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Fondsmanager im Gespräch : „Wir kaufen die führenden Unternehmen von morgen“

In Japan hat ein Kulturwandel stattgefunden, sagt der Fondsmanager Archie Ciganer. Bild: AFP

Geht es um Japan und die Geldanlage, stellt sich bei vielen Anlegern auch heute noch so etwas wie Achselzucken ein. Das Land ist aber ganz anders geworden, sagt ein Fondsmanager aus Tokio.

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          14 Jahre lang, von 1989 bis 2003, war der Aktienindex Nikkei gesunken. Aktuell notiert er bei nur wenig mehr als der Hälfte seines historischen Höchstwertes. Dabei hat sich viel verändert: Ausgehend von seinem 39-Jahres-Tief im März 2009 stieg der Nikkei-Index bis Oktober 2018 auf das Dreieinhalbfache und damit auf ein 27-Jahres-Hoch. Dieser schnelle Anstieg um durchschnittlich 14 Prozent im Jahr lässt wiederum Befürchtungen aufkommen, nun sei es schon wieder übertrieben – wie Ende der achtziger Jahre. Wie man es macht, so ist es verkehrt.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Archie Ciganer ist Portfoliomanager des Fonds für japanische Aktien in der amerikanischen Fondsgesellschaft T. Rowe Price. Er sitzt in Tokio, spricht fließend Japanisch und ist dem nahe, was in dem Land geschieht. Für ihn hat Japan nicht mehr viel mit dem Japan von 1989 zu tun, auch nicht mit dem Deflations-Japan der darauffolgenden Jahre. „2003 war effektiv die Talsohle erreicht. Die Ära nach der Spekulationsblase war zu Ende, und strukturelle Faktoren gewannen an Bedeutung.“ Damals habe die Eigenkapitalrendite der Unternehmen ihr Tief erreicht, weil die Unternehmen zu viele andere Ziele verfolgt hätten als die Maximierung ihrer Profitabilität. Seit 2011 habe Japan deutlich aufgeholt – auch weil die Rentabilität in anderen Teilen der Welt bis 2016 gesunken sei. Mittlerweile könnte man zumindest mit Europa in dieser Hinsicht mithalten.

          „Wenn man die Aktienerträge für Japan genauer untersucht, stellt man fest, dass die Erhöhung der Gewinnprognosen die hauptsächliche Ursache ist. Ganz im Gegensatz zu Europa, wo es vor allem die Dividenden sind“, sagt Ciganer. Seit vier Jahren sei Deflation kein Thema mehr, die Wachstumslücke zu anderen Industrieländern habe sich verringert, das nominale Bruttoinlandsprodukt erstmals seit mehr als 20 Jahren einen neuen Höchststand erreicht.

          „Wir kaufen die führenden Unternehmen von morgen“

          In Japan habe ein Kulturwandel stattgefunden, meint Ciganer. Dafür seien nicht zuletzt die „Abenomics“ verantwortlich, benannt nach dem Ministerpräsidenten Shinzo Abe. Aktionären – auch aus dem Ausland – sei es wegen geänderter Richtlinien nun möglich, spürbaren Einfluss auf Managemententscheidungen zu nehmen. „Zwar haben Ausländer aufgrund der mangelnden Attraktivität des Marktes sich lange zurückgehalten. Doch die demographische Entwicklung in Japan hat dazu geführt, dass der Aktienbesitz von japanischen Pensionskassen und Privatanlegern deutlich geringer geworden ist“, sagt Ciganer.

          Mehr als 30 Prozent der Anteile sind in ausländischer Hand. „Auch die Bank of Japan wird nicht weiter Aktien kaufen. Sie hält 3 Prozent des Marktes, aber es gibt nicht mehr genug Liquidität für eine Notenbank. Ich gehe davon aus, dass diese Anteile sukzessive von den Unternehmen aufgekauft werden, und zwar aus den Gewinnen, die sie jetzt erwirtschaften.“

          Wer auf die größten Positionen in Ciganers Fonds blickt, könnte verwundert sein. Namen wie Miura, Solasto und Chugai klingen wenig vertraut. „Wir kaufen die führenden Unternehmen von morgen und nicht von gestern und legen mehr Gewicht auf Geschäft in Schwellenländern und nicht auf Europa und Japan“, sagt er. Als Gesamtmarkt sei aber China am wichtigsten. „Das ist das Land, dem ich die meiste Aufmerksamkeit widme. China ist sehr wichtig, sowohl für den japanischen Export, aber auch für den Binnenmarkt über den Tourismus.“

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