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Technische Analyse : Die 10 Dax-Aufsteiger unter der Lupe

  • -Aktualisiert am

Die Dax-Kurve in der Frankfurter Börse. Bild: Reuters

Der Leitindex wächst im September von 30 auf 40 Titel. Im Rennen um die Aufnahme überzeugen vor allem Brenntag und Puma mit ihrer attraktiven technischen Gesamtlage.

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          Im September 2021 kommt es als Teil der Index-Reform zur Aufstockung des Dax 30 um weitere zehn Titel zum Dax 40. Die Marktkapitalisierung (gemessen über den Streubesitz) wird für die Startzusammensetzung das Hauptauswahlkriterium sein. Neben den aktuellen Dax-30-Titeln und den jetzt sechs M-Dax-Werten mit derzeitigem Status eines „Fast Entry“ gibt es zurzeit noch sechs weitere M-Dax-Werte, die aus indextechnischer Sicht im „Rennen“ um weitere vier Dax-40-Plätze sind.

          Diese Werte, die aktuell nicht zu den Top 5 im M-Dax 60 gehören, sollten bei einer Aufnahme in den neuen Dax 40 mittelfristig mehr Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer erhalten als in ihrer gegenwärtigen Positionierung im Index-System. Von diesen Werten bieten zurzeit Brenntag (defensiver technischer \[Zu-\]Kauf) und Puma (spekulativer technischer \[Zu-\] Kauf) zusätzlich eine attraktive technische Gesamtsituation.

          Zu den bisher fünf M-Dax-Werten (Airbus, Zalando, Porsche Automobil Holding Vorzüge, Siemens Healthineers und Symrise) konnte zuletzt noch Hellofresh (technisch Halten nach der Hausse in 2020) auch knapp auf eine „Fast Entry“-Position vorrücken. „Fast Entry“-Position bedeutet, dass dieser gegenwärtige Nicht-Dax-30-Titel ein Ranking bei der Marktkapitalisierung nach Streubesitz unter den Top 33 erreicht hat. Hierfür ist aktuell ein Niveau von 12,3 Milliarden Euro notwendig.

          Hinzu kommen zwei M-Dax-Werte – Brenntag und Sartorius Vorzüge (seit 2009 in einer intakten technischen Hausse; technisch überkauft; Zukäufe wären aktuell prozyklisch) –, die einen deutlichen Vorsprung auf die Ranking-Position 40, die bei ungefähr 9,5 Milliarden Euro liegt, aufweisen. Um die dann noch verbleibenden Plätze 39 und 40 im neuen Dax 40 sind aus indextechnischer Sicht noch vier weitere M-Dax-Werte im Rennen. Aktuell haben Qiagen (Position 39; technisch Halten) und Hannover Rück (Position 40; technisch Halten) diese beiden Plätze inne. Dahinter steht Beiersdorf (technisch Halten) mit einem Abstand (auf Basis der Marktkapitalisierung nach Streubesitz) von 4,9 Prozent zur Position 40. Direkt dahinter folgt Puma mit einem Abstand von 11,6 Prozent. Damit bleibt als letzter Aspekt die für das zweite Halbjahr 2021 angedachte Abspaltung von „Daimler Truck & Bus“ vom Mutterkonzern. Hier sollte die genaue Ausgestaltung dieser Transaktion den Dax 40 – entweder bei der Start-Zusammensetzung oder später im Dezember 2021 bei einer außerordentlichen Index-Anpassung – noch beeinflussen.

          Bild: F.A.Z.

          Die Aktie des Chemielogistikers Brenntag zeichnet sich aus technischer Sicht durch zwei Grundmerkmale aus. Zuerst handelt es sich bei dieser Aktie um einen defensiven, technischen Wachstumswert, der einen sehr ruhigen Kursverlauf aufweist. Darüber hinaus lässt sich der gesamte Kursverlauf seit der Notierung im März 2010 (unter Berücksichtigung des Aktiensplits im August 2014) in „nur“ drei technische Phasen einteilen. Erstens der feine Hausse-Trend von Mai 2010 bis April 2015 mit einem Gesamtanstieg von 16,00 Euro auf 59,40 Euro. Die zweite Phase ist eine Seitwärts-/Abwärtspendelbewegung, die während der Corona-Gesamtmarktbaisse im März 2020 in einem technischen Ausverkauf bei 28,70 Euro endete. Die dritte Phase ist die seitdem vorliegende mittelfristige technische Hausse.

          Das übergeordnete Investment-Kaufsignal, mit dem Brenntag im September 2020 die zweite technische Phase mit Kursen über 53,00 Euro verlassen hat, arbeitet weiterhin mit einer hohen Qualität. Durch den seitdem vorliegenden intakten mittelfristigen Hausse-Trend (Hausse-Trendlinie aktuell bei 65,00 Euro) befindet sich Brenntag in einer technischen Neubewertung, wobei das nächste Etappenziel im Bereich um 78,00 Euro liegen sollte. Brenntag, die auf Basis der aktuellen Daten in einem Dax 40 auf Position 35 mit einem Index-Gewicht von ungefähr 0,8 Prozent stehen würde und eine Brutto-Dividendenrendite von 1,8 Prozent (Brutto-Dividende von 1,35 Euro; Ex am 11. Juni 2021) aufweist, bleibt ein defensiver technischer (Zu-)Kauf. Trotz dieser guten technischen Gesamtlage sollte aber jede Brenntag-Position mit einem strategischen Sicherungsstopp bei 62,00 Euro belegt werden.

          Puma aus technischer Sicht wieder angesprungen

          Puma befindet sich ebenfalls im Rennen um die Dax-40-Aufnahme. Beim fränkischen Sportartikelhersteller liegt der zuletzt erhöhte Streubesitz bei etwa 60,8 Prozent. Hier sollte einkalkuliert werden, dass der Großaktionär, die französische Kering, die im Euro Stoxx 50 notiert, durch eine weitere Plazierung ihren Anteil an Puma 2021 weiter reduziert. Als Konsequenz würde der dann höhere Streubesitz die Chancen von Puma auf die Dax-40-Teilnahme erhöhen. Die Aktie von Puma befindet sich – nach der jahrelangen Seitwärtsbewegung mit einer leicht negativen Grundausrichtung – seit dem Kurstief um 14,10 Euro im Juni 2015 in einer neuen, stabilen Hausse-Bewegung.

          Abgesehen von der Corona-Zwischen-Baisse (Februar/März 2020) hat sich hierbei ein idealtypischer Hausse-Trend mit einem Wechselspiel von Investment-Kaufsignalen, mittelfristigen Aufwärtstrends und trendbestätigenden Konsolidierungen herausgebildet. Ausgehend von dem alten Allzeithoch um 93,40 Euro (Jahreswechsel 2020/2021; Widerstandszone) kam es unterhalb dieses Kursniveaus zu einer schwankungsintensiven Seitwärtskonsolidierung (Trading Range mit der Unterstützung um 75,00 Euro, gestaffelte Widerstandszone von 90,00 Euro bis 93,40 Euro) zum Abbau der vorher entstandenen überkauften Lage.

          In den vergangenen Handelstagen ist Puma aus technischer Sicht wieder angesprungen und arbeitet an einem neuen (Investment-)Kaufsignal (nachhaltiger Sprung über die gestaffelte Widerstandszone). Da die technische Gesamtlage auf eine Fortsetzung der Hausse-Bewegung hindeutet und das nächste Etappenziel im Bereich von 105,00 Euro bis 110,00 Euro liegen sollte, bleibt Puma ein Wachstumswert und ein technischer (Zu-)Kauf. Jede Puma-Position sollte aber mit einem strategischen Sicherungsstopp bei 73,00 Euro belegt werden.

          Der Autor

          Der Autor Achim Matzke leitet den Bereich Technische Analyse & Index Research der Commerzbank.

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