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Keine Entlastung für Führung : Aktionärsaufstand auch bei UBS

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Der ehemalige Bundesbank-Präsident und heutige Verwaltungsratschef der UBS, Axel Weber, musste sich den Vorwürfen der Aktionäre stellen. Bild: EPA

Nachdem jüngst die Aktionäre des Bayer-Konzerns dem Vorstand die Entlastung verweigerten, muss nun auch der Vorstand der Schweizer Bank UBS eine ähnliche Niederlage hinnehmen.

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          Der 1933 verstorbene Banker Carl Fürstenberg war berühmt für seine scharfen Bonmots. Eines davon lautet: „Aktionäre sind dumm und frech. Dumm, weil sie Aktien kaufen, und frech, weil sie dann noch Dividende haben wollen“.

          In jüngster Zeit scheinen sich Aktionäre zunehmend weniger mit dieser Rolle abfinden zu wollen. Nachdem am vergangenen Freitag schon die Aktionäre des Bayer-Konzerns dem Vorstand die Entlastung verwehrten, musste nun auch der Vorstand der Schweizer Bank UBS eine ähnliche Niederlage auf der Generalversammlung hinnehmen.

          Auch Ex-Bundesbankpräsident Weber nicht entlastet

          Die Anteilseigner verweigerten der Führung um Unternehmenschef Sergio Ermotti, aber auch dem Verwaltungsrat um den ehemaligen Bundesbank-Präsidenten Axel Weber die Entlastung für das vergangene Jahr 2018. Die Zustimmung auf dem Aktionärstreffen am Donnerstag lag bei nur 41,67 Prozent. Dieses Misstrauensvotum gilt als außergewöhnlicher Schritt. Im Vorjahr hatte die Zustimmung noch bei 89,68 Prozent gelegen. Das Votum hat keine unmittelbaren rechtlichen Konsequenzen für das Management - aber Signalwirkung.

          Als Grund gilt der Umgang der Bank mit einem Rechtsstreit in Frankreich. Ende Februar hatte ein Gericht in Paris die UBS wegen Steuerhinterziehung und Geldwäsche zu einer Rekordstrafe von 4,5 Milliarden Euro verurteilt. Die Schweizer hatten umgehend Berufung eingelegt. Angesichts der hohen Summe hatte sich die UBS Kritik eingefangen, sie habe sich bei dem Fall verspekuliert. Die Bank weist das jedoch entschieden zurück.

          Verteidigungen

          Weber hatte das Vorgehen auf der Aktionärsversammlung noch verteidigt. Eine außergerichtliche Einigung zu akzeptablen Bedingungen sei nicht möglich gewesen. „Uns blieb deshalb - auch im Interesse der Aktionärinnen und Aktionäre - nur der Gerichtsweg", so Weber. Konzernchef Sergio Ermotti sagte, die Bank fühle sich in dem Verfahren von der Schweiz "ein bisschen" im Stich gelassen.

          Kein Problem hatten die Aktionäre dagegen mit der Entlohnung der Führungsriege. 79,4 Prozent segneten den  Vergütungsbericht 2018 ab. Die Stimmrechtsberater Glass Lewis und Ethos hatten zuvor empfohlen, gegen den Bericht zu stimmen. Ein dritter ISS hingegen hatte zu einem "Ja" geraten, allerdings wie die beiden anderen auch zur Verweigerung der Entlastung. Über die Boni für den Vorstand für 2018 stimmen die Aktionäre gesondert in einer bindenden Abstimmung ab.

          Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg befindet sich die UBS derzeit auch anderweitig in schwierigen Gewässern. Das Unternehmen habe Manager in ihrem Wealth-Management-Bereich aufgefordert, bei der Einstellung von Bankern selektiver vorzugehen, um nach einem schwierigen ersten Quartal die Kosten zu senken. Für fünf scheidende Mitarbeiter im Back-Office könne ein neuer Banker eingestellt werden, soll eine neue, informelle Regel lauten. Bei Mitarbeitern mit Kundenkontakt könne ein neuen Mitarbeiter für zwei scheidende eingestellt werden. Ein Sprecher der Bank wollte dies gegenüber Bloomberg nicht kommentieren.

          Der Aktienkurs zeigt sich am Donnerstag allerdings wenig beeindruckt und tendiert gut behauptet. Allerdings hat sich der Aktienkurs der Bank seit Anfang 2018 deutlich schlechter entwickelt als der Schweizer Aktienmarkt. Während der Leitindex SMI 2018 knapp 10 Prozent verlor, gab die Notierung der UBS. 2019 erholte sie sich bisher um knapp 12 Prozent. Der SMI gewann jedoch mehr als 15 Prozent hinzu, so dass für den gesamten Zeitraum einem Plus von drei Prozent des Gesamtaktienmarkt ein Minus der UBS-Aktie von 25 Prozent gegenüber steht.

          UBS GROUP AG SF -,10

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