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Anlagestrategie : Der Handelskonflikt wird lange bleiben

Im Blick der Weltwirtschaft: Amerikas Präsident Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping. Bild: Reuters

Für die Vermögensverwalter von JP Morgan ist der Streit zwischen Amerika und China Teil eines strategischen Ringens.

          Der Konflikt um den Handel, den Amerikas Präsident Donald Trump mit China vom Zaun gebrochen hat, beschäftigt derzeit die Kapitalmärkte und Ökonomen. Für viele liberal gesonnene Beobachter ist klar: Trump ist ein simpler Protektionist, China kämpft um seine Exportmärkte. Mark Davids ist Portfolio-Manager und einer der Leiter des Asien-Pazifik-Regionalteams der Fondsgesellschaft JP Morgan AM. Für ihn ist die Angelegenheit etwas weniger simpel. „Donald Trump betrachtet den Welthandel als Nullsummenspiel. Wer ein Defizit hat, ist ein Verlierer, und wer einen Überschuss hat, betrügt. Wäre das schon alles, dann wäre der Konflikt schnell vorbei, denn China ist der Überschuss nicht so wichtig.“

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch die Wirklichkeit sei schon etwas komplexer. Als China 2001 der Welthandelsorganisation beitrat, seien viele davon ausgegangen, dass sich das Land an die Spielregeln des internationalen Handels halten würde. Tatsächlich aber seien viele in der amerikanischen Politik zu dem Schluss gekommen, dem sei nicht so und China habe sich seinen neuen Wohlstand mit unfairen Mitteln erschlichen und es sei ein Fehler gewesen, auf diese Weise den Aufstieg eines großen geopolitischen Rivalen zuzulassen.

          In China hingegen sei man der Ansicht, man habe nie einen Hehl aus seinen Ambitionen gemacht, auch nicht daraus, in Schlüsselbranchen unabhängig vom Ausland zu werden. „Insofern ist der Handelskonflikt nur eines von vielen Kapiteln geopolitischer Reibungen zwischen China und den Vereinigten Staaten. Aber genau deswegen ist seine Lösung nicht trivial, weil es eben im Letzten um geostrategische Faktoren geht.“ Doch letztlich sei es immer noch besser, es handele sich um einen handelspolitischen und nicht um einen militärischen Konflikt.

          Trump ist der Wall Street wohlgesinnt

          Jedenfalls werde der amerikanisch-chinesische Konflikt noch länger virulent bleiben. Was nun Donald Trumps Position angehe, so sei dieser zwischen zwei Lagern hin- und hergerissen. Zum einen sei er der Wall Street wohlgesinnt, sehe ja auch in steigenden Aktienkursen eine Bestätigung des eigenen Erfolgs. Zum anderen sei da das Lager derer, die gegenüber China eine langfristige Politik der Stärke propagieren wie etwa Berater Peter Navarro. „Langer Rede kurzer Sinn: Es wird ein Handelsabkommen geben, aber es wird nicht das einzige sein.“

          Was nun China angehe, so sei für das Land das Handelsabkommen gar nicht so wichtig. Als man nach dem Boomjahr 2017 sehr viel ordnungspolitische Themen anging, habe das einen viel größeren Effekt auf das Wachstum gehabt. Als sich dann gezeigt habe, dass die wirtschaftliche Aktivität zu schnell abkühle, habe man zu neuen Wegen der Konjunkturpolitik gefunden. „Nicht zuletzt ging es bei der Entscheidung für einen indirekten Stimulus aber auch darum, das Pulver trocken zu halten, falls die Handelsverhandlungen unerwünschte Ergebnisse hervorbringen.“

          Die Politik von Chinas Partei- und Staatschef Xi sieht Davids zwiespältig. „Bei seiner Anti-Korruptions-Kampagne ging es Xi in allererster Linie darum, die Macht der Partei wiederherzustellen und die Macht in weniger Händen zu konzentrieren. Im Grunde ist dies eine moderne Version des ständigen Kampfs zwischen der Zentralgewalt und den Provinzen, der die chinesische Geschichte kennzeichnet.“ Indes habe Xi nicht viel dafür getan, die Situation des privaten Sektors zu verbessern, der über die Benachteiligung gegen den staatlichen klagt. „Ein starker Staat und eine wenig berechenbare Regierung sind zwar grundsätzlich nicht positiv zu sehen. Aber diese Regierung hat offenbar bisher die richtigen wirtschaftlichen Entscheidungen getroffen.“

          Die Suche nach nachhaltig ertragreichen Unternehmen

          Wenn es dann aber um das Investieren geht, dann werden all diese geo- und innenpolitischen Überlegungen für Davids mehr zur Hintergrundmusik. „Unser Tagesgeschäft ist es, auf Unternehmen zu schauen. Wer hat die besten Margen, die besten Geschäftsmodelle, die besten Strategien? Das ist es, worauf wir uns konzentrieren.“ Davids und sein Team sind auf der Suche nach nachhaltig ertragreichen Unternehmen. Diese finden sie derzeit vor allem in der Finanzbranche. „Asiens Bevölkerung wird wohlhabender und fragt angesichts eines fehlenden sozialen Netzes vermehrt Versicherungs- und Altersvorsorgeprodukte nach. Die Privatbanken sind im Unterschied zu den staatlichen ausgesprochen gut geführt und haben viel Potential, ihre Marktanteile auszubauen.“

          Auch was er unter „nachhaltig“ versteht, führt Davids aus. „Das Textilunternehmen Shenzhou hat vor allem auf Betreiben der westlichen Abnehmer in Verbesserung seiner ökologischen Standards und der Arbeitsbedingungen investiert. Das hat sich ausgezahlt, weil Konkurrenten nicht mithalten konnten und deswegen Marktanteile verloren.“

          Auch in anderer Hinsicht sieht Davids in Asien die Zukunft. Das Analystenteam werde weiter vergrößert, vor allem zunehmend durch Mitarbeiter aus China. Der dortige Aktienmarkt sei vor 20 Jahren noch nicht investierbar gewesen, nun aber sei es der zweitliquideste der Welt. Immer stärker werde sich das in den globalen Aktienindizes niederschlagen. „Das kann man nicht ignorieren. Vielleicht wird der chinesische Aktienmarkt in zehn Jahren künftig nicht der mit der besten Kursentwicklung sein. Aber er wird die Hälfte des asiatischen Marktes ausmachen. Historisch ist das letztlich nur eine Wiederherstellung der normalen wirtschaftlichen Kräfteverhältnisse, die langfristig doch von der Bevölkerungszahl bestimmt werden.“

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