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Spezial Nachhaltig Investieren : Lexikon der Nachhaltigkeit

  • -Aktualisiert am

Ökostrom ist nur ein Teil von Nachhaltigkeit Bild: ZB

ESG, Impact Investing, Taxonomie - viele Begriffe schwirren in der Debatte um nachhaltige Geldanlage umher. Wir versuchen, das Kauderwelsch ein wenig zu verdolmetschen.

          3 Min.

          Wie in vielen Bereichen der Geldanlage wimmelt es auch in der Nachhaltigkeit von - meist englischsprachigen - Fachbegriffen. Aber auch deutsche Übersetzungen helfen meist nicht weiter. Im nachfolgenden Erläuterungen zu einigen der wichtigsten Begriffe.

          ESG, CSR und SRI

          Environmental, Social, Governance (ESG) – Umwelt, Soziales und Unternehmensführung – steht für den Beitrag der Wirtschaft zur Nachhaltigkeit. Unter ESG fällt die Corporate Social Responsibility (CSR), also unternehmerisches Handeln, das eine soziale und ökologische Verantwortung berücksichtigt. Dazu gehört auch verantwortungsvolles Investieren, das Socially Responsible Investing (SRI). Diese Abkürzung findet sich auch in den Namen mancher Finanzprodukte, die an Nachhaltigkeitskriterien ausgerichtet sind.

          Verbreitet als Maßstab für nachhaltiges Anlegen sind aber in erster Linie die drei Bestandteile von ESG. Unter die fallen neben der Rücksicht auf Umwelt (E) und auf Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz oder Diversität (S) auch etwa die Fragen, welche Werte in Unternehmen gelten, wie mit Risiken umgegangen und Korruption verhindert wird – alles Punkte, an denen die Governance (G) gemessen wird. Anhand solcher Kriterien schlechte Unternehmen aus seinem Portfolio auszuschließen, ist ein verbreiteter Ansatz, nachhaltiger anzulegen. Ein weiterer ist das Best-in-Class-Prinzip (siehe Glossar auf der folgenden Seite).

          Best-in-Class-Prinzip

          Der typische Weg, sich beim Anlegen an ethischen Vorstellungen zu orientieren, ist, problematische Unternehmen komplett aus dem Portfolio auszuschließen (Ausschluss-Prinzip). So werden etwa Aktien und Anleihen von Unternehmen aus der Waffenindustrie oder von solchen, in deren Lieferkette Kinderarbeit vorkommt, außen vor gelassen. Auch Kernenergie oder die Produktion von Suchtmitteln sind verbreitete K.-o.-Kriterien.

          Wer hingegen allein nach dem Best-in-Class-Prinzip anlegt, schließt keine Branche aus, sondern investiert nur in Firmen, die in ihrer Branche unter Nachhaltigkeits-Aspekten führend sind. Die Anlagestrategie wird dadurch breiter, als sie in einem Portfolio sein kann, das nach dem Ausschluss-Prinzip zusammengesetzt wurde. Andererseits wird es vielen Anlegern, die auf Nachhaltigkeit Wert legen, nicht gefallen, die vorbildlichsten Unternehmen aus der Öl-, Rüstungs- oder Tabakindustrie in ihrem Portfolio zu haben. Wer über beide Prinzipien hinausgehen will, kann in Themenfonds investieren, die zum Beispiel nur auf erneuerbare Energien setzen.

          Green Bonds und Social Bonds

          Im November stießen neue, von der Europäischen Union ausgegebene Zinspapiere auf großes Interesse. Es handelt sich dabei um die schon länger bekannte Anlageform Social Bonds – Anleihen, die der Finanzierung sozialer Projekte dienen sollen. Im Fall des EU-Programms SURE besteht das soziale Ziel darin, in der Corona-Krise möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Entsprechend den Social Bonds liegt der Zweck von Green Bonds darin, ökologische Projekte zu finanzieren. Deutschland hat 2020 erstmals grüne Staatsanleihen begeben und wird dies künftig regelmäßig tun.

          Green oder Social Bonds können simple Unternehmensanleihen von Firmen aus der Umweltbranche sein, in anderen Fällen sind sie mit konkreten Projekten verknüpft. Auch bei Letzterem hängt das Ausfallrisiko normalerweise an der Gesamtbonität des Unternehmens, das die Anleihe herausgibt – nicht an der Wirtschaftlichkeit des jeweiligen grünen oder sozialen Projekts. Freiwillige Standards stellen die Green Bond Principles (GBP) und die Social Bond Principles (SBP) auf.

          Bild: Colourbox.com / Bearbeitung F.A.S.

          Impact Investing

          Anders als beim Anlegen in Aktien und Anleihen mit Nachhaltigkeits-Label geht es bei Impact Investing oft um die außerbörsliche Beteiligung an Unternehmen (Private Equity) oder deren Finanzierung (Private Debt). Impact-Investitionen – zu Deutsch etwa: Wirkungsinvestitionen – verfolgen messbare Nachhaltigkeitsziele. Zu denen muss das jeweilige Unternehmen, das auf solche Beteiligungen oder Finanzierungen baut, Rechenschaft ablegen. Im Bestfall werden die Nachhaltigkeitsvorhaben so genau gemessen und dokumentiert wie die Rendite des Unternehmens. Beispiele sind die Menge an eingespartem oder gereinigtem Wasser oder die Anzahl neu gegründeter Schulen in armen Ländern. Wie beim herkömmlichen privaten Beteiligungskapital können sich Anleger über spezielle Fonds am Impact Investing beteiligen. Auch Green Bonds oder Social Bonds werden oft als Teil des Impact Investing verstanden.

          Taxonomie

          Die Taxonomie-Verordnung der EU, die ab 2022 anzuwenden ist, soll dabei helfen, Wirtschaftstätigkeiten anhand ihrer ökologischen Nachhaltigkeit zu klassifizieren. Wie umweltfreundlich das Geschäftsmodell eines Unternehmens ist, kann damit nach einem einheitlichen Schema bewertet werden. Dadurch soll es Anlegern einfacher gemacht werden, ihr Portfolio ökologisch zu gestalten. Den Schritt, einzelne Finanzprodukte nach ökologischen Kriterien zu bewerten, wird die EU-Taxonomie allerdings nicht gehen. Zudem werden Unternehmen durch die Verordnung zwar zur Offenlegung ihres Anlageverhaltens, nicht aber zu nachhaltigerem Investieren gezwungen. Hier baut die EU darauf, dass allein dadurch, dass es einen einheitlichen Maßstab gibt, Unternehmen ihr Geschäft und ihre Anlagestrategie danach ausrichten. Nicht alle sehen einen Erfolg der Taxonomie-Verordnung positiv. So gibt es etwa die Befürchtung, dass es zu einer grünen Finanzblase kommen könnte, wenn die möglichen Risiken von nachhaltigen Produkten durch die Taxonomie aus dem Blickfeld geraten.

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