https://www.faz.net/-gv6-9mp4c

Kaufgelegenheit? : Handelsstreit lässt Aktienkurse fallen

  • -Aktualisiert am

Nach der Einschätzung von Analysten der Investmentbank Goldman Sachs sind mit der Drohung die Chancen auf eine Einigung gesunken. „Wir glauben aber, dass die Erhöhung der Zölle am Freitag knapp vermieden wird“, hieß es in einem Bericht. Goldman beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass die Drohung von Trump am Freitag wahrgemacht wird, allerdings auf 40 Prozent.

Kaufgelegenheit?

Vorausgesetzt, Amerika und China einigen sich letztlich auf ein Handelsabkommen, halten einige Marktstrategen Kursrückschläge für eine Gelegenheit, Aktien günstig zu erwerben. „Sollten durch Twitter-Meldungen ausgelöste Schwankungen durch die Märkte wabern und die Aktienkurse unter Druck bringen, empfehlen wir Anlegern, ihren Einkaufszettel für Aktien zu konsultieren, deren Kurse während des jüngsten Kursaufschwungs stark gestiegen sind“, hieß es vom Wertpapierhaus Oppenheimer. Auch Thomas Lee, Mitbegründer der Analysegesellschaft Fundstrat Global Advisors, hält fallende Kurse für eine Kaufgelegenheit. Lee geht davon aus, das die Notenbank bei einem andauernden Handelskonflikt weiterhin von potentiellen Leitzinserhöhungen absehen wird. Die Fed hatte im Januar eine Abkehr von ihrer straffen Geldpolitik signalisiert und angesichts eines schwächeren Wachstums in China und Europa für „Geduld“ plädiert. Im Dezember hatte der Fed-Vorsitzende Jerome Powell noch zwei Leitzinserhöhungen für 2019 avisiert, was zu großer Verunsicherung und Rückschlägen an den Aktienmärkten geführt hatte.

Analyst Lee glaubt zudem, dass viele Investoren den Kursaufschwung in diesem Jahr verpasst haben und bei kurzzeitigen Rückschlägen einsteigen und damit die Kurse wieder in die Höhe treiben könnten. „Privatanleger haben 2019 bisher Aktien verkauft und dafür Anleihen gekauft“, sagt Lee. Auch Hedgefonds seien bislang vergleichsweise schwach auf dem Aktienmarkt engagiert. „Wir glauben, dass dieses trockene Pulver eine wichtige Triebfeder sein wird.“

Vorsichtigere Strategen raten angesichts der latenten Unwägbarkeiten allerdings zu defensiven Anlagen – zu Aktien, die in den vergangenen Monaten zu den Schlusslichtern des von Technologiewerten und anderen zyklischen, also konjunktursensiblen Segmenten getriebenen allgemeinen Kursaufschwungs gehörten. „Wir kaufen heute defensive Werte, insbesondere nicht-zyklische Konsumwerte und Versorger“, teilten die Marktstrategen der Royal Bank of Canada mit.

Die bis zur Eskalation des Handelsstreits positive Stimmung an der Wall Street hatte allerdings die sinkenden Unternehmensgewinne für das erste Quartal überdeckt. Analysten kalkulieren für die im S&P 500 abgebildeten Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr mit einem durchschnittlichen Gewinnrückgang von 2,3 Prozent. Sinkende Unternehmensgewinne gelten als Warnsignal, da der Trend der Unternehmensgewinne den langfristigen Verlauf der Aktienkurse bestimmt. Etwa die Hälfte der S&P-500-Konzerne haben ihre Quartalszahlen schon vorgelegt. Knapp drei Viertel davon haben die im Vorfeld der Bilanzsaison deutlich reduzierten Prognosen übertroffen.

Weitere Themen

Topmeldungen

Christian Lindner hat bei der Grundrente bewiesen: Die FDP lebt. Hier spricht er bei einer Veranstaltung im Dezember 2017.

Einigung auf Grundsteuer : Die FDP lebt

Die FDP hat ihre Vetomacht im Bundesrat klug genutzt. Die neue Grundsteuer ist ungewohnt freiheitlich für Deutschland. Ein großes Manko des Steuer-Monstrums bleibt dennoch.
Das Brexit-Abkommen sei nur ein erster Schritt, dem die Regelung des Verhältnisses zwischen der EU und dem Nichtmitglied Großbritannien folgen müsse, sagt Brexit-Chefunterhändler Michel Barnier.

Ringen um den Brexit : Gibt es doch noch einen neuen Deal?

Noch ist in den Brexit-Verhandlungen alles offen. Doch in Brüssel wird bereits mit Argusaugen verfolgt, wie sich jene Unterhaus-Abgeordneten positionieren, auf deren Unterstützung Johnson für ein Abkommen angewiesen ist.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.