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Handelsstreit : Kann China Amerika an der Börse besiegen?

Weiterhin würde eine Abwertung des Yuan die Bemühungen Pekings zunichtemachen, die Währung als internationale Reserve und als Alternative zum Dollar zu etablieren. Auch bekämen diejenigen chinesischen Unternehmer ein Rückzahlungsproblem, die im Ausland Schulden in Dollar aufgenommen haben, deren Wert im Vergleich zum Yuan plötzlich stark steigen würde.

Die größte Gefahr stellte aber wohl die Kapitalflucht von Milliardensummen ein, die nach einer Abwertung des Yuans aus China heraus einsetzen würde. Genau aus diesem Grund hat Peking auch im Jahr 2016 begonnen, seine Währung durch Stützungskäufe aufzuwerten, nachdem sie über das Jahr hinweg mit 7 Prozent so stark gefallen war wie in den vorangegangen zwei Dekaden nicht mehr. Um die Milliarden der Reichen, der wohlhabenden Mittelschicht und sogar der ausländischen Investoren im Land zu halten führte die Währungsaufsicht scharfe Kontrollen ein, die erst kürzlich wieder etwas gelockert wurden, nachdem sich der Yuan stabilisiert hat. Nach wie vor haben die chinesischen Exporteure die Erwartung, dass der Wert des Yuans weiter sinken könnte, weshalb sie mit einer Konvertierung ihrer Dollar-Einnahmen noch warten. Zöge Peking in einem Handelskrieg die Abwertungswaffe, fehlte dieses Kapital Chinas Wirtschaft.

Wertete China den Yuan ab, indem es Dollar aufkaufte, müsste es vermutlich noch mehr amerikanische Staatsanleihen erwerben, was der Abwertungswaffe die Schärfe nähme. Was aber ist von dem Argument zu halten, dass China, sollte es nicht abwerten, immer noch seine amerikanischen Staatsanleihen auf den Markt werfen könnte? Die Einnahmen, die China aus seinem Handelsbilanzüberschuss von 423 Milliarden Dollar im Jahr 2017 erzielt hat, könnte es schließlich auch stärker in europäische oder japanische Titel anlegen. Auf dem Wirtschaftsforum Boao, das seit dem Wochenende auf der chinesischen Tropeninsel Hainan stattfindet, sagte Fan Gang, Mitglied des geldpolitischen Komitees der Zentralbank, China solle weniger amerikanische Staatsanleihen kaufen und in „reale Werte“ investieren.

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Allerdings blieb unklar, was der Zentralbankberater damit meinte. Schließlich ist kaum eine Anlage auf der Welt so sicher wie Staatsanleihen aus Amerika. Da verwundert es kaum, dass auf demselben Forum kurz zuvor der Ökonom Yuyan Zhang von der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften gesagt hatte, Peking werde keine Staatsanleihen verkaufen. China werde sich „verantwortungsvoll“ verhalten, hatte Vize-Finanzminister Zhu Guangyao in der vergangenen Woche auf dem vorläufigen Höhepunkt des Handelsstreits gesagt, was einer Absage an einen Verkauf gleichkommt. Ministerpräsident Li Keqiang hatte sich nach dem Nationalen Volkskongress im März genauso geäußert.

Das stärkste Argument gegen einen Verkauf von Staatsanleihen liefert jedoch Präsident Xi Jinping selbst. Dieser hatte sich auf dem Volkskongress die Amtszeit auf unbegrenzte Dauer verlängern und dafür die Verfassung umschreiben lassen. Dies bringe Instabilität in das politische System Chinas, ist die herrschende Lesart der Beobachter. Jetzt müssten Xis Gegner nur darauf warten, dass der Präsident einen großen Fehler mache, der aufgrund seiner Machtfülle wohl an ihm hängen bliebe. Ob diese Theorie stimmt, würde Chinas Führer mit riskanten Experimenten auf den Finanzmärkten testen.

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