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Währungskrise : Erdogan bittet Türken um Notverkäufe

  • Aktualisiert am

Erdogan auf einer Wahlkampf-Veranstaltung Bild: AFP

Die türkische Lira wird schwach und schwächer. Jetzt ruft Präsident Erdogan seine Landsleute dazu auf, Euro und Dollar zu verkaufen.

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          Die Türkei tut, was sie kann – doch gegen den Absturz ihrer Währung kommt sie nicht an. Jetzt greift Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan zu einem Mittel der Verzweiflung: Er ruft seine Landsleute auf, ihre Dollar- und Euro-Guthaben in die heimische Währung umzutauschen. „Meine Brüder, die Dollars oder Euros unter ihren Kissen haben“, wandte sich Erdogan am Samstag auf einer Wahlkampfveranstaltung in Erzurum im Osten an die Bevölkerung. „Geht und tauscht euer Geld in Lira um.“

          Als Schwellenland importiert die Türkei mehr Produkte, als sie exportiert. Im Gegenzug investieren Ausländer Geld in der Türkei, weil sie auf Rendite hoffen. So funktionierte das auch in der Türkei jahrelang, und eigentlich war das Land wirtschaftlich auf einem guten Weg. Doch nach dem Putschversuch in der Türkei und Erdogans folgender Verhaftungs- und Entlassungswelle hat sich der Trend gedreht. Inzwischen ist das Leistungsbilanz-Defizit auf fünf Prozent gewachsen.

          Hohe Inflation, kleine Exporte – Investoren ziehen ab

          Im Moment entwertet sich das Geld in der Türkei jedenfalls um 11 Prozent jährlich – doppelt so viel wie von der Zentralbank angestrebt. Auch die Aktienkurse sind schwach, die Kurse der Staatsanleihen fallen. Vieles deutet darauf hin, dass Investoren ihr Geld aus der Türkei abziehen.

          Die Landeswährung ist seit Jahresbeginn zum Dollar um rund 20 Prozent abgerutscht. Vor einer Zinsanhebung durch die Zentralbank am Mittwoch hatte sie zum Dollar ein Rekordtief von 4,929 Lira erreicht. Auch die Zinserhöhung brachte nur eine geringfügige Verbesserung gegenüber dem Rekordtief. Schon am Donnerstag gab der Lira-Kurs wieder deutlich nach.

          Erdogan hat bereits angekündigt, dass er nach den Parlaments- und Präsidentenwahlen am 24. Juni eine größere Kontrolle über die Geldpolitik ausüben will. Der Präsident, der sich abermals um sein dann mit weitaus größeren Machtbefugnissen ausgestattete Amt bewirbt, hat sich selbst zum „Gegner von Zinsen“ erklärt. Höhere Zinsen führten zu höherer Inflation, erklärte er. Das widerspricht der herkömmlichen volkswirtschaftlichen Lehre. Allerdings gibt es einzelne Studien, die das für möglich halten.

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