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Keine Förderausweitung : Kräftemessen zwischen Trump und Opec treibt Ölpreis

Ölförderung in North Dakota Bild: AFP

Die Opec und Russland beugen sich nicht den Forderungen Donald Trumps durch eine höhere Produktion den Ölpreis zu drücken. Die Folgen sind an der Tankstelle zu spüren.

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          Der Ölpreis ist auf den höchsten Stand seit vier Jahren gestiegen. Am Dienstagmorgen  kostet ein Barrel (Fass zu 159 Litern) der Nordseesorte Brent 81,42 Dollar, so viel wie zuletzt im November 2014. Gegenüber dem Freitag ist das ein Anstieg um rund 3 Prozent. Auch die amerikanische Sorte West Texas Intermediate, kurz WTI, verteuerte sich deutlich, auf zuletzt 72,23 Dollar.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hintergrund ist, dass sich die Ölförderländer Amerikas Präsidenten Donald Trump am Wochenende nicht beugten. Die Vertreter der Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) beschlossen gemeinsam mit einigen Nicht-Opec-Staaten wie Russland, ihre Ölfördermengen nicht zusätzlich auszuweiten, um den Preis zu senken. In einer gemeinsamen Erklärung nach dem Treffen in der algerischen Hauptstadt Algier war von einem „insgesamt gesunden Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage“ die Rede.

          „Wir werden uns erinnern“

          Amerikas Präsident Trump hatte in der vergangenen Woche noch einmal nachdrücklich niedrigere Preise gefordert – und dabei die militärische Unterstützung Amerikas für manche der Ölländer als Argument ins Spiel gebracht. „Wir schützen die Länder des Nahen Ostens, sie wären ohne uns nicht lange sicher, und dennoch setzen sie sich immer weiter für höhere Ölpreise ein“, hatte Trump getwittert und hinzugefügt: „Wir werden uns erinnern.“ Zugleich forderte er die Opec auf, für niedrigere Ölpreise zu sorgen.

          Es geht um viel: Von November an will Amerika die Sanktionen gegen Iran verschärfen, dann soll es insbesondere die Ölbranche treffen. Die Frage ist nun, ob die anderen Ländern entsprechend mehr Öl fördern, um die wegfallenden Exporte aus Iran auszugleichen. Oder ob Boykott-Brecher wie China Iran doch so viel Öl abnehmen, dass die Folgen zumindest deutlich abgemildert werden.

          Diesel und Benzin so teuer wie lange nicht mehr

          An den Tankstellen in Amerika, aber auch in Deutschland ist die ganze Diskussion um die Iran-Sanktionen schon länger zu spüren. Dort sind Diesel und Benzin teuer wie lange nicht mehr. Zuletzt kostete hierzulande ein Liter Diesel im Durchschnitt fast 1,33 Euro, ein Liter Super E10 knapp 1,50 Euro. „Nachdem sich die Kraftstoffpreise Mitte bis Ende vergangener Woche bei durchschnittlich rund 1,496 Euro je Liter Super E10 beziehungsweise rund 1,331 Euro je Liter Diesel eingepegelt hatten, geht der Trend seit dem Wochenende wieder leicht aufwärts“, sagte Steffen Bock, Geschäftsführer der Internetvergleichsplattform Clever Tanken: „Es ist davon auszugehen, dass sich der steigende Ölpreis in den kommenden Tagen weiterhin deutlich an den Zapfsäulen bemerkbar machen wird.“

          Ein Schock in Amerika wäre ein Benzinpreis von mehr als drei Dollar je Gallone (knapp vier Liter). Momentan müssen die Amerikaner dafür im Schnitt 2,88 Dollar zahlen, wie die täglich veröffentlichten Daten der amerikanischen Automobilvereinigung AAA zeigen – damit ist das Tanken deutlich teurer als noch vor einem Jahr.

          Ausgerechnet Anfang November, wenn die Iran-Öl-Sanktionen greifen sollen, stehen in Amerika die Midterm-Wahlen an. Dabei wird ein Teil des Repräsentantenhauses und des Senats neu gewählt. Diese Wahlen gelten auch als Stimmungsbarometer für Präsident Trump, deshalb will er potentielle Wähler wohl nicht durch hohe Benzinpreise verschrecken. 80 Dollar für Rohöl gelten bei manchen Ölfachleuten anekdotisch als „Trump-Grenze“. Sein jüngster Tweet jedenfalls wurde in diesem Sinne als Reaktion darauf gedeutet, dass sich der Ölpreis dieser Grenze näherte, die er bis dahin dieses Jahr nur im Mai und Mitte dieses Monats mal ganz kurz im Tagesverlauf überschritten und zuletzt mehrfach geschrammt hatte.

          Die Vereinigten Staaten selbst haben derzeit nur begrenzten Einfluss auf den Ölpreis. Die Fracking-Branche, die sonst gern niedrigere Fördermengen der Opec durch eine höhere eigene Förderung ausgleicht, stößt offenbar gerade an Grenzen. Rund 1,3 Millionen Fass je Tag mehr als im Vorjahr fördert Amerikas Ölindustrie im Augenblick. Das sei ein „beispiellos hohes Wachstum“, sagt Jan Edelmann, Ölanalyst der HSH Nordbank.

          Es gebe aber drei Gründe, warum die Fracker nicht noch mehr förderten: Die Pipelines in Amerika stießen an Kapazitätsgrenzen. Außerdem sorgten die gestiegenen Zinsen in den Vereinigten Staaten dafür, dass Investoren von den Ölunternehmen eine höhere Rendite sehen wollten. Das verhindere unbegrenztes Mengenwachstum auf Kosten des Ertrags. Zumal viele Dienstleister rund um die Ölförderung die gute Konjunktur für Preiserhöhungen genutzt hätten.

          Nicht zuletzt orientierten sich die Fracking-Unternehmen, anders als die Ölkonzerne der Golfregion, stärker am Terminmarkt als am Spotmarkt. Das hänge damit zusammen, dass die Fracker ihre Erträge aus dem Öl durch „Hedging“ glätteten. Für sie ist also wichtiger, wie teuer Öllieferungen in einigen Monaten sind als derzeit. Und im Moment hat die Terminkurve des Öls eine solche Gestalt, dass kurzfristige Lieferungen einen höheren Preis haben als spätere. Ölfachleute sprechen von „Backwardation“. Das soll eher den Golfstaaten helfen und das Wachstum der Förderung in Amerika etwas bremsen.

          Mehrere große Ölhändler gaben nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg zu Protokoll, sie könnten sich jetzt auch Ölpreise von 100 Dollar vorstellen. „Der Markt hat keine angebotsseitige Antwort auf einen möglichen Rückgang um zwei Millionen Fass je Tag im vierten Quartal“, sagte Daniel Jeaggi von Mercuria auf der „Asia Pacific Petroleum Conference“, kurz Appec. „Aus meiner Sicht ist es deshalb denkbar, dass wir Preise oberhalb von 100 Dollar sehen werden.“

          Auch Ölanalyst Edelmann meinte: „Das vierte Quartal wird turbulent.“ Seiner Ansicht nach könnte sich der Ölpreis durchaus mal ein bis zwei Wochen den 100 Dollar nähern, das sei aber nicht dauerhaft das künftige Niveau. Die Schweizer Bank UBS beließ derweil ihre Prognose für die nächsten drei und zwölf Monate bei 85 Dollar.

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