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Konzerne teilen sich auf : Aus eins mach zwei

In der Regel zahlen sich Abspaltungen für Anleger aus

Fazit: Metro bleibt ein Sonderfall. In Deutschland fallen einem nur wenige Beispiele ein, bei denen eine Abspaltung Anleger auf längere Sicht nicht erfreut hat. Neben Metro ist dies am ehesten noch die einstige Siemens-Tochter Infineon, die im Jahr 2000 aus dem Konzern ausgegliedert wurde. Die anekdotische Evidenz wird von einer Studie bestätigt, die Finanzprofessor Michael Grote von der Frankfurt School of Finance and Management vor einiger Zeit angefertigt hat.

Er hat untersucht, wie sich der Kurs von Aktiengesellschaften in dem Moment entwickelt, in dem sie eine Abspaltung ankündigen. Das Ergebnis ist aufschlussreich: Die Kurse der untersuchten Konzerne entwickelten sich zum jeweiligen Zeitpunkt im Durchschnitt um etwa drei Prozent besser als der Aktienmarkt als Ganzes.

Natürlich ist das eine kurzfristige Betrachtung. Aber noch etwas spricht dafür, dass es sich beim derzeitigen Trend um mehr als eine bloße Börsenmode handelt. Institutionelle Investoren wie Fondsgesellschaften sind im Zweifel eher für eine Aufspaltung als dagegen. Dies geschieht nicht aus einer Laune heraus, sondern hat einen strukturellen Grund, den man nicht unterschätzen darf: Professionelle Anleger sehen es als ihre ureigenste Aufgabe an, das Geld ihrer Kunden so breit wie möglich zu diversifizieren, also auf unterschiedlichste Aktien zu verteilen.

Ein waschechtes Konglomerat, das in unterschiedlichsten Branchen und Regionen tätig ist, wird da zu einem unliebsamen Wettbewerber. Schließlich könnte man dann auch einfach die Aktien mehrerer Konglomerate kaufen, anstatt einer Fondsgesellschaft Geld für das Verwalten des eigenen Geldes zu zahlen.

Noch stärker ist aber ein anderes Argument für Abspaltungen. Große Unternehmen sind schwer zu führen, sie stehen immer kurz davor, zu groß zu werden. „Selbst den besten Managern gelingt es dann mitunter nicht, den Überblick zu behalten“, sagt Henning Gebhardt, Chefanleger der Privatbank Berenberg. Dadurch ergibt sich in Unternehmen dieser Größe ein Dilemma, dem sie nicht entkommen können: Wenn das Management die zu investierenden Summen einfach gleichmäßig auf viele verschiedene Geschäftsbereiche aufteilt, hilft das am Ende nirgendwo wirklich weiter. Wenn es aber die Investitionen auf einen einzelnen Bereich konzentriert, verkümmern die übrigen Bereiche.

Nur in einem Fall raten selbst die geschäftstüchtigen Investmentbanker Unternehmen von Abspaltungen ab – dann, wenn diese Abspaltungen an der Börse nur auf eine geringe Marktkapitalisierung kommen würden. In so einer Lage kann man nämlich nicht mit der Aufmerksamkeit der Investoren rechnen, weil die Abspaltung einfach zu klein ist. Gleichzeitig muss man aber all den Kosten und Veröffentlichungspflichten gerecht werden, die ein Börsengang eben so mit sich bringt. Das wäre, um mit Sergio Marchionne zu sprechen, dann erst recht eine Form von unnötiger und selbstverursachter Komplexität.

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