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Geldanlage in Aktien : Krones-Aktionäre werden auf Diät gesetzt

Die Getränkeabfüllmaschinen- Produktion bei Krones Bild: Krones AG

Der Hersteller von Verpackungs- und Abfüllmaschinen hat über Jahre guter Geschäfte Fett angesetzt und laboriert an ineffizienten Kostenstrukturen. Die Krones-Aktie leidet unter massiven Kursrückschlägen.

          Der Schock sitzt tief. Die Aktie von Krones hat sich vom Kursrückschlag von 20 Prozent in der vergangenen Woche nicht erholt. Wie Blei liegt sie auf dem abgestürzten Niveau um 55 Euro. Die Hiobsbotschaft mit einem erwarteten halbierten Ergebnis im Gesamtjahr 2019 bleibt unverdaut. Dabei sollten die Anleger Routine mit den mehrfachen Warnungen vor verschlechterten Geschäften des Maschinen- und Anlagenbauers entwickelt haben.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Krones, der Hersteller von Verpackungs- und Abfüllmaschinen aus Neutraubling, hat über Jahre guter Geschäfte Fett angesetzt und laboriert an ineffizienten Kostenstrukturen, die sich eingeschlichen haben. Doch vor der Rosskur im Unternehmen steht zunächst die Diät. Auf die werden die Aktionäre gesetzt.

          Im Juni 2018, also vor etwas mehr als einem Jahr, kostete die Aktie mit 121 Euro so viel wie nie zuvor. Heute hat sich der Kurs mehr als halbiert. Damit nicht genug: Gab es für 2018 noch eine üppige Dividende von 1,70 Euro, werden die Anteilseigner, darunter auch die Familie Kronseder, mit 51,61 Prozent Mehrheitsaktionär, den Gürtel für 2019 enger schnallen müssen.

          Wenig amüsiert sind Investoren und Analysten. Die zeigten sich „geschockt“ ob der „heftig ausgefallenen schlechten Nachrichten“. Man hoffte, das Schlimmste hinter sich zu haben. Dabei scheint es gerade erst losgegangen zu sein. Umso erstaunlicher sind das Wohlwollen, das sie Krones nach wie vor entgegenbringen, und ihr Optimismus. „Das ändert nichts an der Attraktivität des Endkundenmarktes für Krones und dessen Geschäftsmodell im Allgemeinen“, sagt Peter Rothenacher von der Baader Bank. Die Gewinne dürften sich im Jahr 2020 wieder erholen. Er rät unverändert zum „Kaufen“, auch wenn er das Kursziel von 85 auf 70 Euro gesenkt hat.

          Investoren und Analysten sind „geschockt“

          Eggert Kuls von Warburg Research hat das Kursziel noch radikaler von 102 auf nur noch 69 Euro zurückgenommen; doch hält er an der Kaufempfehlung fest. Kuls ist überzeugt, dass die Aktie ein langfristiger Wachstumswert ist. Die Schwere der Prognosekorrektur macht Alexander Hauenstein von der DZ Bank nicht so gnädig. Er hat die Empfehlung auf „Halten“ herabgestuft, das Kursziel von 92 auf 58 Euro.

          Die Umsatzrendite bezogen auf das Ergebnis vor Steuern soll laut Krones in diesem Jahr nämlich nur noch 3 Prozent statt 6 Prozent erreichen. Zur Präsentation der Zahlen für das erste Quartal Ende April rechnete Krones noch mit einem leichten Anstieg von 5,3 auf 6 Prozent. In absoluten Zahlen bedeutet das, dass der Vorsteuergewinn um etwa 43 Prozent auf rund 115 Millionen Euro fallen und der Jahresüberschuss nur noch einen zweistelligen Millionenbetrag nach zuvor 151 Millionen Euro erreichen wird. Das wird zwangsläufig Folgen für die Ausschüttung haben.

          KRONES

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          Das zweite Quartal muss enttäuschend verlaufen sein. Die Hoffnungen auf eine Aufholjagd im zweiten Halbjahr sind geschwunden. Im Kampf gegen hohe Materialkosten stellt Krones auf günstigere Beschaffungen im Ausland um. Das aber erfordert Anpassungen in der Produktion, die zunächst belasten. Der Produktmix hat sich ungünstig entwickelt. Es wurden im zweiten Quartal unerwartet weniger Maschinen mit hoher eigener Wertschöpfung verkauft; etwa Anlagen für das Abfüllen und Verpacken von Getränken in den umstrittenen PET-Flaschen. Das Service- und Ersatzteilgeschäft lief wegen der Vorsicht der Kunden schlechter als geplant.

          Probleme schwer in den Griff zu bekommen

          „Das Jahr bleibt anspruchsvoll“, sagte Vorstandsvorsitzender Christoph Klenk dieser Zeitung (F.A.Z. vom 11. Juli). „Soweit dies heute möglich ist, haben wir versucht, in der aktuellen Prognose den weiteren Verlauf des Jahres einzuschätzen.“ Schwingt da Skepsis mit?

          Schwer sind die Probleme in den Griff zu bekommen. Schlechte Kostenstrukturen machen sich in Zeiten bemerkbar, in denen die Geschäfte schwächeln, sich die Kunden wie Brauereien oder Getränkehersteller wegen der konjunkturellen Unsicherheiten oder wegen der Diskussion um den Einsatz von Plastikbehältern mit Aufträgen zurückhalten. Auf derlei Schwierigkeiten stoßen genauso die großen Konkurrenten wie die zum Salzgitter-Konzern gehörende KHS und Sidel aus der Schweiz.

          Für Krones kommen die hausgemachten Probleme immer deutlicher zum Vorschein. Sie treiben Vorstandschef Klenk in die Enge und zwingen zum Handeln, das weit über taktische Sparmaßnahmen in der Beschaffung oder einen Einstellungsstopp hinausgehen muss. Klenk arbeitet an einem strategischen Konzept, um nicht noch mehr Vertrauen an der Börse zu verspielen. Es werde an weiteren strukturellen Veränderungen gearbeitet, um die Ertragskraft nachhaltig zu stärken, heißt es.

          Finanzchef muss gehen

          Die Bestandsaufnahme mit einem stärkeren Fokus auf Kunden, einer schnelleren Reaktion auf Marktveränderungen sowie der notwendigen Verringerung der Komplexität deutet auf Versäumnisse in den zurückliegenden Jahren hin – auch vor der Zeit von Klenk. Er fing Anfang 2016 als neuer Vorstandschef an, als Nachfolger des heutigen Ausfsichtsratsvorsitzenden Volker Kronseder und als erster familienfremder Chef überhaupt im Konzern. Das erhöht zusätzlich den Druck, ist doch der Rückhalt ein anderer; unter den Mitarbeitern eines so familiengeprägten Unternehmens wie auch in der Familie.

          Ob mit der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen am 25. Juli neue Erkenntnisse reifen, bleibt unklar. Die Börse jedenfalls erwartet das. Trotz der ungesunden Gemengelage hält Krones erstaunlicherweise an der Umsatzprognose mit einem Zuwachs von 3 Prozent auf etwa 3,85 Milliarden Euro fest. Dabei wächst die Furcht, dass auch sie wackeln könnte – womit sich die Spirale im Ergebnis weiter nach unten drehen könnte.

          Am Mittwoch gab der Konzern bekannt, dass der Finanzchef Michael Andersen den Vorstand nach dreieinhalb Jahren im Amt mit sofortiger Wirkung verlassen wird. Bis ein Nachfolger für Andersen gefunden ist, übernimmt Vorstandschef Christoph Klenk das Finanzressort.

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