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Trotz Ende des Kaufprogramms : Die EZB bleibt ein Großkäufer von Anleihen

EZB, Frankfurt: Die Anleihen-Käufe dienen vor allem geldpolitischen Zwecken. Bild: AP

Das Kaufprogramm endet. Doch wird die Europäische Zentralbank im nächsten Jahr 210 Milliarden Euro ausgeben, um Staats- und Unternehmensanleihen zu erwerben. Wie passt das zusammen?

          Auch wenn die Zukäufe von Anleihen Ende Dezember stoppen, bleibt die Europäische Zentralbank (EZB) ein Großkäufer auf den Anleihemärkten, denn sie erwirbt für fällige Papiere Ersatz. Diese „Reinvestitionen“ haben ein dreistelliges Milliardenvolumen im Jahr. Wie die EZB klargestellt hat, wird sie sowohl für auslaufende Staats- als auch für Unternehmensanleihen und Pfandbriefe Ersatzkäufe tätigen. Insgesamt geht es dabei allein im nächsten Jahr um 210 Milliarden Euro Reinvestitionen, schätzt die Bank Unicredit. Davon werden 173 Milliarden Euro Staatspapiere sein.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          „Es gibt keine offizielle Aufschlüsselung nach Ländern, aber wir schätzten 40 Milliarden Euro deutsche Bundesanleihen, 33 Milliarden Euro französische Staatsanleihen, 30 Milliarden Euro italienische und 20 Milliarden Euro spanische Staatsanleihen“, schrieb Unicredit-Analyst Luca Cazzulani am Freitag. Insgesamt hat die EZB mit ihrem Kaufprogramm seit 2015 für 2,6 Billionen Euro Papiere erworben, davon fast 2100 Milliarden Euro Anleihen von Staaten oder staatlichen supranationalen Institutionen wie der Europäischen Investitionsbank.

          „Die Reinvestitionen sind von erheblicher Bedeutung für den Markt“, sagte Daniel Lenz, Analyst bei der DZ Bank. Das durchschnittliche monatliche Reinvestitionsvolumen für öffentliche Anleihen schätzt er auf 14 Milliarden Euro im kommenden Jahr. Dass die EZB ihren „Stock“, also Bestand hält, sei für den Markt relevanter als das Ende der Neuzukäufe, betont die DZ Bank. EZB-Präsident Mario Draghi hatte es am Vortag als „Missverständnis“ bezeichnet, dass die Zentralbank ihr Anleihekaufprogramm beende; es laufe weiter, hatte Draghi betont, die EZB bleibe als Käufer am Markt.

          Wie die Zentralbank mitteilte, wird sie sich bei der Verteilung der Staatsanleihe-Nachkäufe weiter am sogenannten EZB-Kapitalschlüssel orientieren, der in etwa das wirtschaftliche Gewicht der einzelnen Länder widerspiegelt. Zum 1. Januar wurden die Kapitalanteile der Euro-Mitgliedsländer nach fünf Jahren neu berechnet. Italiens und Spaniens Quoten sanken relativ deutlich, weil sie wirtschaftlich weniger gewachsen sind als etwa Deutschland. Italiens Kapitalquote beispielsweise sinkt um einen halben Prozentpunkt von 17,5 auf 17 Prozent, während Deutschlands Quote, der auch die Haftungsquote beziffert, von 25,6 auf 26,4 Prozent steigt.

          Die EZB werde ihre Anleihen-Portfolio- Anteile „näher“ an die jeweiligen Quoten der Länder im Kapitalschlüssel bringen, teilte sie mit. Der Übergang werde aber „graduell“ sein. Italien ist heute übergewichtet. Würde die EZB die Länderanteile exakt an die neuen Kapitalquoten anpassen, müsste sie ihre italienischen Anleihen von 363 Milliarden Euro um 28 Milliarden Euro verringern, schätzt die Unicredit. Dagegen müsste sie mehr deutsche Papiere kaufen, etwa 7 Milliarden Euro mehr. Derzeit hält sie für 515 Milliarden Euro Bundesanleihen.

          Auch als Käufer von Unternehmensanleihen wird die EZB weiter aktiv bleiben. Nach dem Beschluss vom Donnerstag wird sie auch hier die Bestände halten und somit nach Unicredit-Schätzung für fast 7 Milliarden Euro nächstes Jahr nachkaufen. Zwar seien einige Unternehmensanleihen riskanter und es könnte „Unfälle“ geben, hatte Draghi in der Pressekonferenz gesagt (beispielsweise fiel die Steinhoff-Anleihe aus). Ziel sei es aber nicht, mit den Papieren Gewinn zu machen oder Verluste zu vermeiden – vielmehr gehe es um geldpolitische Zwecke.

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