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Lieferdienste : Fusion beflügelt Aktienkurse

Die neue Kultur des schnellen Happens: Der Lieferdienst Bild: Takeaway.com

Die Branche der Essenslieferdienste ist in Bewegung. Eine Großfusion treibt die Aktienkurse, auch den der deutschen Delivery Hero.

          Die Konsolidierungswelle unter den europäischen Lieferdiensten rollt munter weiter. Nachdem Ende 2018 die deutsche Delivery Hero ihr Deutschland-Geschäft mit Lieferheld, Pizza.de und Foodora an Takeaway,com, die Muttergesellschaft des Konkurrenten Lieferando verkauft hatte, will sich Takeaway nun mit dem britischen Wettbewerber Just Eat zusammenschließen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Da dies komplett über einen Aktientausch abgewickelt werden soll, dürften am Ende allerdings die Just-Eat-Aktionäre die Mehrheit an dem fusionierten Unternehmen halten. Die Anteilseigner von Just Eat sollen für eine Aktie 0,09744 Anteile an Takeaway.com erhalten. Auf diese Weise wären sie damit an dem fusionierten Unternehmen mit rund 52,2 Prozent beteiligt. Im vorgesehenen vierköpfigen Management sollen allerdings die Leute von Takeaway.com die Mehrheit stellen, und auch Unternehmenssitz soll in Amsterdam bleiben.

          Gemessen an den Schlusskursen vom Freitag bieten die Niederländer ein Aufschlag von rund 15 Prozent auf den Schlusskurs von Just Eat von 731 Pence. Das britische Unternehmen würde folglich mit knapp 5,5 Milliarden Euro bewertet.

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          Beide Gesellschaften hatten die Fusionsgespräche am Wochenende bestätigt, nachdem der britische TV-Sender "Sky" darüber berichtet hatte. Am Montagmorgen folgte die vorläufige Einigung. Allerdings betonten die Gesellschaften, dass offen bleibe, ob es tatsächlich zu einer verbindlichen Offerte komme. Zudem müssten die Aktionäre beider Gesellschaften dem Deal zustimmen.

          Der Aktienkurs von Just Eat-Aktien legt in London um mehr als 24 Prozent auf 790 Pence zu und steigt damit auf ein Jahreshoch. Zwischen April und Juni hatte die Notierung stark unter Druck gestanden. Seinerzeit war die Aktie in den Auswahlindex FTSE100 aufgestiegen, gleichzeitig wurden Zweifel daran geäußert, dass das Plattform-Modell sich durchsetzen werde. Denn Just Eat betreibt im Gegensatz zu den Uber Eats und Deliveroo, den Konkurrenten auf dem britischen Hauptmarkt, keine eigene Lieferflotte. Hinzu kam ein schwächeres Wachstum.

          Der Aktienkurs der niederländischen Takeaway.com legt weniger spektakulär um mehr als 4 Prozent zu. Lieferdienste gelten als klassisches Gebiet der Disruption. Sie aggregieren das Angebot einer zersplitterten Branche mit der Möglichkeit am Ende die Marge zu bestimmen. Dieses Margendiktat ist aber letztlich nur möglich, wenn es ein einziges Portal gibt, dass als Synonym für Essensbestellungen fungiert. Bislang waren die Märkte national verteilt, nun scheinen sich die Chancen zu besseren, dass am Ende Takeaway.com den Markt beherrscht.

          Just Eat ist den Angaben zufolge mit mehr 100.000 Vertragsrestaurants etwa in Großbritannien, Australien und Neuseeland und mehr als 26 Millionen Kunden deutlich größer als Takeaway.com, das dank eines starken Europageschäfts zuletzt auf knapp 44.000 Restaurants und im Jahr 2018 auf Bestellungen von gut 14 Millionen Kunden kam. Insgesamt wickelten Takeaway.com und Just Eat im vergangenen Jahr rund 360 Millionen Bestellungen ab.

          Die Übernahme sorgt auch für einen Kursanstieg der Aktie von Delivery Hero um knapp 8 Prozent auf den höchsten Stand seit dem vergangenen September. Die amerikanische Bank JP Morgan beließ ihre Einstufung zwar unverändert auf „Overweight“, geht aber auch davon aus, dass die Konsolidierungswelle weiter rollt und vor allem auch Delivery Hero davon profitieren wird.

          Unter den börsennotierten Lieferdiensten ist Takeaway.com vom Umsatz her mit 232 Millionen Euro der kleinste. Just Eat setzte 2018 fast viermal so viel um, ebenso die amerikanische Grubhub. Delivery Hero ist mit 665 Millionen Euro etwas kleiner. Im laufenden Jahr sollen die drei verbleiben Unternehmen praktisch gleich groß sein. Nach den aktuellen Prognosen sollte Delivery Hero auf 1,26 Milliarden Euro Umsatz kommen, Grubhub auf 1,23 und Just Eat/Takeaway auf 1,35 Milliarden.

          Just Eat und Grubhub sind den beiden anderen insofern voraus gewesen, als sie schon Gewinne erwirtschafteten, während Takeaway einen kleinen und Delivery Hero einen größeren Verlust verbuchte. Bewertet sind alle drei recht hoch mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen zwischen 34 und 113 für das kommende Jahr. Bei Delivery Hero sehen Analysten im Durchschnitt keine Gewinne in absehbarer Zeit.

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