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Hoffnung auf sinkende Zinsen : Kursrally an New Yorker Börsen

  • Aktualisiert am

Die New Yorker Börse in der Wall Street Bild: AFP

Spekulationen auf eine baldige Zinssenkung der amerikanischen Notenbank Fed haben der Wall Street den größten Tagesgewinn seit fünf Monaten beschert.

          3 Min.

          Die Hoffnung auf Zinssenkungen hat am Dienstag an den New Yorker Börsen eine Kursrally ausgelöst und die jüngst hohen Verluste vergessen gemacht. Vor allem für den tags zuvor nach Berichten über eine Untersuchung der Marktmacht von Google und Facebook sehr schwachen Nasdaq 100 ging es nun wieder deutlich bergauf. Zum Handelsende belief sich das Plus auf 2,70 Prozent auf 7166,75 Punkte, womit die Montagsverluste wieder wettgemacht sind.

          Sehr fest präsentierte sich auch der New Yorker Leitindex Dow Jones Industrial mit einem Aufschlag von 2,06 Prozent auf 25 332,18 Punkte. Nach seinen deutlichen Verlusten am vergangenen Freitag hatte er zum Wochenauftakt nahezu unverändert geschlossen, wurde dabei aber gebremst von den Einbußen der im Leitbarometer notierten Tech-Werte. Für den breit gefassten und daher besonders aussagekräftigen S&P 500 ging es am zweiten Handelstag der Woche um 2,14 Prozent auf 2803,27 Zähler hoch.

          An den Finanzmärkten setzt sich zunehmend die Erwartung durch, dass die amerikanische Notenbank Fed angesichts der weltweiten Handelsspannungen und der damit verbundenen konjunkturellen Risiken die Leitzinsen bald senken könnte. Die Ökonomen der Schweizer Bank UBS glauben, dass die Fed dies zwar erst tun wird, wenn Amerika in eine Rezession zu schlittern drohe. Doch hohe Zölle auf Warenimporte erhöhten die Wahrscheinlichkeit dafür. Sinkende Zinsen machen Aktien tendenziell im Vergleich mit anderen Anlagen wie Anleihen attraktiver.

          Bewegung im Zollstreit mit Mexiko

          Fed-Chef Jerome Powell hatte am Dienstag auf einer Konferenz in Chicago gesagt, man werde den Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und China genau beobachten und „wie immer“ entsprechend reagieren, um das Wachstum aufrechtzuerhalten.

          In den Zollstreit zwischen Amerika und Mexiko scheint derweil Bewegung zu kommen. Die Vereinigten Staaten und ihr lateinamerikanischer Nachbar wollen das Thema Strafzölle gegen Mexiko kurz vor Ablauf der Frist offenbar vom Tisch bekommen. Der amerikanische Außenminister Mike Pompeo und sein mexikanischer Kollege Marcelo Ebrard treffen sich am Mittwoch in Washington, um eine Lösung zu finden.

          Dow Jones

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          Im zuletzt durch die Zolldrohung gegen Mexiko abgestraften Autosektor griffen die Anleger daher wieder zu. Mexiko ist ein wichtiger Produktionsstandort für die internationalen Autobauer – auch für die amerikanischen Hersteller, weshalb Zölle gegen das Land die Konzerne treffen würden.

          Ford gewann 3,23 Prozent, General Motors sogar 6,02 Prozent. Fiat Chrysler legte um fast 4 Prozent zu. Dass der Renault-Verwaltungsrat die Entscheidung über eine mögliche Fusion mit dem italienisch-amerikanischen Autohersteller zunächst vertagt hat, spielte für den Aktienkurs von Fiat Chrysler keine Rolle. Die Gespräche würden fortgesetzt, hieß es.

          „Attraktivste neue Internet-Story seit Facebook“

          War die Stimmung der Anleger von Apple, Microsoft, Intel, der Google-Muttergesellschaft Alphabet, Facebook und Amazon am Montag im Keller, herrschte am Dienstag schon wieder Feierlaune angesichts der hohen Kursaufschläge von bis zu 3,7 Prozent.

          Die Papiere des Fahrdienstvermittlers Uber rückten um 3,64 Prozent vor, während die des Konkurrenten Lyft um 0,62 Prozent nachgaben. Die Aktien wurden nun von einigen Analysten zum ersten Mal eingestuft. Dabei lobte Analyst Lloyd Walmsley von der Deutschen Bank Uber als attraktivste neue Internet-Story seit der Erstnotiz von Facebook.

          EUR/USD

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          US Steel machte eine Verkaufsempfehlung von Goldman Sachs nichts aus, die Aktien gewannen 6,15 Prozent. Sie waren allerdings am vergangenen Freitag auf den tiefsten Stand seit mehr als drei Jahren gefallen und befinden sich seit Wochenbeginn auf Stabilisierungskurs.

          Die Anteile von Tiffany legten um 2,60 Prozent zu. Der Schmuck-Einzelhändler hatte mit seinen Umsätzen für das vergangene Quartal zwar enttäuscht, verbreitete aber Optimismus für das zweite Geschäftshalbjahr. Die Analysten der Credit Suisse äußerten sich nach der Zahlenvorlage von Tiffany zuversichtlich und blieben bei ihrem „Outperform“-Votum. Die Strategie, die die Marke wieder auf Kurs bringen soll sowie Produktinnovationen könnten dazu beitragen, dass Tiffany wieder Marktanteile gewinnen werde, hieß es. Zudem sei das Papier verglichen mit anderen Luxusgüter-Konzernen deutlich unterbewertet.

          Der Euro bewegte sich insgesamt nur wenig und hielt damit die kräftigen Kursgewinne vom Wochenauftakt. Im späten New Yorker Handel kostete die Gemeinschaftswährung 1,1253 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,1244 (Montag: 1,1185) Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8894 (0,8941) Euro gekostet. Richtungweisende zehnjährige amerikanische Staatsanleihen verloren 15/32 Punkte auf 102 8/32 Punkte. Sie rentierten mit 2,123 Prozent.

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