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Langfristige Aktienanlage : Dividenden werden oft unterschätzt

Blick auf die Dax-Tafel an er Frankfurter Wertpapierbörse. Bild: Reuters

Für die Dax-Konzerne wird in diesem Jahr ein Dividendenrekord erwartet. Doch viele Anleger achten vor allem auf die Aktienkurse.

          Neben möglichen Kursgewinnen sind Dividenden die zweite wichtige Ertragsquelle in der Aktienanlage. Dies dürfte nach mehr als zehn Jahren mit mageren Zinsen immer mehr Anlegern bewusst sein. Und es gilt umso mehr, da für die Dax-Konzerne in diesem Jahr ein Dividendenrekord von rund 38 Milliarden Euro erwartet wird. Dennoch mag es manche Investoren überraschen, dass die Ausschüttungen der Gesellschaften an die Aktionäre nicht nur als zusätzlicher Ertrag wichtig sind, sondern bisweilen zur Hauptrendite werden können. Nämlich dann, wenn sich Aktienkurse alles andere als erfreulich entwickeln.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Aktuell beträgt die Dividendenrendite im Dax auf Basis der zuletzt gezahlten Jahresdividende rund 3,1 Prozent. Zum Vergleich: Zehnjährige Bundesanleihen rentieren derzeit mit etwa 0,9 Prozent. Als „Performanceindex“ berücksichtigt der Dax bekanntermaßen, anders als ein reiner Kursindex, auch die Dividenden seiner 30 Index-Mitglieder.

          Dabei zeigt sich die Kraft der Ausschüttungen deutlich, wenn man die Indexentwicklung nach Kursen und Dividenden aufteilt. Seit der Dax am 31. Dezember 1987 mit 1000 Punkten normiert wurde, hat er als Kursindex bis zum Jahresende 2018 eine Rendite von jährlich 5,2 Prozent erzielt. Dies haben die Fachleute der Sutor Bank errechnet. Offiziell ins Leben gerufen wurde der Index ein halbes Jahr später.

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          Damit seien, anders ausgedrückt, aus einer Anlage von damals 1 Euro im Dax theoretisch inzwischen 4,81 Euro geworden, heißt es von der Hamburger Privatbank. Würden die Dividenden berücksichtigt und hätte man diese immer wieder investiert, dann wären nach 31 Jahren inzwischen 10,56 Euro daraus geworden. Dies lasse sich auch am Dax-Niveau von 10 560 Punkten zum Jahresende 2018 ablesen. Die jährliche Dax-Rendite inklusive Dividenden betrage so 7,9 Prozent.

          Blick auf einzelne Werte

          Obwohl die Renditedifferenz des Performance- und des Kursindex des Dax im betrachteten Zeitraum durchschnittlich „nur“ 2,7 Prozentpunkte je Jahr betrage, habe sich der Ertrag aufgrund des Zins- und Zinseszinseffekts mit der Zeit mehr als verdoppelt, sagt Lutz Neumann, Leiter der Vermögensverwaltung der Sutor Bank. Wie wichtig die Dividende für den Gesamtertrag einer Aktienanlage ist, zeigt zudem der Blick auf einzelne Werte. Die Analysten der Bank wählen das Beispiel Daimler.

          So habe diese Aktie zum Beispiel kurz vor Weihnachten 2018 einen Kurswert von rund 46,50 Euro verzeichnet. Dies entspreche in etwa dem Kurs vom Jahresbeginn 1987. Damals habe der Titel umgerechnet und bereinigt um Kapitalmaßnahmen rund 46,50 Euro gekostet. Während der Aktienkurs von Daimler über den gesamten Zeitraum hinweg ein Nullsummenspiel gewesen sei, hätten die Dividenden den Aktionären des Konzerns eine ansehnliche Rendite beschert, die zeitweise oberhalb der Dax-Rendite gelegen habe, sagt Neumann.

          DAIMLER

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          Demnach hätte ein Daimler-Aktionär im Gesamtzeitraum mit Dividenden durchschnittlich eine jährliche Rendite von 8,2 Prozent erhalten. Dies zeige, wie Dividenden durch Wiederanlage für einen ansehnlichen Zins- und-Zinseszins-Ertrag gesorgt hätten, sagt Neumann. Und dies, obwohl zum Beispiel im Jahr 1996 aufgrund der Vollabschreibung der Beteiligung am niederländischen Flugzeughersteller Fokker und im Jahr 2010 nach einer der schlimmsten Finanz- und Wirtschaftskrisen der Nachkriegsgeschichte die Dividenden ausfielen oder – wie kürzlich gemeldet – geplante Dividenden gekürzt werden müssten.

          Geld international möglichst breit streuen

          Nach Ansicht von Neumann sollten Anleger daher auch bei der Betrachtung einzelner Werte Dividenden stets mitberücksichtigen. Andernfalls wäre es ungefähr so, als würde sich ein Hausbesitzer täglich über den Wert seiner Immobilie informieren, ohne auf die Mieteinnahmen zu blicken. Interessanterweise seien Mieten für Hausbesitzer aber ein selbstverständlicher Bestandteil der Wirtschaftlichkeitsberechnung. Für Aktien sollte dies ähnlich sein. Die Dividende sieht Neumann quasi als Miete des Aktionärs. Doch viele Anleger achteten vor allem auf die Kurse.

          Wichtig sei es, sein Geld international möglichst breit zu streuen, sagt Neumann. Kurzfristige Kursschwankungen seien dann bei einem langfristigen Investment kein Grund, nervös zu werden, da sie zum Kapitalmarkt nun einmal dazugehörten. Auf lange Sicht stelle sich der Erfolg von allein ein – trotz zwischenzeitlicher Schwankungen, ist Neumann sich sicher. Dies zeigt das Rendite-Dreieck des Deutschen Aktieninstituts für die meisten Jahre immer wieder. „Vermieten Sie als Anleger Ihr Geld an Aktiengesellschaften, und der Lohn ist die Dividende und damit eine Art Miete“, sagt Neumann und wirft mit dieser plakativen Aussage einen etwas anderen Blick auf die Aktienanlage. Die Dividende könne langfristig zu einem wesentlichen Renditefaktor werden. Das verdeutlicht auch ein Verlustjahr für den Dax, wie es das vergangene war.

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