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Kryptowährungen & Co. : Revolution des Wertpapiergeschäfts

Bitcoin & Co. werden vielleicht nicht zur Währung des 21. Jahrhunderts. Abe4r die Technik könnte das Wertpapiergeschäft revolutionieren. Bild: Reuters

Um Kryptowährungen und die Emission von Tokens ist es stiller geworden. Doch die Verknüpfung mit Aktien verheißt ein Comeback - Hand in Hand mit einem kompletten Wandel der technischen Grundlagen des Wertpapiergeschäfts.

          ICOs, bei denen sogenannte Tokens emittiert wurden, war in Verbindung mit neuen Kryptowährungen 2017 und auch noch 2018 für Anleger und junge Unternehmen ein heißes Thema. Mit dem Verfall der Preise der Kryptowährungen ist es inzwischen darum sehr viel ruhiger geworden.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Sache sei einfach zu rasch zu groß geworden, meint Andreas Müller, Fachmann für die Finanzierung von Start-ups in der Unternehmensberatung Capco. Eigentlich sei die Idee eng verknüpft gewesen mit dem Crowdfunding: Ein Schwarm von Anlegern ermöglicht es Gründern, ihre Ideen umzusetzen und kleinen Unternehmen zu wachsen, ohne dass sie die Ochsentour durch die Kreditabteilungen von Banken antreten oder vor Finanzinvestoren zu Kreuze kriechen müssen. Dabei ist das ICO der einfache Weg.

          Nur wenige wollten Kryptowährungen oder Tokens auch nutzen

          Die Tokens waren dafür gedacht, dass die Käufer damit später einmal Dienstleistungen des Unternehmens damit bezahlen würden. Doch genau das war aus Sicht von Müller das Hauptproblem. „Die meisten Anleger waren aus spekulativen Gründen dabei. Nur wenige wollten die Tokens nutzen und damit die Plattformen, die damit aufgebaut wurden.“ Am Ende musste so manches Start-up den Betrieb einstellen, und die Token-Preise verfielen. Deutlicher sagt es Robert Michels, der in der Anwaltskanzlei Dentons die Abteilung für globale und europäische Kapitalmarktpraxis leitet: „Das waren Wetten, nichts weiter.“

          Auch der Umgang vieler Start-ups mit den ICOs untergrub den Erfolg. „Die Emission eines Tokens war ein einfacher Weg für Start-ups, sich Geld zu beschaffen. Da schien es nicht immer nötig, die Dinge zu Ende zu denken“, sagt Müller, dessen Kunden als Start-ups einfache und günstige Finanzierungslösungen bevorzugen. Dass am Ende die Regulatoren eingeschritten seien, sei berechtigt gewesen.

          Grundsätzlich sieht Müller in der sogenannten Blockchain-Technik, auf der auch die ICOs beruhten, viel Potential. „Die Blockchain ist eine logische Fortsetzung von Entwicklungen, die nach dem Zweiten Weltkrieg begonnen haben. Von den Transistoren ging es zur Miniaturisierung über die Nutzung des Internets bis zur Digitalisierung. Die Blockchain verhindert das digitale Klonen und erfüllt damit eine Anforderung, weil sie einen buchführenden Intermediär überflüssig macht.“

          Vom digitalen Gutschein zum digitalen Anteilsschein

          Hoffnung setzt er nun auf eine Weiterentwicklung der Tokens als „Security Tokens“ (ST), ein Amalgam von digitalem Vermögenswert und klassischem Wertpapier. Dies macht sie werthaltiger als die bisherigen „Utility Tokens“. Diese stehen eher für die Hoffnung, dass eines Tages damit etwas anzufangen sei, indem sie zukünftigen Zugriff auf das Produkt oder den Service eines Unternehmens repräsentierten.

          Utility Tokens muss man auch von Kryptowährungen wie Bitcoin unterscheiden. Ein Utility Token ist so etwas wie eine reine Binnenwährung, die zum Erwerb spezifischer Dienstleistungen gedacht ist. Eine Kryptowährung dagegen hat einen universellen Anspruch. Dabei ist der Unterschied praktisch insofern eher marginal, weil die Akzeptanz von Kryptowährungen in der Praxis sehr begrenzt ist. Technisch hat eine Kryptowährung eine eigene Blockchain und kann als Basis für Tokens genutzt werden.

          Worin sie sich wesentlich unterscheiden, ist der Herstellungsprozess. Während Tokens einfach gekauft und emittiert werden können, werden Kryptowährungen im Zuge des sogenannten Minings hergestellt. Die Lösung von Rechenoperationen erzeugt Einheiten (Coins) einer Kryptowährung, so dass diese nicht einfach emittiert werden können. Im Grunde simuliert die Herstellung von Coins die Prägung von Münzen, während Tokens Buchgeld sind, das einfach geschaffen wird. Es kann daher nicht verwundern, wenn etwa die Wirtschaftsprüfer des Start-Ups Staramba die vom Unternehmen ausgegeben Tokens daher auch als Gutscheine betrachteten und die Erlöse aus deren Verkauf nicht als Umsatz.

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