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Laurèl-Anleihe : Am Ende bleiben 17 Euro

Präsentation von Laurèl während der Mercedes-Benz Fashion Week im Juni 2016 Bild: dpa

Selten war ein Streit um die Insolvenzmasse so sehr eskaliert wie im Fall des Textilkonzerns Laurèl. Nun ist fast klar: Den Anleihegläubigern bleibt praktisch nichts.

          Es war ein heftiger Streit, der nach der Insolvenz des Textilkonzerns Laurèl entbrannte: Dem gemeinsamen Vertreter der Anleihegläubiger wurde vorgeworfen, nicht an den Gläubigern interessiert zu sein und ihm die Legitimation abgesprochen.Doch es blieb bei harten Worten, am Ende wurde der stark kritisierte Insolvenzplan umgesetzt.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im Kern war es darum gegangen, dass im Zuge eines Tausch von Schulden in Aktien die Anleihegläubiger für Forderungen in Höhe von 21,762 Millionen Euro 170.000 Stückaktien der neuen Holding Munich Brand Hub bekommen sollten.

          Einige Gläubiger erhielten eine Barquote von 11,2 Prozent. Bei Gleichstellung mit diesen wären die Aktien der Anleihegläubiger dann mit 14,34 Euro zu bewerten. Dagegen wurden dem Planinvestor, einem Fonds der Gesellschaft Robus Capital, 255.000 Aktien für 1,67 Euro und dem Laurèl-Management 75.000 Aktien für 1,00 Euro das Stück erhalten sollte.

          Zwei Euro pro Aktie

          Nun hat die „Munich Brand Hub“ ein Angebot an die Gläubiger vorgelegt, zu dem sich Planinvestor und eine Holding des ehemaligen Laurèl-Managements verpflichtet hatten, um den Gläubigern in jedem Fall zu ermöglichen, einen Barausgleich zu erhalten.

          Pro Aktie werden 2 Euro geboten, so dass die Gläubiger für eine Teilschuldverschreibung von 1000 Euro am Ende 17 Euro bekommen werden. Zwar sollen Gläubiger und Dritte Angebote für diejenigen Aktien machen, die einzelne Gläubiger nicht haben wollen. Jedoch erscheint wenig wahrscheinlich, dass die Angebote, die nicht börslich zu machen sind, sondern über die Zahlstelle laufen, wesentlich höher ausfallen.

          Letztlich werden die nicht von Gläubigern bezogenen Aktien wieder dem Planinvestor und zu einem geringen Teil dem ehemaligen Laurèl-Management zufallen, da diese ein Vorkaufsrecht besitzen.

          17 für 1000 Euro

          Insgesamt ist also zu erwarten, dass die Anleihegläubiger von Laurèl rund 1,6 Prozent ihrer Forderungen wiedersehen - eine sehr dürftige Quote, aber leider gehört sie noch nicht einmal zu den niedrigsten.

          Im Wertpapierprospekt für die Angebotsaktien steht übrigens zu lesen, wie sich das Geschäft von Laurèl in jüngster Zeit entwickelt hat. Laurèl hat im Dezember 2015 letztmalig Geschäftszahlen veröffentlicht.

          Nach den vorgelegten Zahlen ist der Umsatz im Monatsschnitt bis zum August 2017 weiter merklich zurückgegangen, wobei für die Zeit zwischen Mai 2016 und August 2017 Zahlen für zwei Rumpfgeschäftsjahre vorliegen. Zuletzt wurden zwischen Februar und August 2017 noch rund 17 Millionen Euro umgesetzt.

          Die Herausforderung kommt erst

          Die operativen Verlustmargen wurden seit 2015 drastisch größer, lässt man den Sanierungsgewinn für 2017 unberücksichtigt. Zuletzt lagen sie bei etwa minus 20 Prozent.

          Nach der Sanierung ist die frühere Laurèl, die seit Ende September auch die Insolvenz verlassen hat, finanziell wieder besser aufgestellt. In der Zukunft wird sie beweisen müssen, dass sie den Umsatzschwund umkehren kann und positive operative Margen erzielen kann, was ihr letztmalig im Geschäftsjahr 2012/2013 gelungen war.

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