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Weltwirtschaft in 2021 : Warum Geld das Wachstum belebt

Mann von Welt: John Greenwood, Chefvolkswirt der Vermögensverwaltung Invesco Bild: Jürgen Mai

Invesco-Chefvolkswirt John Greenwood erwartet eine kraftvolle Erholung der Weltwirtschaft und positive Folgen des Brexits für die Briten.

          2 Min.

          Im zweiten Halbjahr 2021 stehen die Zeichen auf Aufschwung. Davon zeigt sich der Chefvolkswirt des amerikanischen Vermögensverwalters Invesco, John Greenwood, im Gespräch mit der F.A.Z. überzeugt. „Ich erwarte dann eine sehr starke Erholung der Weltwirtschaft. Sie wird kraftvoller ausfallen als nach der Finanzkrise vor zwölf Jahren.“ Der Brite aus dem Schattenkabinett der Bank von England verweist auf den dann verfügbaren Impfstoff. Lockdowns seien damit nicht mehr nötig. Zudem seien die Stützungsmaßnahmen nun deutlich umfangreicher. In der Finanzkrise seien die Banken geschwächt gewesen: Sie hätten hohe Abschreibungen auf Kredite und Wertpapiere vornehmen müssen. Hinzu seien regulatorische Einschränkungen gekommen, so dass deren Bereitschaft zur Kreditvergabe sehr begrenzt gewesen sei. „Das ist nun anders“, betont Greenwood. Die Banken befänden sich in einer vergleichsweise starken Verfassung.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die fiskalischen Stützungspakete haben seiner Ansicht nach einen zeitlich begrenzten Effekt. Sie dienten vor allem dazu, dass Unternehmen und Haushalte Phasen ohne Einkommen überstehen könnten. Deshalb sei es wichtig, dass die Zentralbanken umfangreiche geldpolitische Stimuli bereitstellten. „Hohe Wachstumsraten der Geldmenge haben mit zeitlicher Verzögerung immer das Wirtschaftswachstum belebt“, sagt Greenwood, der lange Zeit in der früheren britischen Kronkolonie Hongkong tätig war, wo er 1983 die immer noch bestehende Anbindung des Hongkong-Dollars an den amerikanischen Dollar vorgeschlagen hatte.

          Die Inflationsrate im Euroraum kann nach seiner Erwartung im Jahr 2023 über 2 Prozent steigen. Aber es werde kein starker Anstieg sein, da die Geldmenge noch nicht sehr lange schnell wachse. In den Vereinigten Staaten hätten sich die wichtigsten Geldmengenaggregate (wie zum Beispiel M2) zuletzt um 23 bis 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erhöht. Das zusätzliche Geld werde von Finanzinstituten außerhalb des Bankensektors – Versicherer und Vermögensverwalter – sowie von Unternehmen und Haushalten gehalten. Es sei schon in den Aktien- und Immobilienmarkt geflossen. Greenwood weist die Ansicht zurück, die Kursgewinne an den Aktienmärkten stünden nicht im Einklang mit der fundamentalen Verfassung der Wirtschaft. Vielmehr stärke die höhere Geldmenge jetzt die Vermögenspreise und werde sich 2021 auf die Wirtschaft auswirken.

          Greenwood ist auch weiterhin glücklich über den EU-Austritt Großbritanniens. Die schleppenden und schwierigen Verhandlungen zwischen der britischen Regierung und der EU über einen geregelten Brexit zum Jahreswechsel haben daran nichts geändert. Greenwood erwartet ein Brexit-Abkommen mit der EU. Derzeit konzentriere sich die öffentliche Aufmerksamkeit zu stark auf die strittigen Punkte und nicht auf die schon erzielten Einigungen. Großbritannien werde in Zukunft in einer besseren Position sein, weil es am Weltmarkt zu den besten Preisen Güter kaufen kann und nicht zu den protektionistischen EU-Preisen. Das werde den britischen Lebensstandard erhöhen, insbesondere den der ärmeren Bevölkerung. Der Protektionismus kennzeichnet seiner Meinung nach die EU, wie es sich am Schutz der Landwirtschaft und der Automobilindustrie zeige.

          Der Wahlsieg von Joe Biden in der amerikanischen Präsidentenwahl hat nach Einschätzung Greenwoods nicht die Verhandlungsposition der britischen Regierung geschwächt. Es sei zwar davon auszugehen, dass ein Abkommen mit den Vereinigten Staaten nun etwas anders aussehen werde als unter einem Präsidenten Donald Trump. Aber ein solcher Handelsvertrag beziehe sich auf einen sehr langen Zeitraum, der deutlich über die Legislaturperiode eines Präsidenten hinausgeht.

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