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Archegos-Konsequenzen : Mehr Druck auf Hedgefonds

  • Aktualisiert am

Sinnfällige Hausnummer: Hier residiert(e) Archegos Capital. Bild: Reuters

Nach dem Kollaps des Hedgefonds Archegos verschärfen die Broker die Bedingungen für die Branche. Vor allem kleine Fonds trifft dies hart.

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          Nach dem Ruin des Hedgefonds Archegos Capital werden an der Wall Street offenbar Konsequenzen gezogen. Das als Family Office auftretende Unternehmen hatte sich mit sogenannten CfDs verspekuliert. Das sind Derivate, mit denen auf Kursänderungen gewettet wird. Damit lässt sich schneller und billiger handeln, weil die Basiswerte wie Aktien nicht gekauft und nur Anzahlungen geleistet werden müssen. Dafür aber müssen Sicherheiten hinterlegt werden, für den Fall, dass sich die Kurse in die falsche Richtung bewegen und auf die die finanzierenden Banken im Ernstfall zugreifen können. Einige finanzierende Banken, vor allem die Credit Suisse und die japanische Nomura hatten mit diesen Geschäften aber dennoch hohe Verluste erlitten.

          Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, nun würden noch gründlichere Prüfungen und striktere Regeln bei Geschäften dieser Art mit Hedgefonds erwogen. Manager kleinerer Hedgefonds hätten schon geäußert, dass es schwieriger geworden sei, Finanzierungen für CfD- und ähnliche Spekulationen zu erhalten.

          Nach dem Bericht von Bloomberg zeichnet sich eine Linie ab: Kunden werden ihre größten Transaktionen offenlegen und strengere Obergrenzen bei der Beleihung dieser Positionen akzeptieren müssen. Sicherheiten werden häufiger angepasst, das heißt wohl nachgefordert und strenger überprüft werden.

          Warnsignale nicht beachtet

          Die Credit Suisse wolle ihr Geschäft mit Hedgefonds um etwa ein Drittel verringern, schriebt Bloomberg und beruft sich auf Kenner der Materie, nach deren Angaben etwa der Hedgefonds Two Sigma gebeten worden sei, sein Engagement an bestimmten Stellen zu reduzieren und sich für einige Milliarden Dollar eine andere Bank zu suchen. Der Hedgefonds Marshall Wace habe schon teilweise von den Schweizern  zu US-Banken gewechselt.

          Ebenfalls bekannt geworden sei, dass im Fall Archegos zahlreiche Warnsignale nicht von allen beachtet worden seien, etwa die drastischen Schwankungen des Portfoliowerts oder dass die von Archegos bevorzugten Swap-Geschäfte, bei denen Zahlungsströme getauscht werden – etwa Zinseinnahmen gegen Kursgewinne – den hohen Konzentrationsgrad des Portfolios verschleierten. Auch seien Archegos‘ Wirtschaftsprüfer unerfahren gewesen. Zuletzt habe der anfängliche Erfolg einige Geldgeber verlockt, andere dagegen alarmiert.

          Archegos habe die Branche mit seinen undurchsichtigen Swaps vorgeführt, zitiert Bloomberg aus einem Investoren-Rundschrieben von Marshall-Wace-Mitbegründer Paul Marshall. Die Prime Broker hätten den Preis für hohe Risiken bezahlt, weil sie nicht genug Fragen gestellt hätten.

          Nun würden anderen Kunden auf ähnliche Muster untersucht, einigen stünden wohl Anpassungen bevor, berichtet Bloomberg. Das dürfte wohl besonders kleine  Fonds unter Druck bringen, die ihre finanzierenden Broker nicht diversifizieren können.

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