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Hohe Investitionen : Klimaschutz-Start-ups sammeln 32 Milliarden Dollar ein

Modellheizung für Schulung und Forschung von Octopus Energy Bild: Bloomberg

Investoren lieben Start-ups, die mit neuen Klimatechnologien auf den Markt drängen. In den ersten neun Monaten des Jahres erhielten sie eine Rekordsumme. Dabei gibt es einen klaren Hotspot in Europa.

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          Am Sonntag beginnt die UN-Klimakonferenz in Glasgow. Dann wird wieder eine Woche lang über Klimaschutz und die Finanzierung entsprechender Maßnahmen verhandelt. Um das 1,5-Grad-Ziel in Reichweite zu halten und Ökosysteme zu schützen, müssen die Industrieländer ihre Zusagen erfüllen, von 2020 an mindestens 100 Milliarden Dollar an Klimafinanzierung pro Jahr zu mobilisieren. „Auch die internationalen Finanzinstitutionen müssen ihren Teil dazu beitragen, und wir müssen daran arbeiten, die zur Sicherung der globalen Netto-Null erforderlichen Billionen an Finanzmitteln des privaten und öffentlichen Sektors freizusetzen“, heißt es auf der Internetseite des COP26.

          Madeleine Brühl
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Dass auch die Finanzindustrie durchaus an der Reduzierung von Treibhausgasemissionen und der Bewältigung der Folgen des Klimawandels interessiert ist, zeigt ein aktueller Bericht des Datenanbieters Dealroom und der Werbeagentur London & Partners. Allein in den ersten drei Quartalen 2021 konnten Start-ups aus dem Bereich Klimatechnologie weltweit 32 Milliarden Dollar an Risikokapital einsammeln, mehr als im gesamten vergangenen Jahr. Damit haben sich die Investitionen von Venture Capital Fonds in Klimatechnologien seit der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens von 6,6 Milliarden Dollar im Jahr 2016 bis heute verfünffacht. „Die Technologiebranche spielt eine essenzielle Rolle dabei, Innovationen im Kampf gegen den Klimawandel voranzutreiben“, äußerte London-&-Partners-CEO Laura Citron in einer Stellungnahme. „Ich glaube, dass die nächsten 1000 Einhörner Unternehmen sein werden, die grünen Wasserstoff, grüne Landwirtschaft, grünen Stahl und grünen Zement entwickeln“, sagte auch BlackRock-CEO Larry Fink am Montag auf dem Middle East Green Initiative Summit in Riad, Saudi-Arabien.

          5100 Klima-Tech-Start-ups in der ganzen Welt

          Als Klimatechnologie-Start-ups werden Unternehmen bezeichnet, die Technologien einsetzen, um Treibhausgasemissionen zu reduzieren oder die Auswirkungen des Klimawandels anzugehen. Klima-Tech wird als ein Teil von Impact definiert und gehört demnach auch zum ESG-Bereich (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung). Mit dieser Definition haben die Autoren weltweit 5100 Klima-Tech-Start-ups identifiziert und analysiert.

          Dem Bericht nach ist Europa die am schnellsten wachsende Region der Welt für Klimatechnologie-Start-ups. Im Vergleich zum globalen Durchschnitt haben sich die Investitionen in den vergangenen fünf Jahren hier sogar versiebenfacht – von 1,1 Milliarden Dollar 2016 auf aktuell 8 Milliarden Dollar seit Jahresbeginn. Auf Länderebene floss das meiste Risikokapital seit 2016 in die Vereinigten Staaten (48 Milliarden Dollar), gefolgt von China mit 18,6 Milliarden Dollar und Schweden mit 5,8 Milliarden Dollar. Deutschland liegt auf Platz sechs mit Investitionen in Wagniskapital von 2,7 Milliarden Dollar im Bereich Klimatechnologie.

          Wachstumstreiber der europäischen Entwicklung und größtes Zentrum für Klimatechnologie-Start-ups in Europa ist London. Mit 4,3 Milliarden Dollar Risikokapitalinvestitionen seit 2016 liegt Großbritannien weltweit auf Platz vier. Allein 3,3 Milliarden Dollar davon haben die 416 Londoner Klimatechnologie-Start-ups seit 2016 eingesammelt. Mittlerweile gibt es mit Octopus Energy, Arrival und Depop drei Klima-Tech-Einhörner. Sechs weitere könnten in nächster Zeit dazukommen.

          Berlin kann dagegen als größtes deutsches Start-up-Zentrum für Klima-Tech nicht einmal halb so viele Start-ups in diesem Bereich vorweisen wie London. Obwohl die deutsche Politik stark auf Innovationen setzen will, klagen deutsche Start-ups häufig über risikoscheue Investoren und langwierige Genehmigungsverfahren. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) hat errechnet, dass bis 2030 mehr als 200 Milliarden Euro Risikokapital für Klimatechnologien notwendig sind, um Klimaneutralität in Deutschland zu erreichen. „Um den Klimawandel zu bekämpfen, müssen wir fokussierter und deutlich konkreter auf Innovationen und deren Skalierung setzen. Die Potentiale sind vorhanden. Die Entschlossenheit wächst. Aber in der konkreten Umsetzung fehlt oft der Mut für die entscheidenden Schritte“, sagt Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der dena, in einer Stellungnahme. Wie ernst es allen Beteiligten wirklich ist, wird sich kommende Woche auf der Klimakonferenz zeigen.

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