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Euro-Staatsanleihen : Lockere EZB-Geldpolitik lässt auch künftig die Renditen fallen

Bild: F.A.Z.

Auch unter einer neuen Notenbankpräsidentin Christine Lagarde dürfte sich an der EZB-Politik nichts ändern, „Letztlich gibt es für den Markt auch keinen Anlass, die kurz- bis mittelfristigen Zinserwartungen zu ändern. Denn unter Lagarde würde die EZB vermutlich die lockere Geldpolitik von Draghi fortsetzen", kommentiert Commerzbank-Analystin Antje Praefcke. Auch David Lafferty, Chefstratege des Investmenthauses Natixis Investment Managers, erwartet ebenfalls eine Fortsetzung der ultra-lockeren Geldpolitik. „Lagarde ist mehr Politikerin als traditionelle Volkswirtin.“ Angesichts der niedrigen Inflation, des schleppenden Wachstums und der schwer zu findenden Struktur­reformen werde sie kein neues geldpolitisches Regelbuch erstellen müssen.

An dieser Stelle sei ihre Fähigkeit, europäische Politik zu steuern, wahrscheinlich mehr wert als eine Promotion in Wirtschaftswissenschaften. Sie müsse die EZB-Politik sowohl den Ländern des Euroraums als auch internationalen Investoren verkaufen. Ihr Hintergrund und ihr beim IWF verfeinertes Verhandlungsgeschick würden sicherlich zum Tragen kommen, wenn sie in einem Umfeld, in dem monetäre Instrumente viel von ihrer Wirksamkeit verloren hätten, eine größere Rolle der Fiskalpolitik und Strukturreformen fordere.

Genug Raum für Wertpapierkäufe

Die EZB strebt eine Teuerungsrate knapp unter 2 Prozent an, doch wird diese Marke schon seit dem Frühjahr 2013 verfehlt. Im Mai lag die Inflationsrate bei 1,2 Prozent. Auch am Geldmarkt stellen sich die Investoren auf eine Zinssenkung zur nächsten EZB-Ratssitzung am 25. Juli ein. Dort zeigt die jüngste Kursentwicklung der Terminkontrakte, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent die Senkung des Einlagensatzes von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent angenommen wird. Der Zins ist negativ, weil ihn die Banken für ihre bei der EZB oder den Euronotenbanken geparkten Gelder zahlen müssen. Der Einlagensatz wurde erstmals im Juni 2014 negativ, seit Frühjahr 2016 liegt er bei minus 0,4 Prozent.

Mit Interesse nahmen die Marktteilnehmer auch die Aussagen des niederländischen Notenbankgouverneurs Klaas Knot auf. Dieser hatte angekündigt, dass die EZB handeln werde, sobald widrige Szenarien aufträten. Mit Blick auf eine neue Runde der Anleihekäufe, der sogenannten quantitativen Lockerung, bezeichnete Knot die Ansicht, wonach der EZB die zum Kauf verfügbaren Wertpapiere ausgehen, als „merkwürdig“. Die Aussagen des Niederländers werden am Markt als starkes Indiz für eine neue geldpolitische Lockerung gesehen, weil Knot bislang eher als Falke, also als Vertreter einer restriktiven Geldpolitik, galt.

Die Erwartung einer bevorstehenden Lockerung wird auch durch enttäuschende Konjunkturdaten verstärkt. So lag der Einkaufsmanagerindex für die Eurozone im Juni mit 47,6 Punkten klar in dem Bereich, der für eine konjunkturelle Abkühlung steht. Allerdings stellt sich die Frage, ob die Ratsmitglieder der EZB noch weitere Konjunkturdaten abwarten wollen, bevor sie handeln. Deshalb ist die Entscheidung über eine geldpolitische Lockerung auch erst in der Ratssitzung im September denkbar. Denn dann liegen auch aktuelle Prognosen der EZB-Volkswirte vor, mit denen die Entscheidung dann begründet werden kann. Fast alle Volkswirte in den Banken gehen davon aus, dass der EZB-Rat schon auf seiner Sitzung am 25. Juli verbal die Finanzmärkte auf eine neue Lockerungsrunde vorbereiten wird.

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