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Turbulente Börsen : Jetzt noch Aktien kaufen?

  • -Aktualisiert am

Die Nervosität am Aktienmarkt nimmt nicht ab, die Sorgen werden größer. Bild: Reuters

Amazon und Google melden Milliardengewinne – die Aktienkurse fallen deutlich. Daran zeigt sich: Die Börsianer sind nervös. Was Anleger nun wissen müssen.

          Die Aktienmärkte sind weiter angeschlagen. Jene Börsianer, die gehofft haben, dass nach der jüngsten Korrektur die Kurse nun wieder steigen, wurden eines Besseren belehrt: Die Talfahrt geht weiter.

          Der Dax verminderte sich im Tagesverlauf bislang um bis zu 2 Prozent auf 11.000 Punkte. Im Wochenverlauf steuert der deutsche Standardwerteindex damit auf ein Minus von über 3,5 Prozent zu. Auch in Amerika fallen die Aktienkurse, sogar dann, wenn Unternehmen eigentlich üppige Gewinnzuwächse melden. Der Onlinehändler Amazon veröffentlichte einen Rekord-Quartalsgewinn – der Aktienkurs sank in der Folge um 6 Prozent. Der Tech-Konzern Alphabet (Google) verdiente mehr als 9 Milliarden Dollar in den vergangenen drei Monaten – auch in diesem Fall verminderten die Anleger den Börsenwert merklich.

          „Statt Rückenwind von der Wall Street bläst Europas Börsen nach den enttäuschenden Nachrichten einiger Technologie-Schwergewichte heftiger Gegenwind ins Gesicht“, schreibt Marktanalyst Milan Cutkovic vom Broker Axitrader in seiner aktuellen Markteinschätzung. Doch was  ist da los? Was müssen Anleger nun wissen? Hier kommen drei wichtige Punkte:

          Gold

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          1. Die Nervosität nimmt zu

          Robert Halver von der Baader Bank kommentiert die Börsensituation so: „Zurzeit wird ein giftiger Aktien-Cocktail serviert. Alles Positive wird ignoriert und stattdessen jedes noch so kleine Haar in der Suppe überdramatisiert. Die Baisse nährt die Baisse.“ Beispiel Amazon: Neben dem Rekordgewinn äußerte sich die Unternehmensführung etwas weniger zuversichtlich für das Weihnachtsgeschäft – und genau darauf fokussierten die Börsianer.

          AMAZON.COM INC. DL-,01

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          Bei der Google-Muttergesellschaft Alphabet das gleiche: Überaus solide Gewinne, aber die Rekordzahlen bleiben aus. In der Folge fallen dann auch andere Aktienkurse. Daran zeigt sich, wie sehr das Wohl und Wehe des Marktes gerade auch an den großen amerikanischen Technologiewerten hängt.

          Dow Jones

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          Nicht wenige Anleger haben mit diesen in den vergangenen Jahren viel Geld an der Börse verdienen können. Und jetzt, wo die Stimmung der Investoren insgesamt mehr als nur angeknackst scheint, nimmt nicht nur die Volatilität an den Märkten weiter zu. Auch die Nervosität derjenigen, die noch auf den Aktiengewinnen aus den vergangenen Jahren sitzen, nimmt von Tag zu Tag zu. „Verkaufen oder aussitzen, das Pendel schlägt in diesen Tagen immer mehr in Richtung Gewinnmitnahmen aus“, äußern die Fachleute von CMC Market in einer aktuellen Einschätzung: „Aussitzen wird in Zeiten steigender Zinsen und politischer Risiken nicht mehr als die attraktivere Alternative angesehen.“

          2. Eine schnelle Erholung ist nicht in Sicht

          Gerade die Risiken scheinen vielen Marktteilnehmern die Laune gehörig zu vermiesen. Es grassiert die Sorge vor einer weltweiten Wirtschaftseintrübung infolge des amerikanisch-chinesischen Wirtschaftsstreits. „Dieses Szenario träfe dann auf eine völlig überschuldete Weltwirtschaft, die zeitgleich mit zuletzt gestiegenen amerikanischen Leit- und Kreditzinsen selbst die Vereinigten Staaten in finanzielle Schwierigkeiten bringen könnte“, sagt Baader-Bank-Experte Robert Halver. Die amerikanische Notenbank Federal Reserve hat in diesem Jahr schon mehrfach die Leitzinsen angehoben – Präsident Donald Trump attackierte die Währungshüter öffentlich gleich mehrfach und bezeichnete ihren Kurs sogar als sein größtes Risiko. Hinzu kommt nach Ansicht Halvers wiederum die Sorge in Europa vor einer italienischen Schuldenkrise.

          Das alles trägt dazu bei, dass wenige an eine schnelle Kurserholung glauben. Auf der anderen Seite sollte sich der Blick in der aktuellen Bilanz-Saison nicht nur auf die hochgelobten Highetch-Werte konzentrieren, sondern auch auf die „Old Economy“. Da zeigt sich: Die Gefahr einer nahenden Wirtschaftskrise ist zumindest den Zahlen zufolge nur bedingt vorhanden. Der amerikanische Baumaschinenersteller Caterpillar, der oft als eine der typischen Weltkonjunktur-Aktien herangezogen wird, berichtete beispielsweise stabile Umsätze – ein Zeichen eher für eine globale Wachstumsverlangsamung, und nicht für einen Crash.

          Amerikas Leitindex Dow Jones ist unter die pyschologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten gerutscht.

          3. Und was sollen Anleger nun machen?

          Alles in allem halten die genannten Gründe gerade viele Anleger offenkundig davon ab, in Aktien zu investieren. Kurzfristig mag das verständlich sein. Doch wer langfristig seinen Vermögensaufbau voran bringen möchte, diese Lehre bleibt, kommt um den Aktienmarkt nicht herum.

          Übrigens: Aktien sind, gemessen etwa am Verhältnis von Kursen und erwarteten Gewinnen, derzeit nicht sonderlich teuer. „Insbesondere deutsche Aktien haben sich im direkten Vergleich mit den Vereinigten Staaten und Titeln der Eurozone verbilligt“, sagt Robert Halver.

          DAX ®

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          Ein weiteres Argument für Aktien zeigt die Historie auf: Trotz aller Krisen in den vergangenen Jahrzehnten haben sich Aktien als rentierliche Anlageform gezeigt. Eine Studie der Bank Crédit Suisse ergibt: Ein Portfolio mit globalen Aktien seit dem Jahr 1900 hat im Schnitt jährlich eine reale Rendite (nach Abzug der Inflation) von 5,2 Prozent abgeworfen.

          Das mag aber für viele Anleger derzeit kein Argument sein. Die Angst, Geld an der Börse kurzfristig zu verlieren, sie ist größer geworden. Auch mit einem Blick auf die Dax-Charttechnik ist das durchaus verständlich – eine Fortsetzung des Abwärtstrends ist durchaus wahrscheinlich, der Test der 11.000-Punkte-Marke dürfte lediglich eine Frage der Zeit sein. Aber selbst dann gilt: Es gibt keinen Grund, Aktien als Langfrist-Anlage zu verteufeln.

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