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Klimaschutzpolitik : Banken und Versicherer wenden sich von der Kohle ab

Blick auf das Thyssen-Werk im Duisburger Stadtteil Hamborn, aufgenommen am 21.3.1997 Bild: Picture-Alliance

Seit dem Jahr 2013 haben mehr als 100 Finanzkonzerne ihre Anlagen in den Brennstoff zurückgefahren. Einzelne Finanzinstitutionen gehen noch einen Schritt weiter.

          Global agierende Finanzkonzerne sind zu großen Unterstützern der internationalen Klimaschutzpolitik geworden. Während die deutsche Energiewende weiter für politische Kontroversen sorgt, ziehen Investoren von A wie Axa bis W wie Wells Fargo Milliarden aus der Kohleindustrie ab. Seit 2013 hat monatlich mindestens eine Bank oder ein Versicherer von globaler Bedeutung sein Engagement zurückgefahren, heißt es in einem Bericht des britischen Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA), der am Dienstag veröffentlicht wurde.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Seit Anfang 2018 zählt das Institut 34 neue Ankündigungen und Verschärfungen bestehender Pläne. In diesem Jahr sind Barclays, die Nedbank of South Africa, Export Development Canada, Varma aus Finnland und die Vienna Insurance Group hinzugekommen. „Aus ökologischen, Image- und finanziellen Gründen ist Kohle eine toxische Kapitalanlage für Investoren“, lässt sich Studienautor Tim Buckley, ein früherer Aktienanalyst, zitieren. Zu den mehr als 100 Finanzinstitutionen, die Geld aus der Kohleindustrie abgezogen haben, zählt er 40 Prozent aus der Gruppe der 40 größten Banken und 20 Versicherer mit globaler Bedeutung.

          In den vergangenen Monaten sei die Welle des „Divestment“ von Amerika und Europa auch nach Asien geschwappt. In Japan haben Dai-ichi Life of Japan und die Sumitomo Mitsui Trust Bank 2018 ihre Finanzierungen eingeschränkt, für indische Kraftwerke gebe es keine private Finanzierung mehr.

          „Die ursprünglichen Maßnahmen unterscheiden sich in ihrer Wirkung“, sagte Buckley. „Wir haben aber beobachtet, dass der Trend unter Finanzinstitutionen dahin geht, ihre Politiken nachzuschärfen, nachdem sie erst einmal in Kraft getreten sind.“ Die Insolvenz des Bergbauunternehmens Peabody Energy und den starken Kursrückgang von General Electric in jüngster Zeit wertet Buckley als Zeichen dafür, dass Investoren erhebliche Verluste erleiden müssten, wenn sie die Transformation der Energieversorgung nicht ausreichend ins Kalkül zögen.

          Die Weltbank war die erste

          Als erste große Finanzinstitution hat sich 2013 die Weltbank zurückgezogen. Zwei Jahre später folgten die beiden global operierenden Versicherer Axa und Allianz, im selben Jahr kürzte der norwegische Pensionsfonds seine Investitionen. Der Report verdeutlicht, dass zwei Ereignisse wichtige Treiber der Entwicklung waren: Von 2015 an hat sich der britische Notenbankchef Mark Carney dafür eingesetzt, Klimarisiken in die Überwachung des Financial Stability Board aufzunehmen, 2015 haben die meisten Staaten der Welt das Klimaabkommen von Paris unterzeichnet. „Das IEEFA hat herausgefunden, dass mit dem Moment, in dem eine Institution die Wissenschaft hinter dem Klimawandel akzeptiert und dem Pariser Abkommen beipflichtet, versteht sie schnell, dass ihre bestehenden Strategien nicht mit einem strengen Klimaszenario zusammenpassen“, heißt es im Bericht.

          Aktuell haben 105 globale Finanzinstitutionen über einen Rückzug aus der Kohle in unterschiedlich großem Umfang berichtet, davon 34 Banken und 35 Exportkreditagenturen. Der norwegische Pensionsfonds hat seit 2015 seinen Rückzug auf Teersand, Kohlekraftwerke, Öl- und Gasunternehmen ausgeweitet. Der schwedische Pensionsfonds AP7 hat im vergangenen Jahr 65 Unternehmen aus seinem Portfolio gestrichen, die klimawandelkritische Lobbygruppen unterstützen. Im vergangenen Oktober kam mit dem koreanischen Pensionsfonds für Lehrer und Staatsdiener die erste Institution aus Südostasien hinzu.

          Der Bericht benennt „Greenwashing“ als ein Risiko dieser Entwicklung. Die Investoren könnten daran scheitern, alle finanziellen Aktivitäten in diesen Prozess einzubeziehen. Kritik äußert Buckley überdies an Blackrock, Vanguard und Goldman Sachs, die mit ihren Bemühungen weit hinter Wettbewerbern zurückblieben. Zudem ließen chinesische Finanzinstitutionen weiter auf sich warten.

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