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Kurz erklärt : Der vielfältige Ölmarkt

Schön schwarz: Russisches Erdöl Bild: Reuters

Es gibt nicht „den Ölpreis“, sondern viele verschiedene. Aber einige sind wichtiger als andere.

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          Spricht man von „dem Ölpreis“, so ist das eigentlich falsch. Erdöl ist ein Naturprodukt, entstanden meist aus der Biomasse abgestorbener Meereskleinstlebewesen. Und wie es mit allen Naturprodukten so ist - es gibt sie in zahllosen Sorten. Von Äpfeln etwa gibt es rund 5700 Sorten und von Rohöl mehr als 1000.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Schon optisch unterscheidet sich etwa algerisches Öl, das dünnflüssig und gelb ist, von dickflüssigem und tiefbraunem venezolanischem Öl. Maßgebliche Unterscheidungskriterien sind die Förderstätte, die Dichte und der Schwefelgehalt. Letztere wird auch als „Süße“ bezeichnet. Der Preis, der am Montag schier ins Bodenlose fiel, war der von WTI – West Texas Intermediate. Dieses Öl stammt ursprünglich aus dem Permischen Becken in der Westhälfte von Texas und dem Südosten New Mexicos. Dieses ist leicht und „süß“ und kann einfach raffiniert werden. Deswegen ist es, ähnlich wie das als Brent bezeichnete Nordseeöl, begehrt.

          Neben WTI listet der Finanzinformationsdienst Bloomberg rund 80 weitere Rohölsorten auf, für die es zumindest veröffentliche Preise gibt. Nicht alle dieser Ölsorten sind so bedeutend. Alaska North Slope etwa wird schon seit fast 40 Jahren zunehmend weniger gefördert, von North Dakota Sour werden nur rund 15.000 Barrel am Tag gefördert.

          Die Maßstabsorten

          Wenn von „dem Ölmarkt“ und „dem Ölpreis“ gesprochen wird, bezieht sich dies grundsätzlich auf drei Sorten: Am wichtigsten davon ist Brent, das seinerseits aus 15 Sorten besteht, daneben WTI und zuletzt noch Dubai/Oman. Dies Sorten gelten als Maßstab, weil ihre Qualität eindeutig klassifiziert ist, andere Ölsorten werden im Vergleich dazu betrachtet und ihre Preise von der relativen Qualität abgeleitet. Für die Finanzmärkte ist zudem wichtig, dass sich in andere Ölsorten wie etwa den Opec-Korb aus 12 Ölsorten oder russisches Öl (Urals) aufgrund der politischen Gegebenheiten nicht investieren lässt.

          Geliefertes Öl ist immer ein Gemisch verschiedener Sorten. Könnte eine Raffinerie nur eine hochwertige Ölsorte verarbeiten, stieße das auf mehrere Probleme. Erstens, heißt es etwa vom Ölriesen BP, haben die leichten, süßen Öle ihr Fördermaximum schon überschritten und sind aufgrund dessen gewöhnlich teurer. Zweitens wären bestehende Konversions- und Entschwefelungsanlagen nicht ausgelastet. Drittens können schwere Rohöle ohne Zugabe flüssigerer Sorten nicht durch eine Pipeline gepumpt werden. Darüber hinaus würde bei Abhängigkeit von einer Ölsorte die Raffinierie bei Versorgungsproblemen still stehen. Das ist weit teurer als ein Ölmix.

          Da sich die Preise anderer Sorten nach den Maßstabsorten richten, war dies auch der Grund, warum am Montag der Absturz des WTI-Preises auch die Preise fast aller anderen amerikanischen Ölsorten mit nach unten zog. Wer zuletzt ein Barrel von 159 Litern Alaska-Öl kaufte erhielt dazu knapp 47 Dollar als Dreingabe, für Öl aus Ost-Houston 10 Dollar. Ölpreise um null gab es auch schon früher. Für „North Dakota Sour“, ein schwefelreiches Öl, das gerade mal ein Prozent der Produktion in dem amerikanischen Bundesstaat ausmacht, wurden 2016 zwischenzeitlich nur noch 1,50 Dollar bezahlt. Ende März zahlten Verkäufer von Wyoming Asphalt Sour, einer Ölsorte, die im Straßenbau Verwendung findet, 19 Cents je Barrel drauf.

          Der Terminhandel

          Öl wird auf Termin gehandelt. Ein Geschäft wird zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem zuvor vereinbarten Preis abgewickelt. Für beide Marktseiten ist das von Vorteil: Der Preis ist weniger von den aktuellen Bedingungen abhängig und schwankt weniger stark. Wer kein Öl liefern will, verkauft den Kontrakt kurz vor Laufzeitende und erwirbt einen neuen mit längerer Laufzeit.

          Gibt es aber keine Käufer, so fällt der Preis ins Bodenlose.Im Fall von WTI sind die Anleger auch selbst schuld. In den vergangenen Wochen hätten Öl-ETF ungewöhnlich hohe Zuflüsse verzeichnet, heißt es von den Analysten von JBC Energy. In der vergangenen Woche hielten diese Fonds ein Viertel oder mehr aller Mai-Kontrakte - und wollten weder Öl liefern noch bekommen. Als die Fonds nun am Montag den Wechsel in einen neuen Kontrakt vornehmen mussten, fanden sie keine Käufer.

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