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Poker um EU-Posten : Lagarde-Effekt treibt Dax über 12.600 Punkte

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Nominierung der IWF-Direktorin Christine Lagarde als EZB-Chefin sorgte für Aufwind am deutschen Aktienmarkt. Bild: AFP

Nachdem in Brüssel die Vergabe der Spitzenposten ausgehandelt sind, zeigen sich die Börsianer in Frankfurt in Kauflaune.

          Mit der Aussicht auf eine Lösung im EU-Personalpoker haben Anleger am deutschen Aktienmarkt am Mittwoch wieder zugegriffen. Am Markt kam die Nominierung von Christine Lagarde als Präsidentin der Europäischen Zentralbank gut an. Der Leitindex Dax schaffte wieder den Sprung über die Marke von 12.600 Punkten und schloss 0,71 Prozent höher bei 12.616,24 Zählern. Der MDax stieg um 1,19 Prozent auf 26.013,41 Punkte. Der den Aktienmarkt breiter abbildende F.A.Z.-Index gewinnt mehr als 0,8 Prozent auf 2.319,71 Punkte, bleibt damit aber deutlich unter seinem Hoch von Anfang Mai bei 2359 Stellen.

          Am Markt kam die Nominierung Christine Lagardes als Präsidentin der Europäischen Zentralbank gut an. „Frau Lagarde hat die geldpolitische Lockerung im Allgemeinen und Anleihekäufe im Speziellen stets unterstützt“, sagte Andrew Kenningham, Chefökonom für Europa des Analysehauses Capital Economics .

          Kein Richtungswechsel für die EZB

          Martin Moryson vom Vermögensverwalter DWS sieht in der Nominierung von Lagarde keinen Richtungswechsel in der Geldpolitik der Zentralbank. Eine Veränderung sieht der Chefvolkswirt aber im Führungsstil. „Lagarde dürfte stärker bemüht sein, ihre Entscheidungen auf den vorigen Konsens des EZB-Rats zu stützen, als es Mario Draghi war“, sagt er. Außerdem sei sie, wie vier Mitglieder des sechsköpfigen EZB-Direktoriums, keine ausgebildete Ökonomin.

          Auch andere Beobachter äußerten sich dazu kritisch. „Wenn man sich den Kurs von Mario Draghi in den letzten acht Jahren anschaut, dann kommen doch erhebliche Sorgen bezüglich ihres (Lagardes) begrenzten Wissens über das Bankwesen und besonders über das Zentralbankwesen auf“, schrieb CMC-Marktexperte Michael Hewson.

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          Die Aussicht auf eine noch lockerere Geldpolitik der EZB und der amerikanischen Notenbank Fed zur Unterstützung der Konjunktur hatte die Börsen schon in den vergangenen Wochen angetrieben. Hinzu kam der Burgfrieden im Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China, der die Konjunktursorgen vieler Investoren zumindest ein wenig milderte. Experten mahnen aber zugleich, dass eine Lösung immer noch nicht gefunden sei.

          Darüber hinaus geht der Zollstreit der Vereinigten Staaten mit der EU weiter. Präsident Donald Trump hatte jüngst neue Zölle für EU-Waren als Vergeltung für angebliche, verbotene Flugzeugsubventionen angedroht. Auch andere politische Konflikte wie die Ausschreitungen in Hongkong oder der amerikanisch-iranische Streit um das Atomabkommen sind noch nicht aus der Welt.

          Eine Kaufempfehlung der Analysten von Kempen verhalf der Vonovia-Aktie zu einem Kursanstieg von knapp 3 Prozent. Die Notierung der Bayer-Aktie gewinnt fast 1 Prozent. Hier macht sich angesichts eines möglicherweise milderen Urteils im zweiten Glyphosat-Prozess Optimismus breit. An den amerikanischen Börsen findet am Mittwoch nur ein verkürzter Handel statt. Die Aktienmärkte haben bis 19 Uhr Ortszeit geöffnet.

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