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Green-Bonds : Mit der Geldanlage die Treibhausgase verringern

Viele Fonds setzen auf erneuerbare Energien. Bild: dpa

Die Investition in Green-Bonds lohnt sich, laut Analytikern. Verbirgt sich in den grünen Anleihen mehr als ein Trendthema, oder doch nur ein neues Etikett für alte Produkte?

          2 Min.

          Grüne Anleihen sind eines der großen Trendthemen an den internationalen Finanzmärkten. Im Jahr 2017 haben Marktteilnehmer nach Angaben der staatlichen Förderbank KfW erstmals mehr als 100 Milliarden Euro in Form solcher Green Bonds aufgenommen, mit denen sie also nur Projekte finanzieren dürfen, die besonders umweltfreundlich sind oder andere ethische Standards erfüllen. Die KfW ist einer der Vorreiter auf dem Markt und hat nun einmal durchrechnen lassen, was Anleger mit ihren Investitionen bewirken, wenn sie Geld in die Grünen Anleihen stecken.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die KfW finanziert aus dem Geld vor allem Windparks und Solaranlagen in Deutschland und im benachbarten Ausland. Alles in allem hat sie derzeit 17 Grüne Anleihen mit einem ausstehenden Volumen von 13,5 Milliarden Euro am Markt. Untersucht wurden nun die Jahre 2015 und 2016, in denen neun solcher Anleihen mit einem Gesamtvolumen von 6,5 Milliarden Euro begeben wurden. Mit dem Geld hat die KfW Förderdarlehen für rund 6000 verschiedene Projekte gegeben. So hat sie 20 Millionen Euro in einen Windpark im brandenburgischen Dretzen gesteckt und 1,5 Millionen Euro in eine Photovoltaikanlage in Senftenberg. Da die Abnehmer freilich auch einen Eigenanteil beisteuern müssen, wurden allein im Jahr 2015 laut KfW mit Hilfe des Geldes Investitionen von 5,4 Milliarden Euro ausgelöst, im Jahr 2016 waren es 5,7 Milliarden Euro.

          250 Milliarden Dollar Marke könnte geknackt werden

          Die Investition von 1 Million Euro in die Grünen Anleihen der KfW aus dem Jahr 2016 konnte so den Treibhausgasausstoß um 800 Tonnen im Jahr verringern, wie nun das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg im Auftrag der KfW berechnet hat. Bei den Anleihen aus dem Jahr 2015 fiel die Verringerung sogar noch etwas größer aus mit 859 Millionen Tonnen je investierter Million. Zusätzlich haben die Stuttgarter Forscher auch noch ausgerechnet, dass jede investierte Million die Kosten für Energieimporte nach Deutschland um 69.000 Euro verringert hat. Um 94.000 Euro ließen sich externe Kosten etwa durch die Vermeidung von Umwelt- und Gesundheitsschäden verringern. Jenseits des guten Gewissens bieten die Anleihen ihren Anlegern allerdings überschaubare Renditen. Die bislang letzte auf Euro begebene Anleihe aus dem Jahr 2017 bot einen Zinssatz von 0,25 Prozent pro anno über acht Jahre Laufzeit. In der Zwischenzeit hat die Förderbank Green Bonds in amerikanischen und australischen Dollar sowie schwedischen Kronen begeben, die etwas besser verzinst waren.

          Das Analysehaus Bloomberg Intelligence schätzt den Markt für Grüne Anleihen kürzlich in einer Studie als noch größer ein. Die Autoren gaben das Volumen neu emittierter Anleihen schon für das Jahr 2017 mit 155 Milliarden Dollar (133 Milliarden Euro) an und schätzten, dass das Volumen im Jahr 2018 schon die Marke von 250 Milliarden Dollar übersteigen könnten. Auch sie verwiesen vor allem auf die neuen Marktteilnehmer wie Staaten und Unternehmen, die nun ebenfalls auf Grüne Anleihen setzten. Als Beispiel nannten sie Frankreich, das eine Anleihe über 10 Milliarden Dollar begeben habe und den amerikanischen Immobilienfinanzierer Fannie Mae, der eine mit Hypotheken besicherte Grüne Anleihe über 20 Milliarden Dollar ausgegeben habe.

          Neues Etikett für alte Produkte

          Die Erwartungen für das weitere Wachstum des Marktes gehen allerdings weit auseinander. Während die 250 Milliarden Dollar für 2018 von der Ratingagentur Moody’s ausgerufen wurden, gehen die Kollegen von Standard & Poor’s von 200 Milliarden Dollar aus, und die schwedische Großbank SEB erwartet eine eher moderate Steigerung auf 175 Milliarden Dollar.

          Umstritten ist auch, ob es sich bei Green Bonds eigentlich vor allem um neue Etiketten für alte Produkte handelt. Die Investitionen, welche zum Beispiel die KfW aus ihren Grünen Anleihen finanziert hat, und die zu den berechneten CO2-Einsparungen geführt haben, hätte die staatliche Förderbank vermutlich auch getätigt, ohne dass sie eigens dafür deklariertes Geld eingesammelt hätte. Ähnlich dürfte das bei Unternehmen und Staaten auch sein. Auf der anderen Seite bieten die Green Bonds Anlegern die Möglichkeit, ihr Geld gezielt in solche Projekte zu stecken.

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