscheidend, dass wir alles Mögliche machen, um das Vereinigte Königreich zum attraktivsten Ort für Börsengänge zu machen.“ Martin Sorrell, der Gründer der weltgrößten Werbeagentur WPP und heutige Chef der Aktiengesellschaft S4 Capital, die geteilte Stimmrechte hat, nannte Hills Vorschläge „klug und pragmatisch“. Sie seien ein Signal, „dass die Vision ‚Singapur an der Themse‘ der Regierung für Post-Brexit-Britannien Realität wird“.

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