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Tiefster Stand seit 2020 : Der Bitcoin-Kurs fällt und fällt

Die Marktkapitalisierung von Digitalwährungen schmilzt aktuell dahin. Bild: Reuters

Der Kryptomarkt taumelt: Grund ist auch ein amerikanisches Unternehmen, das in Deutschland beworben wurde. Betroffen sind zahlreiche Digitalwährungen.

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          Die Kursverluste am Markt für Digitalwährungen weiten sich aus. Am Montag notierte ein Bitcoin nur noch auf knapp über 23.000 Dollar. So niedrig notierte die älteste und damit auch bekannteste digitale Devise zuletzt im November 2020. Damit sind alle Kursgewinne der letzten anderthalb Jahre weg. Zur Erinnerung: Im November 2021 kostete ein Bitcoin mehr als 66.000 Dollar. Allein in den vergangenen sieben Tagen gab der Kurs um 20 Prozent nach.

          Franz Nestler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die zweitgrößte Digitalwährung Ethereum hat innerhalb einer Woche rund 36 Prozent verloren und notiert damit noch auf rund 1200 Dollar. Noch im November 2021, als der gesamte Kryptomarkt haussierte, kostete Ethereum mit 4800 Dollar das Vierfache.

          Das macht sich natürlich auch auf dem gesamten Kryptomarkt bemerkbar: Die Marktkapitalisierung aller Digitalwährungen beträgt nun – ebenfalls erstmals seit November 2021 – weniger als 1000 Milliarden Dollar. Damals waren es fast 3000 Milliarden Dollar. Im Zuge dieser Entwicklung ist auch die Dominanz von Bitcoin in den vergangenen Wochen gestiegen – von rund 40 auf 47 Prozent. Dieses Muster ließ sich schon des Öfteren beobachten: Wenn der Markt in Bewegung ist, wenden sich die verbliebenen Anleger dann der größten Währung zu. Daraus resultieren dann höhere Kursverluste für die Alternativwährungen.

          Celsius Network stellt Auszahlungen ein

          Der aktuelle Kurssturz hängt vor allem mit dem Unternehmen Celsius Network zusammen. Es hat mitgeteilt, die Abhebungen und Überweisungen zwischen Konten vorerst ruhen zu lassen. In einem Blogbeitrag erklärt sich das Unternehmen: „Wir ergreifen diese notwendige Maßnahme, um die Liquidität und den Betrieb zu stabilisieren, während wir Schritte unternehmen, um Vermögenswerte zu erhalten und zu schützen.“ Das schürt Sorgen vor einer Insolvenz des Unternehmens. Denn das Celsius Network verleiht Kryptowährungen, vergibt mit Kryptowährungen besicherte Kredite und bietet Sparprodukte für Kunden an. Zuletzt wurden rund 12 Milliarden Dollar verwaltet. So weit, so gut. Doch auf der Internetseite werden auch Renditen von bis zu 17 Prozent versprochen. Wie und ob überhaupt diese in dem aktuellen Marktumfeld erreicht werden können, ist höchst zweifelhaft. In Deutschland hat die Nuri-Bank Kunden direkt zum Celsius Network weitergeleitet, technischer Dienstleister von Nuri ist die Solarisbank.

          Als Grund für den längerfristigen negativen Trend auf dem Kryptomarkt werden auch immer wieder Zinssorgen genannt. Doch gleichzeitig ist es zweifelhaft, dass solche herkömmlichen Finanzdaten tatsächlich eine Auswirkung auf Digitalwährungen haben. Wer auf Bit­coin oder andere Kryptodevisen setzt, der wird mutmaßlich nicht die Kurse mit Aktien oder Anleihen vergleichen oder sich aus dem Markt zurückziehen – Digitalwährungen sind so riskant, dass man das eigentlich immer eingepreist haben müsste.

          Hohe Zinsen lassen die Märkte zittern

          Konkret heben Notenbanken im Moment auf der ganzen Welt die Leitzinsen an. Es besteht die Sorge, dass die amerikanische Fed angesichts der weiterhin hohen Inflation die Zinsen noch stärker anziehen könnte als bislang gedacht. Auch die Europäische Zentralbank vollzieht den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik. Hohe Zinsen verteuern Kredite und machen Anleihen attraktiver auf Kosten von Aktien – und das merkt man an den Märkten im Moment.

          Der deutsche Aktienindex Dax verlor am Montag 2 Prozent auf weniger als 13.500 Punkte. Damit gab der deutsche Leitindex seit Jahresanfang 16 Prozent ab. Auch in den Vereinigten Staaten befinden sich die großen Indizes seit Monaten auf Talfahrt: Der Dow Jones hat ebenfalls rund 15 Prozent an Wert verloren. Noch härter traf es nur die Technologiewerte: Der Nasdaq 100 hat seit Jahresanfang rund 30 Prozent verloren. Im Gegenzug steigen die Anleiherenditen: Bis zum Mittag stieg die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen bis auf 1,58 Prozent. Das ist der höchste Stand seit Mitte 2014. Zweijährige Bundeswertpapiere rentierten erstmals seit 2011 mit mehr als einem Prozent. Auch der Eurokurs fiel, ein Euro notierte auf 1,0472 Dollar und damit auf einem Monatstief. Die Stärke des Dollars beruht dabei insbesondere auf seinem Status als „sicherer Hafen“ – hier sehen Anleger auf der ganzen Welt offenbar eine Möglichkeit, sich gegen eine mögliche Stagflation zu wehren.

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