https://www.faz.net/-gv6-99atl

Lage am Aktienmarkt : „Die Kurskorrektur der Aktienmärkte ist gesund“

Als Fotomotiv und an der Börse: Der Bulle ist beliebter als der Bär. Bild: EPA

Die öffentlichen Banken halten amerikanische Aktien noch immer für überbewertet. Dem Dax trauen sie bis Jahresende einiges zu.

          Haben die Anleger eine Verschlechterung der Lage am Aktienmarktes zu befürchten? Nach dem vergangenen Börsen-Rekordjahr flaute die Dauer-Hausse zu Beginn dieses Jahres merklich ab. Obwohl geopolitische Sorgen wie die Zuspitzung des Syrien-Konfliktes viele Anleger eher unbeeindruckt ließen, blicken Marktteilnehmer dennoch sorgenvoll auf negative Konjunkturerwartungen und weitere geldpolitische Anpassungen.

          Antonia Mannweiler

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Die Aktienexperten des Verbandes Öffentlicher Banken betrachten den schwachen Start der Kapitalmärkte in diesem Jahr als notwendige Kurskorrektur. Nach der Einschätzung der HSH Nordbank ist die Korrektur nicht beunruhigend, sondern eine gesunde Entwicklung nach den Rekordläufen bis Ende Januar 2018. Joachim Schallmayer, Stratege der Dekabank, bemerkte auf der Aktienmarkt-Prognose-Pressekonferenz des Verbandes Öffentlicher Banken, dass seit Jahresanfang kaum Erträge zu erwirtschaften waren. Dennoch: „Der Nebel lichtet sich“, sagte Schallmayer. Die Stimmung habe sich im Laufe des Jahres verbessert, wenn auch nur im langsamen Tempo. Nach Einschätzung von Schallmayer wird sich die Kurskorrektur noch bis in das zweite Halbjahr fortsetzen.

          Gründe für die Anfälligkeit der Aktienkurse sehen die öffentlichen Banken in der Überbewertung des Aktienmarktes. Die Anleger seien lange zu sorglos und extrem optimistisch bezüglich der Gewinn- und Wachstumsperspektiven gewesen. Markus Reinwand, der Aktienmarktstratege der Helaba, teilte diese Ansicht und sagte: „Die Anleger haben sich einlullen lassen. Die Unsicherheit wurde aus ihrem Vokabular gestrichen.“ Einig war sich der Verband Öffentlicher Banken auch bezüglich der aktuellen Bewertung des deutschen Aktienmarktes: Der deutsche Leitindex Dax sei mittlerweile nicht mehr überbewertet. Dementsprechend optimistisch äußert sich der Verband bezüglich der mittel- bis langfristigen Prognosen des deutschen Finanzmarktes.

          Rückkehr der „ökonomischen Vernunft“

          Obwohl die Sorglosigkeit an den Märkten verschwunden ist und laut der Markteinschätzung der LBBW eine „normalere“ Phase der Volatilität Anfang Februar begann, bleibt ihre Einschätzung sehr positiv gegenüber Aktienanlagen. Für den Dax prognostiziert die LBBW bis zum Ende des Jahres 14000 Punkte. Gemessen am aktuellen Dax-Stand von rund 12550 Punkten sehen zudem sowohl die HSH Nordbank (Prognose: 13780 Punkte) als auch die Nord LB (13700) die weitere Entwicklung eher positiv, gefolgt von der Dekabank (13500) und der Bayern LB (13400). Wesentlich pessimistischer zeigt sich lediglich die Helaba, die den Dax am Ende des Jahres auf 12300 Punkten vermutet.

          Volker Sack, der Leiter der Aktienanalyse der Nord LB, sieht die Rückkehr der „ökonomischen Vernunft“ unter den Marktteilnehmern. Auch wenn es in der laufenden Berichtssaison im Fall von negativen Überraschungen Potential für Indexausschläge nach unten gebe, rechnet auch er mittelfristig mit anziehenden Aktienkursen. In der kurzen Frist erwartet Schallmayer von der Dekabank erhöhte Schwankungen und zwischenzeitliche Kursrückgänge, da sich die Märkte zunächst noch an das veränderte Wachstums-, Inflations- und Zinsumfeld anpassen müssten. Die längerfristige Perspektive der Dekabank ist jedoch positiv: Ein gutes absolutes Wachstumsniveau von Konjunktur und Unternehmen und die Bewertung der Aktienmärkte werde Käufer wieder relativ schnell in den Markt zurückbringen.

          Im Gegensatz zu den deutschen Aktienmärkten, die nach Schallmayer „unauffällig bewertet“ sind, sei die Bewertung der amerikanischen Titel immer noch zu hoch. Die Helaba schätzt, dass sie auch aufgrund der Steuerreform in den Vereinigten Staaten weiterhin überbewertet bleiben. Ohne eine vorherige Normalisierung der Bewertungen im Aktienmarkt habe die Reform für einen Sprung in den Gewinneinschätzungen gesorgt. Für die Bayern LB ist der amerikanische Aktienmarkt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis erwarteter 12-Monats-Gewinne von 18,5 Prozent im Januar überhitzt. Der Durchschnittswert der vergangenen zehn Jahre lag bei 14,4 Prozent. Die Bayern LB erwartet indes im Jahresverlauf 2019 eine Gipfelbildung der Bewertungen am amerikanischen Aktienmarkt, die zu einer größeren Aktienmarktkorrektur in Europa führen könnte.

          Die geopolitischen Umstände spielten in diesem Jahr jedoch eine untergeordnete Rolle für den Aktienmarkt. Die Helaba sieht den Syrien-Konflikt und den Handelsstreit lediglich als Auslöser der derzeitigen Schwächephase der Kapitalmärkte und nicht als deren Ursache.

          Die digitale F.A.Z. PLUS
          F.A.Z. Edition

          Die digitale Ausgabe der F.A.Z., für alle Endgeräte optimiert und um multimediale Inhalte angereichert

          Mehr erfahren

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.