https://www.faz.net/-gv6-9ajxy

Währungskrise : Erdogan bittet Türken um Notverkäufe

  • Aktualisiert am

Erdogan auf einer Wahlkampf-Veranstaltung Bild: AFP

Die türkische Lira wird schwach und schwächer. Jetzt ruft Präsident Erdogan seine Landsleute dazu auf, Euro und Dollar zu verkaufen.

          Die Türkei tut, was sie kann – doch gegen den Absturz ihrer Währung kommt sie nicht an. Jetzt greift Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan zu einem Mittel der Verzweiflung: Er ruft seine Landsleute auf, ihre Dollar- und Euro-Guthaben in die heimische Währung umzutauschen. „Meine Brüder, die Dollars oder Euros unter ihren Kissen haben“, wandte sich Erdogan am Samstag auf einer Wahlkampfveranstaltung in Erzurum im Osten an die Bevölkerung. „Geht und tauscht euer Geld in Lira um.“

          Als Schwellenland importiert die Türkei mehr Produkte, als sie exportiert. Im Gegenzug investieren Ausländer Geld in der Türkei, weil sie auf Rendite hoffen. So funktionierte das auch in der Türkei jahrelang, und eigentlich war das Land wirtschaftlich auf einem guten Weg. Doch nach dem Putschversuch in der Türkei und Erdogans folgender Verhaftungs- und Entlassungswelle hat sich der Trend gedreht. Inzwischen ist das Leistungsbilanz-Defizit auf fünf Prozent gewachsen.

          Hohe Inflation, kleine Exporte – Investoren ziehen ab

          Im Moment entwertet sich das Geld in der Türkei jedenfalls um 11 Prozent jährlich – doppelt so viel wie von der Zentralbank angestrebt. Auch die Aktienkurse sind schwach, die Kurse der Staatsanleihen fallen. Vieles deutet darauf hin, dass Investoren ihr Geld aus der Türkei abziehen.

          Die Landeswährung ist seit Jahresbeginn zum Dollar um rund 20 Prozent abgerutscht. Vor einer Zinsanhebung durch die Zentralbank am Mittwoch hatte sie zum Dollar ein Rekordtief von 4,929 Lira erreicht. Auch die Zinserhöhung brachte nur eine geringfügige Verbesserung gegenüber dem Rekordtief. Schon am Donnerstag gab der Lira-Kurs wieder deutlich nach.

          Erdogan hat bereits angekündigt, dass er nach den Parlaments- und Präsidentenwahlen am 24. Juni eine größere Kontrolle über die Geldpolitik ausüben will. Der Präsident, der sich abermals um sein dann mit weitaus größeren Machtbefugnissen ausgestattete Amt bewirbt, hat sich selbst zum „Gegner von Zinsen“ erklärt. Höhere Zinsen führten zu höherer Inflation, erklärte er. Das widerspricht der herkömmlichen volkswirtschaftlichen Lehre. Allerdings gibt es einzelne Studien, die das für möglich halten.

          USD/TRY

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Weitere Themen

          Bundesbank zieht rote Linien für Libra & Co.

          Digitales Geld : Bundesbank zieht rote Linien für Libra & Co.

          Die Bundesbank sieht großes Potential für Facebooks Libra und andere Digitalwährungen. Diese müssten jedoch den Zielen der Geldwertstabilität folgen und die Regeln für einen fairen Wettbewerb einhalten.

          Topmeldungen

          Der Wahlkampf im kommenden Jahr wird wohl mit beispielloser Härte geführt werden.

          Neue Umfrage : Misstrauen gegen jedermann in Amerika

          Die Amerikaner sehen ihre Regierung und ihre Mitbürger immer skeptischer. Vor allem bei der Unterscheidung von Wahrheit und Lüge zeigen sich viele verunsichert. Für den Vertrauensschwund geben sie unterschiedliche Gründe an.

          Bergbau im Erzgebirge : Die Jagd nach dem Milliarden-Schatz

          Im Erzgebirge wird an der ersten deutschen Erzmine seit dem Krieg gebaut. Ein Investor verspricht sichere Rohstoffe und Hunderte Arbeitsplätze. Doch Politiker interessiert es nicht, Behörden mauern und Anwohner rebellieren.
          Gebannte Blicke im Königreich: Am Mittwoch soll Königin Elizabeth II. den neuen Premierminister ernennen.

          Regierungswechsel in London : Die Woche der Entscheidung

          In Großbritannien beginnt eine innenpolitisch spannende Woche. Die Tories wählen einen neuen Vorsitzenden und damit zugleich den neuen Premierminister. Wir fassen zusammen, was wann geschieht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.