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Kommentar zu Fusionsgerüchten : Zwei schwache Banken machen keine starke

  • -Aktualisiert am

Im Spiegel betrachtet: Commerzbank und Deutsche Bank würden sich gegenseitig kaum helfen. Bild: dpa

Commerzbank und Deutsche Bank würden sich gegenseitig kaum helfen. Eigentlich wissen das auch die Anleger – das zeigt die Art des Kursausschlags in der vergangenen Woche.

          Die vergangene Woche hielt ein seltenes Ereignis für die beiden bekanntesten deutschen Banken bereit: Die Aktienkurse von Commerzbank und Deutscher Bank legten zur Wochenmitte gleichzeitig um rund sechs Prozent zu. Das ist außergewöhnlich. Üblicherweise fielen die Kurse der beiden Banken in jüngster Zeit von einem Tief zum nächsten: Allein die Deutsche Bank hat seit Jahresanfang mehr als die Hälfte ihres Börsenwertes eingebüßt, die Commerzbank gut ein Drittel.

          Der überraschende Kurssprung der vergangenen Woche geht zurück auf ein Gerücht. Eine Nachrichtenagentur hatte berichtet, dass die Bundesregierung an Regelungen arbeite, die eine Fusion der beiden Banken erleichtern sollen. Auch wenn es dafür keine offizielle Bestätigung gab und auch wenn die Banken ein solches Zusammengehen für die nähere Zukunft ausgeschlossen haben, schien den Anlegern der Gedanke zu gefallen.

          Aber handelt es sich dabei wirklich um einen so guten Einfall? Wenn zwei Banken außer Form gemeinsame Sache machen, geht es ihnen nur allein deswegen nicht unbedingt besser. Wie schlecht es um die beiden Institute steht, lässt sich schon an der ungewöhnlichen Kursreaktion nach dem Bericht ablesen. Häufig steigt im Falle von Übernahmespekulationen nur der Kurs des kleineren Unternehmens (Commerzbank), der Kurs des größeren Unternehmens (Deutsche Bank) leidet dagegen. Denn der Größere muss den Aktionären der kleineren Firma die Übernahme oft mit einer Prämie auf den Aktienkurs versüßen. Dass dies die Anleger im Fall der deutschen Banken für unnötig halten, zeigt: Die Fusion erscheint ihnen quasi als einziger Ausweg.

          Doch es ist fraglich, ob die Aktionäre nach einem Zusammenschluss wirklich wieder bessere Zeiten erwarten könnten. Unbestritten könnte eine fusionierte Bank enorme Kosten sparen und hätte zudem in Deutschland eine starke Marktstellung. Aber zugleich wäre diese neue Bank erst einmal lange nur mit sich selbst beschäftigt. Dies ist in Zeiten, in denen die Digitalisierung das Bankgeschäft rasend schnell verändert, keine so gute Idee. Auch die persönliche Ebene sollte man nicht vergessen: Für die einst so stolzen Mitarbeiter der Deutschen Bank ist es eine Demütigung, dass ihr Haus nach Ansicht der Aktionäre nur noch gemeinsam mit der Commerzbank eine echte Zukunft hat.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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