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Angst vor plötzlichen Zöllen : Harter Brexit ist nur gut für Touristen

  • -Aktualisiert am

Sie wollten schon lange mal einen Urlaub nach Cornwall planen? Jetzt könnte ein günstiger Zeitpunkt hierfür sein. Bild: Picture-Alliance

Der drohende ungeordnete Austritt Großbritanniens aus der EU macht die Finanzmärkte nervös. Profitieren würden nur europäische Urlauber auf der Insel.

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          Die Wirtschaft läuft gerade ziemlich gut in Großbritannien. Viele Konjunkturdaten sind positiv, die Verbraucher sind in Konsumlaune, und die Währungshüter der Bank of England schätzen die Wachstumsdynamik stärker ein als noch vor einiger Zeit. Eine derart robuste Konjunktur auf der Insel spräche dafür, dass das britische Pfund steigt. Doch das Gegenteil ist der Fall: Das Pfund stürzt ab, am Freitag zuletzt um 1,5 Prozent.

          Der Kursverfall zeigt, dass die Stärke oder Schwäche des Pfundes kein Gradmesser dafür ist, wie die britische Wirtschaft läuft. Sondern der Devisenkurs ist die Fieberkurve der mal mehr, mal weniger hitzigen Brexit-Verhandlungen. Stehen die Zeichen zwischen Großbritannien und der Europäischen Union kurzzeitig auf Entspannung wie vor einigen Wochen, wird das Pfund ein wenig stärker. Spitzt sich die Konfrontation zu wie rund um das informelle EU-Treffen am Donnerstag in Salzburg, verliert die Währung schlagartig an Wert.

          Der jüngste Absturz, der auf die kompromisslose Fernsehansprache der britischen Premierministerin Theresa May folgte, ist ein bitterer Vorgeschmack darauf, was noch kommen könnte. Anleger verabscheuen Unsicherheit und werden sich zunehmend von der Insel verabschieden. Sie befürchten, dass sich EU und Großbritannien nicht auf einen Austrittsvertrag einigen. Ein solcher „No-Deal-Brexit“ würde Großbritannien für Resteuropa zu einem Drittland machen.

          Günstige Reise auf die Insel

          Sollte der Austritt Ende März ungeregelt erfolgen, wäre die vereinbarte Übergangsphase bis 2020 hinfällig. Von einem Tag auf den anderen würden zwei Drittel des britischen Warenhandels durch Zölle verteuert. Die bisher moderate Inflation würde anziehen, die Wirtschaft einbrechen, das Pfund laut Schätzungen um bis zu einem Fünftel an Wert verlieren. Länder wie Deutschland würden weniger nach Großbritannien exportieren. Vor einem solchen Szenario warnen britische Unternehmen wie der Automobilhersteller Jaguar Land Rover. Schon jetzt drosselt er die Produktion. Ein harter Brexit könne die Zukunft des Konzerns gefährden.

          Nutznießer sind nur die Touristen. Wer jetzt eine Städtereise nach London oder einen anderen Urlaub auf der Insel antritt, kommt schon relativ günstig davon. Noch günstiger würde es in einem halben Jahr, wenn der harte Brexit kommt und das Pfund gewaltig abstürzt. Dann würde der Trip nach Großbritannien zu einer Reise in die Rezession. Aber wer will das schon?

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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