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Türkei-Krise : Schwellenländer unter Druck

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Treffen der BRICS-Staaten im Juli in Südafrika: Alle Währungen haben gegen den Dollar in diesem Jahr deutlich abgewertet. Bild: dpa

Mit der türkischen Lira haben auch andere Währungen aus Schwellenländern am Montag abgewertet. Zwar ist die Ansteckungsgefahr gering, doch das schlechte Klima machen die Ereignisse nicht besser.

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          Die Krise der türkischen Lira hat die Nervosität an den Finanzmärkten verstärkt und am Montag auch die Kurse anderer Schwellenländer-Währungen unter Druck gesetzt. Besonders hart wurde der südafrikanische Rand getroffen. Am Morgen wurden für einen amerikanischen -Dollar zeitweise 15,55 Rand gezahlt. Am vergangenen Donnerstag war die südafrikanische Währung vor der Zuspitzung der Lira-Krise noch bei etwa 13,50 Rand gehandelt worden. Mittlerweile hat sich der Rand wieder bis auf 14,43 Rand für den Dollar aufgewertet.

          Auch der mexikanische Peso und die indische Rupie sowie die indonesische Rupiah verzeichneten zum Wochenauftakt Kursverluste. Diese Währungen konnten sich nicht wieder so gut fangen wie der Rand. Außerdem verlor der russische Rubel zum Wochenauftakt an Wert. Diesen belasten aber vor allem die am Mittwoch von den  Vereinigten Staaten angekündigten neuen Sanktionen, die um den 22. August herum in Kraft treten sollen.

          Klima auch ohne Türkei schlecht

          Wie schon der Rubel zeigt, gibt es durch die Türkei-Krise im Grunde keine unmittelbaren Ansteckungsgefahren. Denn dazu ist die Verknüpfung der Volkswirtschaften zu gering. Die Türkei bezifferte das Handelsvolumen für Südafrika etwa für das Jahr 2015 auf 1,4 Milliarden Dollar. Das entspricht 0,3 Prozent der Ausfuhren und 0,5 Prozent der Einfuhren.

          Südafrika braucht für Druck auf seinen Wechselkurs die Türkei nicht. Der Wert des Rand gegenüber dem Dollar ist in diesem Jahr um mehr als 13 Prozent gefallen. Diese schwache Entwicklung wird nur von der Lira, dem Rubel, dem brasilianischen Real und dem argentinischen Peso übertroffen sowie dem venezolanischen Bolivar.

          Auch wenn die unmittelbare Ansteckungsgefahr gering ist, so ist das Klima hinsichtlich der Schwellenländer davon betroffen. Zwar hat sich mit fortschreitendem Interesse an Schwellenländern die Perspektive geändert. Besonders in den vergangenen Jahren fortschreitender Divergenz sind mehr und mehr Investoren zu der Überzeugung gelangt, dass „Schwellenländer“ eine künstliche heterogene Gruppe sind und eher Nicht-Industrieländer bedeutet.

          Nichtsdestoweniger gilt für diese „Nicht-Gruppe“, dass sie eben keine Industrieländer sind. Und das heißt: Die Risiken werden zwar unterschiedlicher eingeschätzt als früher, gelten jedoch im allgemeinen als höher als in Industrieländern. Und so flossen seit Freitag immerhin 5,2 Milliarden Rand aus südafrikanischen Anleihen ab. Aufgrund des Leistungsbilanzdefizits setzte das den Rand unter Druck.

          Ein grundsätzlicher Faktor ist zudem die Geldpolitik der amerikanischen Notenbank, die die Zinsvorteile der Schwellenländer zugunsten der Vereinigten Staaten verschiebt. Auch wenn die Zinsen noch immer höher sind, werden die Investments aufgrund der Risikogewichtung verringert.

          Devisenexperte Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank sieht einen Grund für die Eskalation der Lira-Krise darin, dass die Notenbank des Landes völlig unangemessen reagiert habe. Sie hatte den Leitzins zuletzt trotz des massiven Wertverfalls der Währung nicht erhöht. Sollte dagegen die Zentralbank in Südafrika glaubhaft versichern, bei einer weiteren Währungsschwäche Zinserhöhungen ins Auge zu fassen, könnte das den Rand nachhaltig stabilisieren, sagt Leuchtmann.

          Die Treiber des Rückgangs der Lira seien sehr spezifisch für die Türkei und sollten die positiven Fundamentaldaten anderer Schwellenländer nicht über einen längeren Zeitraum hinweg beeinträchtigen, sagte Kerry Craig, Marktstratege bei J.P. Morgan Asset Management der Nachrichtenagentur Bloomberg.

          Die Lira-Krise könnte die Währungen der Schwellenländer nach Einschätzung des Experten Kerry Craig von J.P. Morgan Asset Management auch in den kommenden Handelstagen belasten. In der ohnehin nervösen Marktstimmung dürfte ein weiterer Verfall der Lira die Kursschwankungen in den Schwellenländern verstärken und das Engagement der Investoren kurzfristig bremsen.

          Die Schwäche der Schwellenländerwährungen zeigt sich auch darin, dass seit Jahresbeginn nur zwei Währungen überhaupt Kursgewinne gegen den Dollar verzeichnen: Das ist zum einen der mexikanische Peso, der aber immer wieder kurzfristig unter der erratischen amerikanischen Politik zu leiden hat und deswegen immer wieder auch ins Minus rutscht. Zum anderen ist es der kolumbianische Peso, den zuletzt allerdings der Wahlsieg des Hardliners Iván Duque belastete, der das Friedensabkommen mit den Rebellen ablehnt.

          Ferner finden sich unter den Währungen eine Reihe aus Ländern, die im engeren Sinn nicht unbedingt als Schwellenländer anzusehen sind wie Hongkong, Singapur oder Taiwan.

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