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Lira-Verfall : Türkischen Banken könnte die Luft ausgehen

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Die Bank Yapi Kredi gilt als eines der schwächeren türkischen Institute. Bild: Picture-Alliance

Der anhaltende Verfall der türkischen Lira bedroht die Stabilität der Wirtschaft. Experten beginnen sich um die Banken zu sorgen.

          Die anhaltende Kapitalflucht und der freie Fall des Wechselkurses der türkischen Lira bringen die Banken am Bosporus immer stärker in Bedrängnis. Seit Jahresbeginn hat die Landeswährung um 29 Prozent abgewertet. Auch am Mittwoch fällt sie wieder auf ein neuerliches Rekordtief. Für einen Dollar werden nunmehr 5,41 Lira bezahlt, für einen Euro 6,29 Lira.

          Türkische Lira-Anleihen haben mittlerweile argentinische als diejenigen Anleihen in lokaler Währung abgelöst, die die schlechteste Kursentwicklung aufweisen. In Dollar gerechnet, haben Anleger mit Lira-Papieren 38 Prozent verloren. Zusätzlich zur schlechten Wechselkursentwicklung ist der Kurs etwa der zehnjährigen Anleihe seit Mitte März um 27 Prozent gefallen. Diese rentiert derzeit mit knapp 19 Prozent. Der Anstieg der Absicherungskosten für türkische Staatsanleihen wird in den vergangenen drei Monaten nur von italienischen Anleihen übertroffen.

          Streit um Pastor lässt die Lage eskalieren

          Durch den Streit mit den Vereinigten Staaten über einen in der Türkei inhaftierten Amerikaner zieht sich die Schlinge nach Meinung von Kapitalmarktexperten jetzt noch weiter zu. „Die Märkte haben Angst, dass bei einer Eskalation und Sanktionen die türkischen Unternehmen und Banken schlimmstenfalls nicht mehr in der Lage sein werden, ihre Schulden zu refinanzieren“, sagt Jakob Christensen, Anlagestratege für Schwellenländer bei der Danske Bank.

          Der Streit um Pastor Andrew Brunson hat sich zuletzt zugespitzt. Auch bei Gesprächen hochrangiger Regierungsdelegationen in Washington gab es keinen Durchbruch. Die türkische Justiz wirft ihm vor, Kontakte zu dem ebenfalls in den Vereinigten Staaten lebenden Prediger Fethullah Gülen unterhalten zu haben, den die Regierung in Ankara als Drahtzieher für den Putschversuch von 2016 verantwortlich macht. Brunson hat dies zurückgewiesen. Die Vereinigten Staaten und die Türkei haben inzwischen Sanktionen gegen Minister des jeweils anderen Landes verhängt.

          Die Regierung in Washington stellt auch den teilweise zollfreien Zugang der Türkei zum amerikanischen Markt auf den Prüfstand. Betroffen sind türkische Importe im Volumen von 1,66 Milliarden Dollar mit Produkten wie Autos, Schmuck oder Edelmetallen. Hintergrund dafür sind offenbar Vergeltungsmaßnahmen der Regierung in Ankara, die als Reaktion auf die amerikanischen Sonderzölle auf Stahl und Aluminium erlassen wurden.

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          Aber es gibt auch hausgemachte Probleme. Der wachsende Einfluss von Präsident Recep Tayyip Erdogan auf die eigentlich unabhängige Zentralbank macht internationale Investoren nervös. Die Inflation in der Türkei ist auf mehr als 15 Prozent gestiegen, das Leistungsbilanzdefizit vergleichsweise hoch. „Für die Türkei mit ihrem sehr hohen ausländischen Liquiditätsbedarf dürften sich die jüngsten politischen Weichenstellungen sowie die beginnende weltweite Normalisierung der Geldpolitik zu einer erheblichen Herausforderung entwickeln“, sagt Lucas Irisik vom Vermögensverwalter Nikko Asset Management. „Denn steigende Finanzierungskosten könnten in naher Zukunft mit einer deutlichen Verlangsamung der heimischen Wirtschaft zusammenfallen.“

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